FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

die mit schwierigen Marktbedingungen umzugehen gelernt haben, sind noch aktiv. Die anderen sind es nicht mehr. Hingsammer: Das gilt nicht nur für Bera- ter, sondern für die gesamte Branche. Die Marktbereinigung der letzten Jahre war – bei aller Härte – auch eine gesunde Entwicklung. Viele Player, die keine echte Kernkompetenz im operativen Immobi- liengeschäft hatten, sind verschwunden. Wer heute am Markt bestehen will, muss ein ganzheitlicher Akteur sein: Er muss antizyklisch einkaufen und das Produkt sauber kalkulieren, damit es gekauft wird. Was nicht läuft, sind Objekte, bei denen der Verkäufer nicht bereit oder in der Lage ist, mit demMarkt zu gehen. InFachkreisenwird2026oftalsdasJahrdes AssetManagementsbezeichnet–Stichwort Konsolidierung, Skaleneffekte, Fusionen. Wie beobachten Sie diese Entwicklung für denösterreichischenMarkt? Hingsammer: Diese Einschätzung teilen ZLU 5ĞFNOÌXljJH %DXJHQHKPLJXQJHQ haben die Branche stärker auf den Bestand fokussiert. Wir alle arbeiten intensiver im Bestandsportfolio, dazu gehören Sanierungen, aktives Refurbish- ment, Nachvermietungen und die ESG- konforme Aufwertung. Gleichzeitig sind Genehmigungsrisiken und -zeiträume im Neubau nach wie vor erheblich. Was die Politik kommuniziert und was in der Pra- [LV DQNRPPW NODȬW GHXWOLFK DXVHLQDQGHU Eine große Herausforderung in der Immo- bilienwirtschaft ist die Schaffung von leist- baren Wohnungen. Ist es angesichts hoher Baukosten und knapper Ressourcen über- hauptnochmöglich,ohneFörderungenleist- barenWohnraumzuschaffen?WelcheRah- menbedingungenbräuchtees? Hingsammer: Im freien Markt ist leistbarer Wohnraum de facto extrem schwierig zu realisieren. Die Parameter sind bekannt: Finanzierungskosten, Grundstückspreise in guten Lagen, exponentiell gestiegene Baukosten und eine Kaufkraftentwick- lung, die nicht mitgehalten hat. Die Immobilienwirtschaft kann nur mit den 3DUDPHWHUQ DUEHLWHQ GLH VLH YRUljQGHW Allerdings ist das Wohnen im internatio- nalen Vergleich bei uns noch immer günstig. Österreichische Haushalte wen- den im Median rund 37 Prozent ihres Nettohaushaltseinkommens für Wohnen auf, was international eher niedrig ist. Das Bewusstsein, dass Wohnen künftig mehr kosten wird, muss in der Gesellschaft wachsen. Ohne dieses Umdenken wird der Druck nicht abnehmen. 6FKDXijHU Das Angebot muss steigen. Der Preis wird durch Angebot und Nach- frage bestimmt, das ist eine Uraltregel der 9RONVZLUWVFKDIW GLH SROLWLVFK RȬHQEDU ]X ZHQLJ %HUĞFNVLFKWLJXQJ ljQGHW 6RODQJH Genehmigungsverfahren Jahre dauern und Bürokratie die Kosten treibt, wird sich nichts ändern. Hingsammer: Eine Deloitte-Statistik hat gezeigt, dass der Neubaupreis in Wien im europäischen Vergleich durchaus wettbe- werbsfähig ist. Leistbarkeit ist also auch eine Frage des Referenzrahmens. » Insgesamt nehme ich die Stimmung als verhalten optimistisch wahr; vielleicht sogar zu optimistisch, wenn man die makroökonomischen Rahmenbedingungen nüchtern betrachtet. « Gunther Hingsammer, IFA fondsprofessionell.at 1/2026 155 FOTO: © MARLENE FRÖHLICH FÜR FONDS PROFESSIONELL | MARLENE.AT

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