FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026
Auf die Unterscheidung in Kategorien wie transparente, semitrans- parente und intransparente ETFs lässt sich Manuela von Ditfurth von Invesco nicht ein. Sie charakterisiert die aktiven börsengehan- delten Fonds ihres Unternehmens als megatransparent. B ei Invesco in Frankfurt verantwortet Manuela von Ditfurth nicht nur die quantitativ gemanagten Aktienstrategien, sie ist auch eine treibende Kraft hin- ter den aktiven ETFs des Hauses. Ihr Spielfeld sind Multi-Faktor-Modelle, Tracking-Error-Bandbreiten und Index- abweichungen. Gleichzeitig hat sie sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Expertin für nachhaltiges Investieren gemacht, als Portfoliomanagerin, die ESG-Aspekte systematisch in Aktien- und ETF-Strategien integriert. Im Gespräch erklärt Ditfurth, warum aktive ETFs für sie mehr sind als ein Modethema, wo sie die Grenzen klassischer Indexreplikation sieht und weshalb die Kombination aus aktiver Hülle und systematischemAnsatz für viele Anleger der nächste logische Schritt nach dem reinen Buy-and-Hold-ETF ist. Frau von Ditfurth, einmal grundsätzlich gefragt:Warumbraucht es nebenpassiven ETFs überhaupt noch aktiv gemanagte Varianten?WasistausIhrerSichtnebendem KostenargumentdertatsächlicheMehrwert? Manuela von Ditfurth: Klassische passive ETFs bilden einen Index eins zu eins ab – mit all seinen Stärken, aber auch mit sei- nen Klumpenrisiken und Verzerrungen. Aktive ETFs geben uns die Möglichkeit, bewusst von dieser reinen Marktabbil- dung abzuweichen: Wir können Faktoren wie Bewertung, Qualität oder Momen- tum berücksichtigen, Risiken steuern und trotzdem die Vorteile eines ETFs bieten, etwa die Handelbarkeit während der Bör- senzeiten, eine hohe Transparenz und sehr wettbewerbsfähige Kosten. Wobei fürviele Investorendochdas letztge- nannteArgument entscheidend ist. Es geht natürlich um die Kostenschicht, aber nicht zuletzt auch um eine wesent- lich höhere Flexibilität. Ein aktiver ETF ähnelt in der Handelbarkeit einem Wert- papier: Er wird während der Börsenzeiten laufend gehandelt, Anleger sehen perma- QHQW 3UHLVH XQG NĆQQHQ ijH[LEHO DJLHUHQ Bei einem Fonds haben Sie eine einmal tägliche Preisfeststellung, was für viele Investoren ausreichend ist, aber weniger Spielraum lässt. Hinzu kommt, dass wir in der ETF-Hülle schneller Anpassungen vornehmen können als in der klassischen Fondshülle, die an Prospektänderungen und Aufsichtsprozesse gebunden ist. Dennoch wenden Kritiker ein, dass es am Endeegal ist, ob icheinenklassischaktiven Fonds oder einen aktiven ETF halte, ent- scheidendsei schließlichdieStrategie. Die Strategie ist entscheidend, keine Frage, aber das Vehikel ist keineswegs neutral. Ein aktiver ETF erlaubt uns, einen syste- PDWLVFKHQ $QVDW] PLW NODU GHljQLHUWHQ Regeln in einer Struktur umzusetzen, die für sehr unterschiedliche Anlegergruppen zugänglich ist, vom institutionellen Inves- tor bis hin zu „Oma Erna“, die über ihre Bank einen faktororientierten ETF erwirbt. Gleichzeitig können wir über Bandbreiten beim Tracking Error und bei Einzeltitelgewichten steuern, wie weit wir uns vom Index entfernen, ohne „Auch quantitative Ansätze sind natürlich kein Orakel “ » Im Kern arbeiten wir beim quantitativen Investieren mit drei großen Säulen: Bewertung, Qualität und Momentum. « Manuela von Ditfurth, Invesco MARKT & STRATEGIE Manuela von Ditfurth | Invesco 126 fondsprofessionell.at 1/2026
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