FONDS professionell Österreich, Ausgabe 2/2026
keitsgeschehens; sie sind die ethische Geld- anlageschiene des internationalen Fran- ziskanerhilfswerks in Bonn gemeinsam mit der Fondsgesellschaft Ampega. Man solle eine Branche erst einmal entstehen lassen. „Biomärkte haben keine Regula- toren gebraucht; heute gibt es sie überall. Es ist ein Geburtsfehler, wenn man Pro- dukte reguliert, bevor sie da sind“, sagte Zoll bei der Diskussion. Er hadert mit oft nicht nachvollziehbaren Bedingungen. So dürften die medizinischen Versorgungs- VFKLȬH GLH GDV )UDQ]LVNDQHU +LOIVZHUN in der Amazonasregion betreibt, nach den komplexen EU-Vorgaben nicht als „Impact-Investment“ bezeichnet werden. Auch die Belastungen in der Beratung nachhaltiger Finanzprodukte hält er für überzogen. „Die Vermittler hätten mehr Freude, solche Produkte zu beraten, wenn sich ihr Aufwand dabei nicht verdreifa- chen würde“, so Zoll. „Strenger und einfacher geht“ Aus der Perspektive von Umweltschüt- zern sind die Regularien dagegen zu lasch. „Wir sind mitten in einer Klima- und Artenkrise und fragen uns, warum der Regulator so lange braucht“, sagte Ulrike Bittner, Sprecherin und Ökonomin bei Greenpeace. Die Daten aus dem Biodi- versitäts-Bericht der UNO seien alarmie- rend. Mit Freiwilligkeit lasse sich eine rasche Wende nicht bewerkstelligen. „Es ist keine Wettbewerbsgleichheit da, wenn ein Unternehmen sich engagiert und die anderen hängen sich mit Greenwashing an“, so Bittner. Mit dem erwähnten EU-Omnibus- Package, das Erleichterung bringen soll, ist sie nicht glücklich. „Es wird verkauft als Vereinfachung. ImGrunde geht es um Deregulierung“, kritisiert Bittner und ver- weist auf vorgeschlagene Lockerungen für schädliche Chemikalien, die selbst dem EU-Rat zu weit gingen. Dass Produkte aus der EU hochwertiger sind als solche aus anderen Regionen, liege genau an den hohen regulatorischen Standards. Es sei möglich, Gesetze gleichzeitig zu ver- einfachen und zu verschärfen. Das habe im Finanzsektor die Novellierung der 2ȬHQOHJXQJVYHURUGQXQJ HQJOLVFK 6)'5 gezeigt. Dort eliminierten unlängst die EU-Behörden die Greenwashing-Möglich- NHLWHQ LQ VRJHQDQQWHQ $UWLNHO ĽKHOO - JUĞQH )RQGVĺ XQG $UWLNHO 3URGXNWHQ ĽGXQNHOJUĞQĺ ,PSDFW (V ZHUGHQ QXQ konkrete Mindestschwellen verlangt, wenn Fonds Nachhaltigkeit behaupten. Umgekehrt gibt es Erleichterungen – HWZD EHLP 5HSRUWLQJ GHU 3$,V 3ULQFL - pal Adverse Impacts; wichtigste negative $XVZLUNXQJHQ )LQDQ]PDUNWWHLOQHKPHU mussten ihr Verhalten bei CO 2 -Ausstoß, Biodiversität oder Menschenrechten auch auf Unternehmensebene ausweisen, was nun auf die Produkte beschränkt wird. Vereinfachungen allein seien jedoch im eigentlichen Sinn keine Wirtschaftsstrate- gie. Es müssten gezielt Innovationen geför- dert werden. Von Verbrenner- auf E-Autos umzustellen, sei nicht genug. Ein Gesamt- konzept fehle. Nicht nachvollziehen kann Bittner die Beschwerde, dass die Regula- toren zu viel und zu schnell fordern. „Wir UHGHQ ĞEHU 1DFKKDOWLJNHLW VHLW GHQ HUQ Ich kann das Argument von mehr Zeit nicht mehr hören“, so Bittner. Gamechanger Technologiekosten Mehr Optimismus brachte Andreas Rajchl, Leiter der Abteilung Grüne Finan- zen und nachhaltigeWirtschaft imKlima- VFKXW]PLQLVWHULXP %0/8. LQ GLH 'LV - kussion. „Es wirkt alles sehr traurig, aber das ist es nicht“, so Rajchl. Positiv sieht er, GDVV VLFK GLH (8 PLWWHQ LQ GHU geopolitischen Sicherheitskrise auf eine 5HGXNWLRQ GHU IRVVLOHQ (PLVVLRQHQ XP 3UR]HQW ELV JHHLQLJW KDW /DXW 5DMFKO ein machbares Ziel. Das starke Sinken der Technologiekosten sei ein „Gamechanger“. Ľ:LU VHKHQ (ȯ]LHQ]VWHLJHUXQJHQ LP H[SR - nenziellen Bereich“, so Rajchl. Der Energie- preisschock durch den Irankrieg habe die Ansicht zu erneuerbaren Energien global komplett gedreht. „Vor Monaten gab es noch die Debatte, Erneuerbare seien nicht zuverlässig und würden Netzwerkprob- leme verursachen. Dieser Mythos ist zer- stört worden. Nicht nur in Europa, ganz stark auch in Asien. Dort werden Länder den Schritt von Kohle auf Gas übersprin- gen und direkt in Solar und Speicherkapa- zitäten gehen“, sagte der Experte. Die Welt sei mitten in der Transformation und solle GDUDQ DUEHLWHQ GDVV VLH WDWVÌFKOLFK VWDWWljQ - det. Durch die günstigeren Technologien ändere sich die Risikolandschaft für Inves- titionen. „Wer heute nicht in Erneuerbare investiert, wirdmorgen abgehängt sein“, so Rajchl. Zur Eingangsfrage der Leistbarkeit meinte er, dass die Einnahmen aus dem (PLVVLRQV]HUWLljNDWHKDQGHO QRFK PHKU jenen zugutekommen müssten, die sich die Transformation nicht leisten könnten – etwa wenn es um Solarinstallationen oder E-Mobilität geht. EDITH HUMENBERGER-LACKNER FP fondsprofessionell.at 2/2026 221 FOTO: © STEPHAN HUGER | STUDIO HUGER » Wir reden über Nachhaltigkeit seit den 90ern. Ich kann das Argument von mehr Zeit nicht mehr hören. « Ursula Bittner, Greenpeace
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