FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

prüfen, Kunden kontaktieren, Änderun- gen dokumentieren, Hauptfälligkeiten überwachen oder Gespräche protokollie- ren. Ronald Holzmann und Konstantin Beran sehen darin ein unterschätztes Problem. In vielen Organisationen sei die Bestandsarbeit schlicht zu teuer geworden – vor allem bei kleinen Provisionen. Beran beschreibt das mit einem Beispiel: „Man ruft dreimal an, fährt hin, löst ein Park- ticket – und bekommt am Ende vielleicht 14 Euro Provision.“ Die Folge: Bestands- kontakte werden verschoben oder gar nicht gemacht. Damit wächst nicht nur das wirtschaftliche Problem, sondern auch das regulatorische Risiko. Hier kommt „Renate“ ins Spiel: Der KI-Sprachbot soll Bestandskunden kontaktieren, Gespräche führen und automatisch dokumentieren. Der Unterschied zu klassischen Hotlines: Der Bot soll erkennen,wann ein Gespräch an einen Menschen übergeben werden muss. Beran beschreibt das Prinzip so: „Renate wird darauf geschult, an Berater zu übergeben.“ Routinefälle werden lau- fend automatisiert. Das Gespräch selbst wird vollständig transkribiert: Fragen,Ant- worten, Produktinformationen und Hin- weise werden gespeichert. Der Bot kann erklären, was im Produktmanagement GHljQLHUW ZXUGH ł DEHU QLFKW EHUDWHQ Sobald sich die Lebensumstände ändern, übernimmt wieder ein Mensch. Genau darin sieht auch OVB den Nut- zen. Bock formuliert es so: „Die Idee ist nicht, den Berater zu ersetzen. Die Idee ist, ihn von Routinearbeit zu entlasten.“ Der wahre Engpass: Daten So futuristisch eine digitale Assistenz klingt – das eigentliche Problem liegt oft ganz woanders: bei den Systemen. Viele Versicherer und Finanzvertriebe arbeiten mit CRM-Systemen, die über die Jahre gewachsen sind. Teilweise sind sie Jahr- zehnte alt, individuell programmiert und kaummiteinander vernetzt. Beran bringt es drastisch auf den Punkt: „Die arbei- ten mit CRM-Tools, die 20 Jahre alt sind – und die korrespondieren mit nichts.“ Hinzu kommt ein weiteres Problem: die Datenqualität. Verträge, Hauptfällig- keiten oder Kundendaten liegen oft in unterschiedlichen Formaten vor. Bevor eine Automatisierung möglich ist, müs- sen diese Daten vereinheitlicht werden. Erst dann kann eine KI zuverlässig arbei- ten. Der Weg dorthin ist aber aufwendig. Balance Factory arbeitet derzeit projekt- basiert mit einzelnen Organisationen, um reale Bestände zu analysieren und Systeme zu integrieren. Langfristig soll daraus ein standardisiertes Produkt entstehen. Beran beschreibt das Ziel so: „Das große Ziel ist, dass am Ende ein SaaS-Produkt entsteht, das quasi Plug-and-Play funktio- niert.“ Dabei soll die Technologie nicht beim Anbieter bleiben, sondern bei den Kunden laufen – auf derem Servern und innerhalb ihrer Compliance-Strukturen. Gerade im Finanzbereich spielt Regu- lierung bekanntlich eine zentrale Rolle. Holzmann betont daher, dass regulato- rische Fragen von Anfang an Teil der Entwicklung sind und man sich ent- sprechend mit den Aufsichtsbehörden abstimmt. Die entscheidende Grenze: KI darf Informationen erklären – aber keine individuelle Beratung durchführen. Das bleibt weiterhin Aufgabe der menschli- chen Berater. Nachfolge als Problem 1HEHQ (ȯ]LHQ] VHKHQ +RO]PDQQ XQG Beran noch eine zweite große Herausfor- derung für die Branche: Die Rede ist vom Thema Unternehmensnachfolge, denn die Branche hat bekanntlich ein demo- JUDljVFKHV 3UREOHP 9LHOH 0DNOHU XQG Berater stehen vor dem Ruhestand – und hinterlassen große Bestände. Doch deren tatsächliche Qualität ist oft schwer zu beurteilen, den es gilt viele Fragen zu klä- ren: Sind die Kunden erreichbar? Sind die Daten aktuell? Wurden Gespräche doku- mentiert? Automatisierung könnte hier eine entscheidende Rolle spielen. Bock formuliert es pragmatisch: „Wenn wir Bestände wirtschaftlich betreubar halten wollen, müssen wir neue Wege gehen.“ Am Ende zeigt sich: „Renate“ ist weni- ger ein einzelnes Produkt als ein Symbol für einen größeren Wandel. Die Branche steht unter Druck – durch Regulierung, .RVWHQ XQG GHPRJUDljVFKH 9HUÌQGHUXQ - gen. Holzmann beschreibt den Ansatz deshalb bewusst nüchtern: „Man müsse analog genug bleiben, um die Realität der Vertriebe zu verstehen – und digital genug, um sie zu verändern.“ Oder wie Beran es formuliert: „Wir sind nicht der Stecker, den man einsteckt, und dann funktioniert KI.“ Es geht um Integration, Daten und Prozesse. Wenn das gelingt, könnte aus einem ungeliebten Thema der Branche – der Bestandsarbeit – ein skalier- barer Prozess werden. Und dann könnte es künftig öfter passieren, dass ein Kunde einen Anruf bekommt. Und am anderen Ende sagt eine Stimme: „Guten Tag – hier ist Renate.“ GEORG PANKL FP fondsprofessionell.at 1/2026 183 FOTO: © OVB ALLFINANZVERMITTLUNG » Die Idee ist nicht, den Berater zu ersetzen. Die Idee ist, ihn von Routine- arbeit zu entlasten. « Stephan Bock, OVB Österreich

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