FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

Neubau im Krisenmodus Der Immobilienmarkt entwickelt sich asymmetrisch, zeigen Marktberichte. Während die Nachfrage beimWohnen steigt, laufen Gewerbeimmobilien schlecht. Die Bauwirtschaft selbst leidet. G inge es nach den Umsatzzahlen, hat Österreich auf den ersten Blick die jüngste Immobilienkrise überwunden. Der Transaktionsmarkt hat sich 2025 ein- drucksvoll erholt: Knapp 118.000 Immo- bilien wechselten den Eigentümer, um 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Die in den Grundbüchern erfassten Kaufpreise stie- gen sogar um 20 Prozent auf 34,6 Milliar- den Euro. In nahezu allen Transaktions- segmenten lagen die Zuwächse im zwei- VWHOOLJHQ 3UR]HQWEHUHLFK Ľ'LH UĞFNOÌXljJH ,QijDWLRQ XQG GDV JHULQJHUH =LQVQLYHDX DEHU DXFK SV\FKRORJLVFKH (ȬHNWH ZLH GDV medial breitgetretene Ende der KIM-Ver- ordnung – die in Wirklichkeit nur eine Umwandlung von einer Verordnung in eine dringende Empfehlung war – und *HZĆKQXQJVHȬHNWH DQ GDV (QGH GHU 1XOO - zinsphase haben zu dieser Trendumkehr geführt“, erklärt Remax-Austria-Geschäfts- führer Bernhard Reikersdorfer. Bemerkenswert ist dabei, dass der Umsatz rund sechs Prozent über dem Zehnjahresschnitt liegt, obwohl die Ver- kaufszahlen fast neun Prozent darunter bleiben. Immobilien sind also trotz aller Krisen langfristig teurer geworden – ganz im Sinne des viel zitierten „Betongolds“. $OOHUGLQJV ZDU DXFK GLH ,QijDWLRQ HUKHE - lich: Der Verbraucherpreisindex der Sta- tistik Austria stieg in den vergangenen zehn Jahren um 39 Prozent, wobei sich Wohnen und Energie sogar um knapp 55 Prozent verteuerten. Zudem hat die Marktentwicklung seit 2022 viele Opfer gefordert. Hinter der jüngsten Belebung auf der Investmentseite verbirgt sich also ein gespaltener Markt, da die Bauwirt- schaft und Teile der Immobilienbranche weiter in der Krise stecken. Insolvenzen und Zwangsversteigerungen häufen sich, und die Finanzierungsbedingungen sind trotz gesenkter Leitzinsen angespannt. Baubranche im Krisenmodus Die Unicredit Bank Austria geht davon aus, dass die Krise der österreichischen %DXZLUWVFKDIW DQKÌOW 1DFK HLQHU NXU]HQ Stabilisierungsphase beschleunigte sich gegen Ende 2025 der Rückgang der Bau- produktion erneut; insgesamt ergab sich für 2025 ein Minus von 1,9 Prozent. Die Entwicklung verlief zweigeteilt: Während der Hochbau einen Produk- tionsrückgang von durchschnittlich 11,5 Prozent verzeichnete – mit wieder stei- gendem Tempo gegen Jahresende –, legte der Tiefbau real um 14 Prozent zu. Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl äußerte sich zuletzt verhalten optimistisch: „Die gestiegene Dynamik bei Baubewilli- gungen und Finanzierungen zumindest in Teilen des Hochbaus, vor allem im Woh- nungsbau, lässt eine Konjunkturverbesse- rung erwarten. Die Wachstumsaussichten für 2026 bleiben aber überschaubar.“ Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Zahl insolventer Unterneh- men in der Bau- und Immobilienbranche sowie die damit verbundenen Gesamt- VFKXOGHQ VWDUN JHVWLHJHQ VLQG VLHKH *UDljN DXI 6HLWH /DXW .69 HQWljHOHQ Prozent aller 2025 registrierten Insolven- zen auf die Bau- und Immobilienbranche. Im Grundstücks- und Wohnungswesen stiegen die Pleitefälle um 35 Prozent. Das ist auch eine Folge des wirtschaftlichen Der Wohnimmobilienmarkt erholt sich von den Rückschlägen der vergangenen drei Jahre. Die Bau- wirtschaft steckt allerdings immer noch in einer hartnäckigen Krise. 160 fondsprofessionell.at 1/2026 SACHWERTE Immobilienmarkt FOTO: © KOBRA78 | STOCK.ADOBE.COM

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=