FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026
Alles auf Aktien? Eine 2025 veröffentliche Forschungsarbeit gelangt zum Schluss, dass in Altersvorsorgedepots weder die Beimischung von Anleihen noch die zunehmende Absenkung der Aktienquote sinnvoll sind. B ei der Vorstellung, das ihnen von ihrer Klientel anvertraute Vermögen zu 100 Prozent in Aktien zu investieren, GĞUIWHQ VLFK GHQ DOOHUPHLVWHQ )LQDQ]SURljV die Nackenhaare aufstellen. Ist nicht die ehernste Grundregel der Geldanlage die 'LYHUVLljNDWLRQ" 8QG JLOW GLHV QLFKW XPVR mehr, wenn das geplante Ende des Spar- vorgangs – in aller Regel am Ende des Arbeitslebens – näher rückt oder gar VFKRQ HLQJHWUHWHQ LVW" ,QWXLWLY ZĞUGH PDQ das auf jeden Fall für zu gefährlich hal- ten. Allerdings steckt die menschliche Intuition auch hinter den klassischen Anlagefehlern, Aktien amHöhepunkt der Euphorie zu kaufen und im Crash zu ver- kaufen. Die Verhaltensökonomen haben längst gezeigt: im Durchschnitt sind wir „schlechte“ Investoren. Sind vielleicht auch unsere Annahmen zur richtigen Alloka- WLRQ YRQ /LIHF\FOH 3RUWIROLRV IDOVFK" (LQH Forschungsarbeit aus dem Vorjahr legt dies nahe. Verfasst wurde sie von den 86 )LQDQ]PDUNWIRUVFKHUQ $O]KDQ $QDU - kulova, Scott Cederburg und Michael S. O’Doherty. Ihre 2025 publizierten Ergeb- nisse stellen gleich zwei Grundpfeiler des klassischen Lifecycle-Investments infrage: ]XP HLQHQ JUXQGVÌW]OLFK GLH 'LYHUVLljND - tion in Aktien und Anleihen und zum anderen die altersabhängige Reduktion der Aktienquote. Statt wie dies üblich ist, soll man demnach nicht mit näher rückendem Rentenantritt die Aktien schrittweise in Anleihen und Geldmarkt umschichten, sondern lebenslang rund ein Drittel in heimischen Aktien (die $UEHLW PHLQW 86 7LWHO XQG ]ZHL 'ULWWHO LQ internationalen Aktien halten. Anleihen oder Geldmarktpapiere unabhängig vom Alter der Sparer sind demnach zu meiden. Wie kamen die Forscher zu diesem 5HVXOWDW" 6LH QDKPHQ HFKWH 'DWHQ DXV GHU Vergangenheit (2.600 Jahre, 39 verschie- GHQH /ÌQGHU DQDO\VLHUWHQ GLHVH MHGRFK auf eine neue Weise. Bei der verwende- ten Block-Bootstrap-Methode wurden mehrere zusammenhängende Beobach- tungsperioden von durchschnittlich 120 Monaten am Stück für die Simulation von Portfolioentwicklungen kombiniert und x-fach variiert. Die Forscher ziehen einen zufälligen Startpunkt, zum Beispiel „Italien ab Mai 1985“, und nehmen dann einen zusammenhängenden Block von Renditen aus diesem Land, der nächste Block ist dann vielleicht Japan usw. Es geht dabei darum, echtes historisches Marktgeschehen als Grundlage für mög- liche zukünftige Entwicklung zu ver- wenden, ohne einfach durchschnittliche historische Renditen zu unterstellen. Wir wissen nicht, wie sich einzelne Börsen Eine US-Forschungsarbeit zeigt: Anleihen sind aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber der Inflation in langfristigen Alters- vorsorgedepots kein stabiler Anker, sondern eine Last, die die Renditen senkt. Internationale Aktien leisten hier bessere Dienste. » Wir stellen zwei Grund- prinzipien des Lebens- zyklus-Investierens infrage: die Diversi- fizierung über Aktien und Anleihen und die Reduzierung des Aktienanteils mit zunehmendem Alter. « Anarkulova, Cederburg, O’Doherty 106 fondsprofessionell.at 1/2026 MARKT & STRATEGIE Lifecycle FOTO: © KI GEMINI | NANO BANANA
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=