FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

KI für Bestände Eine KI, die nicht beraten darf, aber Gespräche führen, prüfen und protokollieren kann: „Renate“ soll Vertriebsteams entlasten und Bestände wirtschaftlich betreubar machen. D as Telefon klingelt. Am anderen Ende meldet sich eine ruhige Stim- me: „Guten Tag, ich rufe wegen Ihres Ver- sicherungsvertrags an. Darf ich kurz etwas überprüfen?“ Die Stimme gehört keiner Mitarbeiterin eines Callcenters – sondern einer KI. „Renate“ heißt der Sprachbot, an dem derzeit gearbeitet wird. Er soll Bestandskunden kontaktieren, Gespräche führen, Informationen überprüfen und – wenn nötig – an einen menschlichen Berater übergeben. Die Idee dahinter klingt einfach: Routine automatisieren, Beratung beim Menschen lassen. Doch hinter „Renate“ steht der größere Versuch, ein strukturelles Problem der Finanzbran- che zu lösen. Finanzvertrieb und KI Ein Unternehmen, das dieses Projekt begleitet, ist der europäische Finanzver- trieb OVB. Dort sieht man in der Tech- nologie vor allem eine Antwort auf eine zentrale Herausforderung der Branche: den Bestand. Stephan Bock, Geschäfts- führer des OVB Österreich, beschreibt die Ausgangslage so: „Der Bestand ist eigent- lich unser größtes Asset – aber gleichzeitig auch die größte Herausforderung.“ Denn im Finanzvertrieb geht es nicht nur um Neukundengewinnung. Bestandsverträge müssen regelmäßig überprüft, dokumen- tiert und angepasst werden. Kunden zie- hen um, Lebenssituationen ändern sich, Produkte laufen aus oder werden ersetzt – das alles bedeutet Arbeit. „Unsere Bera- ter wollen für ihre Kunden da sein“, sagt Bock. „Aber sie müssen ihre Zeit natür- lich auch wirtschaftlich einsetzen.“ Gerade kleinere Verträge geraten dabei schnell LQ HLQ 6SDQQXQJVIHOG %HWUHXXQJVSijLFKW Dokumentationsanforderungen und Wirtschaftlichkeit passen nicht immer zusammen. InsureAI Das eigentliche Problem liegt dabei im Bereich Bestandsarbeit. Und genau hier setzt das Projekt „InsureAI“ der Bera- tungsboutique Balance Factory – Beran &Holzmann Unternehmensberatung an. Mit Ronald Holzmann – zuvor Leiter der FFB in Österreich und Partner beimWie- ner Wealthtech froots – und Konstantin Beran – er war Vertriebsdirektor bei der WWK und zuletzt Leiter des Produkt- managements beim Finanzvertrieb Swiss Life Select – haben sich zwei absolute 9HUWULHEVSURljV ]XVDPPHQJHIXQGHQ 0LW dem neuen System wollen die beiden die Bestandsarbeit automatisieren, „Renate“ ist dabei ein Teilbereich dieses Projekts. Der Ansatz dahinter ist leicht erklärt: KI soll nicht als Ersatz für Berater dienen, sondern als Unterstützung im Hinter- grund. Denn viele Aufgaben im Bestand sind wiederkehrend: Vertragsdaten über- Die Balance Factory rund umRonald Holzmann (r.) und Konstantin Beran (l.) verspricht, aus demAltbestand eine neue Chance zumachen. Dabei sollen ein KI-Systemund ein entsprechender Sprachbot helfen. » Der Bestand ist eigentlich unser größtes Asset – aber gleich- zeitig auch die größte Herausforderung. « Stephan Bock, OVB Österreich 182 fondsprofessionell.at 1/2026 FONDS & VERSICHERUNG KI-Unterstützung FOTO: © MARKUS BACHER PHOTOGRAPHER | FONDS PROFESSIONELL

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