FONDS professionell Österreich, Ausgabe 3/2020

ein Stabwechsel vollzogen. Gregory John- son gab im Frühjahr den Vorstandsvorsitz an seine Schwester Jennifer ab. Gregory selbst behält den Posten als Verwaltungs- ratschef. Damit bricht der Konzern die bis- lang gepflegte Tradition der Personalunion von Vorstands- und Verwaltungsratsvorsitz. Der Onkel der Geschwister, Rupert John- son junior, sitzt ebenfalls im Verwaltungs- rat. Greg und Jenny, wie die beiden abge- kürzt werden, folgen ihrem Vater Charles Johnson.Der langjährige Vorstandschef hat sich mittlerweile weitgehend aus dem Unternehmen zurückgezogen. Neue Felder erkundet Jenny wuchs buchstäblich im Konzern auf. So ist überliefert, dass sie als 14-Jährige in den Schulferien in der Postabteilung aushalf. 1988 stieg Jenny voll in das Unter- nehmen ein und durchlief mehrere Statio- nen. Zudem trieb sie einige Neuerungen voran. So entwickelte die Managerin das Geschäft mit börsengehandelten Index- fonds (ETFs).Dieses Feld entdeckte der von Nettomittelabzügen geplagte eingefleischte aktive Asset Manager erst spät. Zudem arbeitete sie an hausinternen Projekten im Fintech- und Datenanalysebereich. „Jennys Ernennung ist die natürliche Entwicklung ihrer bisherigen Position“, lobte Bruder Greg bei der Stabübergabe. Gregory und Jenny sind die Enkel des Unternehmensgründers Rupert Johnson. Dieser hatte 1947 an der New Yorker Wall Street einen Börsenmakler gegründet. Die- sen benannte er nach einem der Gründer- väter der USA, Benjamin Franklin – inspi- riert von dessen Sparsamkeit und umsich- tiger Geldanlage. Kurz darauf legte das Haus seine ersten Aktien- und Anleihen- fonds auf. Im Jahr 1971 notierte Ruperts Sohn Charles Johnson das Unternehmen an der Börse und verlegte den Hauptsitz von New York nach Kalifornien. Die John- sons halten bis heute einen Anteil von mehr als 40 Prozent an der Aktiengesell- schaft Franklin Resources, die hinter der Marke steht. Der zweite Bestandteil des Marken- namens Franklin Templeton kam 1992 hinzu. Die Kalifornier übernahmen Tem- pleton, Galbraith &Hansberger, die Gesell- schaft des legendären Investors Sir John Templeton. Im Frühjahr 2020 fädelten die Johnson-Geschwister eine weitere Trans- aktion ein: den Kauf des Boutiquendachs Legg Mason. Dieser Deal hat ein Volumen von rund 4,5 Milliarden Dollar – und ver- doppelt das verwaltete Vermögen. Perspektive gesucht Dem eifrigen Engagement der Johnsons wohnen Vor- und Nachteile inne, wie der Morningstar-Analyst Alec Lucas anmerkt. „Die Führung der Familie sorgte für Kon- tinuität. Dies hielt aber externe Manager davon ab, in der Firma aufzusteigen“, erläu- tert Lucas. Er führt Beispiele aus den ver- gangenen Jahrzehnten an, bei denen den Geschwistern zur Seite gestellte Manager das Unternehmen nach recht kurzer Zeit wieder verließen. Dies deute darauf hin, dass es zu wenig Raum für neue Perspek- tiven gebe, so Lucas. Ob der Stabwechsel zu Jenny Johnson und die Übernahme von Legg Mason einen frischen Wind bringen und dazu führen, dass die Mittelabflüsse aus den Fonds der Kalifornier versiegen, bleibt abzuwarten. Ebenfalls in Johnson-Händen liegt der Asset Manager Fidelity. Allerdings ist dies nur eine Namensgleichheit, die Johnson- Familien von Fidelity und Franklin Tem- 1947 Der Börsenhändler Rupert Johnson gründet das Unternehmen in New York. Er benennt es nach dem Universalgelehrten Benjamin Franklin, einem der Gründungs- väter der Vereinigten Staaten. Johnson nahm sich die Sparsamkeit und Klugheit von Franklin zum Vorbild. 1957 Rupert Johnsons Sohn Charles übernimmt im Alter von 24 Jahren die Führung. 1971 Franklin geht an die Börse. Zwei Jahre später übernimmt die Gesellschaft das kalifornische Investmenthaus Winfield & Company. Im Zuge des Zusammenschlus- ses verlegt Franklin den Hauptsitz nach San Mateo. 1992 Franklin übernimmt Templeton, Galbraith & Hansberger. Der Kaufpreis für die Gesellschaft des legendären Investors Sir John Templeton beziffert sich auf 913 Millionen US-Dollar. 2013 Die Übergabe an die dritte Generation beginnt: Charles Johnson übergibt den Vorstands- und den Verwaltungsratsvorsitz an Greg Johnson. 2020 Greg wiederum übergibt das Ruder zu Jahresbeginn an seine Schwester Jennifer und übernimmt den Posten des „Executive Chairman“. Im Februar gibt das Unterneh- men bekannt, das Boutiquendach Legg Mason kaufen zu wollen. Die 4,5 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme wird im Sommer abgeschlossen. Jennifer Johnson, Franklin Templeton: Die heutige Konzernchefin soll als 14-Jährige in den Schulferien in der Postabteilung ausgeholfen haben. VERTRIEB & PRAXIS Finanzdynastien FOTO: © KEVIN NG PHOTOGRAPHY, 2019 BLOOMBERG FINANCE LP 202 fondsprofessionell.at 3/2020

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