FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

Takt wechsel Die EU verkürzt die Wertpapierabwicklung von zwei auf einen Tag ( T+1 ). Österreichs Fondsgesellschaften arbeiten an der Umstellung. Auch kleinere Marktteilnehmer müssen sich anpassen. E in Skandal macht Karriere: 2021 brachten kaufbereite aktivistische Privatanleger große Leerverkäufer nahezu an den Abgrund, die zuvor auf fallende Kurse beim US-Computerspielhändler Gamestop gesetzt hatten. Eigentlich ist eine solche Revolte nur ein Wimpern- schlag im dauerturbulenten Börsenge- schehen. Doch bei den Regulatoren hat GLH $ȬÌUH QDFKKDOWLJ HLQJHVFKODJHQ %LV heute steht Gamestop im Hintergrund von Maßnahmen. Dazu zählt, dass der damals zweitägige Wertpapierabwick- lungsstandard ins Aus geschickt wurde. In den USA gilt seit Ende Mai 2024: Ein Deal muss spätestens einen Geschäftstag nach der Order vollständig abgewickelt sein; der Käufer besitzt sein Wertpapier, der Verkäufer hat das Geld. Hinter der Verkürzung steht die simple Logik, dass in einem Tag weniger passieren kann als in zwei. Erklärt am Fall Gamestop: Der Onlinebroker Robin Hood, über den viele Anleger die Titel „hamsterten“, geriet wegen hoher Forderungen der US-Clearingstelle plötzlich in Troubles. Clearingstellen garantieren die Transak- tionsabwicklung, wollen dafür aber risiko- gerechte Sicherheiten. Aus der US-Börsen- aufsicht SEC hieß es damals sinngemäß: „Dieser Zwei-Tage-Zeitraum kostet.“ Mit den USA haben Märkte wie Kanada, Mexiko und Argentinien auf das T+1-Settlement umgestellt. China und Indien waren noch früher dran. Nun folgt mit Verzögerung die EU. Ab b2NWREHU ZLUG 7 LQ (XURSD YHU - SijLFKWHQG HLQJHIĞKUW %HUHLW VHLQ PĞVVHQ die Marktteilnehmer aber schon davor. Ab dem Jahreswechsel beginnt eine EU- weite Probephase. „Die Vorbereitung auf T+1 sollte bis Ende dieses Jahres auf jeden Fall abgeschlossen sein, damit ausreichend Zeit bleibt, die Systeme zu testen“, sagt Karin Hahold-Bilzer, Leiterin Markt- und Börseaufsicht in der FMA. Das bedeutet, in rund neun Monaten müssen die zahl- reichen Beteiligten am Wertpapierhandel alle Abwicklungsschritte im halbierten =HLWIHQVWHU VFKDȬHQ YRQ GHU =XWHLOXQJ (welche Wertpapiere wohin gehen) über den Datenabgleich (ISIN, Preis etc.) bis zumCash-Position-Management, das Geld und Wertpapiere synchron garantiert. Schneller reagieren Dass die Vorbereitungen kein isolierter Prozess sind, verdeutlicht Harald Frodl, Leiter Fonds-Service beimösterreichischen )RQGVULHVHQ 5DLȬHLVHQ &DSLWDO 0DQDJH ment (RCM): Unter anderem arbeite die RCM daran, die Weiterleitung an Depotbanken oder Abwicklungsstellen zu beschleunigen, damit diese wiederum ihre Aufgaben zeitgerecht erfüllen können. Wo das nicht ohnehin schon geschehen ist, werden beispielsweise Batch-Prozesse (periodische Sammelweiterleitung größe- rer Brocken) auf Echtzeitprozesse umge- Weniger manuelle Eingriffe, mehr Automatisierung, heißt es bald im europäischenWertpapierhandel. Wenn die Abwicklungszeit auf einen Tag halbiert wird, muss alles wie amSchnürchen laufen. 268 fondsprofessionell.at 1/2026 STEUER & RECHT Wertpapierabwicklung FOTO: © ANDREY POPOV | STOCK.ADOBE.COM, ILLUSTRATIONEN: © ANTTO | STOCK.ADOBE.COM T+1 11. Oktober 2027 Neuer Standard imWertpapier-Settlement

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