FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026
„Unser Markt!“ Ernst Huber hat beim Onlinebroker Dadat Kryptowährungen eingeführt und streicht komplett die Depotgebühren. An Konkurrenten wie Bitpanda übt er harte Kritik. D er längstdienende Architekt des österreichischen Online-Brokerage rauscht ins vereinbarte Gespräch, als hätte er gerade noch die Ärmel hochgekrempelt gehabt – ein Eindruck, der sich im Lauf der Unterhaltung verfestigt. Ernst Huber, Chef des Direktbrokers Dadat, stellt gera- de das von ihm hochgezogene Portal auf breitere Standbeine. Nebenbei muss er sein Qualitätsversprechen gegen die Konkurrenz der Neobanken und Krypto- Broker verteidigen. Soll heißen, er muss tiefer in die nach unten führende Preis- spirale einsteigen. „2027 werden wir bei Dadat unsre Depotgebühren auch bei den Bestandskunden komplett streichen“, kündigt Huber an. Verdienen werde man dann ausschließlich an den Trades. Dadat ist Hubers zweiter Broker. Als er vor gut 30 Jahren direktanlage.at (heute Teil der Easybank) gründete, war Wert- papierhandel für den Durchschnittsöster- reicher eine Erzählung aus Hollywood; amnähesten kamman demThema durch den Kauf eines Kinotickets. Selbst Hubers 2017 lancierte und damit vergleichsweise junge Dadat kommt im Rückblick aus einer völlig anderen Zeit. Damals steckten Finanzmarktplayer wie N26, Revolut oder Trade Republic in ihren Anfängen und hatten kein oder kaum ein Investment- angebot, Robo-Vermögensverwalter wie Scalable waren noch nicht im Self-Direc- ted Brokerage tätig. Heute werbenmehrere Dutzend Trading-Plattformen um hiesige Wertpapierkunden. Das Positive amAnbie- terzuwachs: Die marketingstarken Portale verstehen es, Anlegern im Sparbuchland Österreich die Angst vorm Investieren zu nehmen. Nachteil für die Industrie: Der Wettbewerb mit den oft hochkapitalisier- ten Fintechs greift die Margen an. Erstinvestment: Kryptoassets Und ein weiteres Phänomen macht klassischen Depotplattformen das Leben schwer: Viele Neuanleger überspringen Wertpapiere gleich ganz – ihr erstes Invest- ment sind Kryptowährungen. Laut Zah- len der Nationalbank (OeNB) besaßen 2025 vier Prozent der Haushalte Krypto- werte. Andere Erhebungen legen sogar nahe, dass fast ein Fünftel Krypto-Erfah- rungen hat. Jedenfalls ein hoher Anteil, wenn man bedenkt, dass zwölf Prozent der Haushalte direkt in Fonds investiert sind, in Aktien sechs Prozent und in Anleihen nur drei Prozent (OeNB). Darauf hat Dadat heuer reagiert: Seit Jänner stehen den Kunden 50 Krypto- ZHUWH ]XP +DQGHO RȬHQ ł VRZRKO 'HUL - vate (ETCs) als auch Realwerte. „Wir kön- nen uns nicht erlauben, dass der Kunde zu einem Mitbewerber geht, weil es dort Kryptos gibt. Ein Kunde muss bei uns DOOHV ljQGHQ ZDV HU EUDXFKWĺ VR +XEHU Damit geht er einen pragmatischeren, selbstverantwortlicheren Weg als manche Ohne Rücksicht auf Verluste: Öster- reichs Onlinebroker müssen gegen Neo-Anbieter wachsen. Margen sind momentan eher nebensächlich. » Wir können uns nicht erlauben, dass der Kunde zu einem Mitbewerber geht, weil es dort Kryptos gibt. « Ernst Huber, Dadat 196 fondsprofessionell.at 1/2026 VERTRIEB & PRAXIS Änderungen bei Dadat FOTO: © ALEX FROM THE ROCK | STOCK.ADOBE.COM
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