FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

Das ist ein berechtigter Punkt. Wenn Sie ein Modell so lange anhand von historischen Daten „optimieren“, bis es perfekt aussieht, wird es in der Zukunft höchstwahrscheinlich enttäuschen. Wir vermeiden das, indem wir sehr bewusst nur wenige, robust belegte Faktoren ein- setzen und diese nicht ständig nachjus- tieren, nur weil sie in einem Jahr einmal nicht funktionieren. Außerdem testen wir unsere Modelle in unterschiedlichen Marktphasen und Regionen und legen großen Wert darauf, dass sie auch unter Stressbedingungen noch nachvollziehbar agieren. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die menschliche Kontrolle: Wir lassen unsere Portfolios nicht blind via Autopilot laufen, sondern überwachen systematische Signale und Risiken kontinuierlich. Wo setzen Sie denn konkret die „Hand- bremse“ oder den gesunden Menschen- verstandein? Wir sehen das als Zusammenspiel. Das Modell ist unser Werkzeug, es struktu- riert das Universum, misst Attraktivität und Risiken und sorgt für Konsistenz. 'HU 0HQVFK GHljQLHUW GLH 5DKPHQSDUD - meter, zum Beispiel welche Restriktionen JHOWHQ ZLH EUHLW GLYHUVLlj]LHUW ZHUGHQ VROO oder wie hoch der Tracking Error gegen- über der Benchmark sein darf, und er wacht darüber, ob Signale plausibel sind. Wenn Daten falsch sind, Märkte temporär dysfunktional werden oder einzelne Titel aus außerordentlichen Gründen gemieden werden sollten, dann greifen wir ein. Darin liegt für uns der echte Mehrwert gegenüber einem rein regelbasierten und einem rein diskretionären Ansatz. Wo ziehen Sie persönlich denn die Grenze dessen,wasquantitativeModelleleistenkön- nen? Wo würden Sie Beratern klar sagen: Hier darfmankeineWunder erwarten? Quantitative Modelle können keine Kri- sen verhindern, und sie wissen auch nicht, wie dieWelt in fünf Jahren aussehen wird. Sie können aber helfen, systematisch für 'LYHUVLljNDWLRQ )DNWRU ([SRVXUHV XQG HLQ YHUQĞQIWLJHV 5HQGLWH 5LVLNR 3URljO ]X sorgen. Berater sollten sie daher nicht als Wundermaschinen verkaufen, sondern als Werkzeugkasten. Wer die Funktionsweise versteht und sie langfristig einsetzt, kann seinen Kunden damit sehr viel Disziplin und Struktur ins Portfolio bringen, aber eben keine Garantie auf stetige Outper- formance in jeder Marktphase. InvescostehtmitaktivenETFseinStückweit zwischen den Welten: Sie bieten einerseits klassische Publikumsfonds und anderer- seits sehr preisaggressive ETF-Lösungen. WieerklärenSiedas IhremVertrieb? Natürlich gibt es da Spannungsfelder. Klassische Publikumsfonds mit Ausgabe- aufschlägen und Bestandsprovisionen sind ein etabliertes Modell, von dem viele Berater lange gut leben konnten. Auf der anderen Seite haben sich ETF-basierte Lösungen inzwischen mehr als etabliert, bei denen die Gesamtkosten sehr viel stär- ker im Fokus stehen und die Vertriebsver- JĞWXQJ KÌXljJ ĞEHU DQGHUH 0RGHOOH ZLH Servicegebühren, Pauschalen oder Hono- rare läuft. Spüren Sie denn intern keinen Gegenwind nach dem Motto „Ihr bietet zu günstige Produktean“? Die Diskussion gibt es in jedemHaus, das sowohl klassische Fonds als auch ETFs anbietet. Am Ende setzt sich meist die Erkenntnis durch, dass wir den Markt nicht aufhalten können: Anleger verglei- chen nun einmal Kosten, Transparenz XQG )OH[LELOLWÌW 8QG VLH HUZDUWHQ GDVV ein globaler Anbieter in allen Segmenten Lösungen hat. Unser Ansatz ist daher nicht, den klassischen Fonds zu „kanniba- lisieren“, sondern das Angebot zu ergän- zen: Es gibt nach wie vor Fälle, in denen » Am Ende setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir den Markt nicht aufhalten können: Anleger vergleichen nun einmal Kosten, Trans- parenz und Flexibilität. « Manuela von Ditfurth, Invesco MARKT & STRATEGIE Manuela von Ditfurth | Invesco 128 fondsprofessionell.at 1/2026 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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