FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026
in Zukunft entwickeln werden, können aber davon ausgehen, dass fast jedes vor- stellbare Szenario schon einmal zu beob- achten war. Märkte sehen Übertreibungs- phasen, erleben Abstürze, korrelieren pha- senweise mit anderen Märkten und dann auch wieder nicht. Echte Finanzgeschichte ZLUG ]X ljNWLYHQ ]XNĞQIWLJHQ 9HUOÌXIHQ neu zusammengebaut, um Zukunftssze- narien möglichst realistisch abzubilden, inklusive aller Krisen und Trends, die potenziell eintreten können. Die Ergeb- nisse sind ernüchternd. Zentrale Ergebnisse Das Forschertrio stellt das so ermittel- te optimale Portfolio einem klassischen 60/40-Portfolio sowie einem Target-Date- Fund (TDF, das konkrete Produkt wird nicht genannt) gegenüber, und rechnet vor, dass es die beiden Benchmarks klar abhängt: Die optimale Strategie produ- ziert im Durchschnitt 1,06 Mil- OLRQHQ 86 'ROODU DQ 9HUPĆJHQ bei Renteneintritt gegenüber 0,77 Millionen beim TDF und 0,71 Millionen bei der 60/40-Strategie. Die Wahrscheinlichkeit, dass das 9HUPĆJHQ YRU (QGH LQ GHU 5HQ - tenphase auf null sinkt, lag dabei bei 6,7 Prozent – verglichen mit 19,7 Prozent beim TDF und 16,9 Prozent beim 60/40-Portfolio. Dass Anleihen in diesen Kalku- lationen so schlecht abschneiden, OLHJW DQ GHU ,QijDWLRQ 6HOEVW ZHQQ man US-Treasuries und deutsche Bundesanleihen seit Ende des Zweiten Weltkriegs betrachtet, wird sichtbar, dass man bei US- Papieren in 38 Prozent der Zeit UHDO 9HUOXVWH HUOLWWHQ KDW LP )DOO von Deutschland war dies in mehr als 25 Prozent der Zeit der Fall. Anleihen, so schreiben die Forscher, haben auf lange Sicht ungünstige Eigenschaften. Ihre 9DULDQ] 6WUHXXQJ GHU 'DWHQ YRP Mittelwert) steigt mit dem Anlagehori- zont, während internationale Aktien eine VLQNHQGH 9DULDQ] ]HLJHQ 'LH .RUUHODWLRQ von Anleihen mit heimischen Aktien steigt langfristig auf 0,45, und Anleihen NRUUHOLHUHQ VWDUN QHJDWLY PLW GHU ,QijDWLRQ (–0,78) – sie schützen also nicht vor Kauf- kraftverlust. Der erfolgsentscheidende Faktor ist aber die internationale Streuung. Interna- tionale Aktien bieten (aus US-Sicht) dank höherer Renditen (7,03 Prozent vs. 0,95 Prozent real per annum bei Anleihen), eine langfristig stabile Korrelation mit US- Aktien auch über längere Zeiträume hin- weg, korrelieren hingegen fast nicht mit GHU ,QijDWLRQ 8P LKUH (UJHEQLVVH DE]XVL - chern, haben die Forscher unter anderem mit unterschiedlichen Risikoaversions- parametern, Entnahmequoten, Sparraten, Haushaltstypen und sogar mit der Korre- lation zwischen Arbeitseinkommen und Aktienrenditen getestet, dabei blieben die Resultate konstant robust. Angesichts der scheinbar überzeugen- den Datenlage drängt sich die Frage auf, wo die Probleme des Ansatzes liegen. Die Amerikaner haben auch darauf ein Ant- wort: Ihre optimale Strategie verlangt das Aussitzen von durchschnittlich 55 Pro- zent Drawdowns in der Ansparphase und 47 Prozent in der Entnahmephase. Und in der Praxis scheitern wohl die meisten Anleger daran. Ein 55-Prozent-Einbruch imPortfolio kurz vor der Rente ist psycho- logisch kaum auszuhalten. So interessant die Studie auch ist, sie nimmt eine US-Perspektive ein. Dass in Österreich die staatliche Pension und EHWULHEOLFKH 9RUVRUJH HLQH JUĆĕHUH 5ROOH spielen, spricht aber sogar noch stärker für die „Alles-in-Aktien-These“. Wer nicht nur auf die kapitalgedeckte Altersvorsorge angewiesen ist, übersteht eine Durst- strecke bei Rentenantritt leich- ter. Die Autoren haben auch das American-Exceptionalism-Phäno- men (Übergewichtung der US- Aktienmärkte aus Überzeugung) untersucht. Wer glaubt, dass US- Renditen „besonders“ sind und daher 60 Prozent USA mit 40 Prozent international kombiniert, kommt immer noch ohne Anlei- hen aus. Auch wenn wohl kaum jemand diese Ergebnisse – nicht zuletzt aus juristischen Gründen – umset- zen dürfte, sind sie für die Bera- tung doch in zweierlei Hinsicht relevant: Sie stellen Target Date Funds – ein globaler Trend in der Altersvorsorge – infrage und liefern in einer Zeit, in der viele US-lastig investiert sind, ein Argu- ment für globale Aktiendiversi- ljNDWLRQ )ĞU GLH 3UD[LV EOHLEW GLH Frage: Wer wagt es, einem 60-Jäh- rigen 100 Prozent Aktien zu emp- fehlen? GERHARD FÜHRING FP Akademische Gegenstimmen Die Forschungsarbeit vonAnarkulova, CederburgundO’Doherty richtet sichgegendenwissenschaftlichenKonsens. DieAutoren schreiben selbst, dass die Empfehlung, imAlter weniger Aktien zuhalten, fast „einheitlichgegebenunduniversell befolgt“wird. Wichtige Forschungsarbeiten zumThema: Joao Cocco, Francisco J. Gomes & Pascal J. Maen- hout kamen 2005 in „Consumption and Portfolio Choice over the Life Cycle“ zum Schluss, dass junge Menschen fast alles in Aktien investieren sollten, ältere Menschen hingegen deut- lichmehr in Anleihen. Schon 1992 haben Zvi Bodie, Robert C. Merton und William F. Samuelson in „Labor Supply Flexibility and Port- folio Choice“ ähnlich argumentiert. Der AQR-Mitbegründer und Hedgefondsmanager Clifford Asness empfahl 1996 in „WhyNot 100Prozent Equities: Adiver- sified portfolio provides more expected return per unit of risk“, ein ausgewogenes Portfolio (z.B. 60/40) zu nehmen und dieses mit Krediten zu „hebeln“. Seinen Berechnungen zufolge sollte dieses Mixportfolio bei geringeremRisiko eine bessere Rendite liefern als ein reines Aktienportfolio. Tatsächlich zeigen aktu- elle Berechnung von Wisdomtree, dass ein solches Portfolio zwischen 1993 und 2026 11,1 Prozent Ertrag per annum erwirt- schaftethätte, US-Aktienbrachten imselbenZeitraumbei gleich hoher Volatilität (20 Prozent) 10,3 Prozent. fondsprofessionell.at 1/2026 107
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