FONDS professionell Österreich, Ausgabe 2/2026
Game changer Zwei Tage dichte Vorträge gab es am Finanzplaner Forum Anfang Mai. Zwischen „Es braucht keine Regulierung“ und „Ohne geht es nicht“ verlief eine Gesprächsrunde über Nachhaltigkeit. K ritische Gedanken, leidenschaftliche Argumentationen und Einblick in Fachwelten: Eine Diskussion, wie sie sein sollte, leitete der Nachhaltigkeits- und Rating-Experte Armand Colard am dies- jährigen Finanzplaner Forum. Colards Firmen ESG-Plus und Cleanvest helfen Asset Managern, aber auch Privatanlegern bei der heiklen Nachhaltigkeitsbewertung – heikel, weil die Regulatoren streng sind, wenn es um Greenwashing-Vorwürfe geht, und weil der bürokratische Aufwand enorm ist. „Können wir uns ESG noch leisten?“, fragte Colard. Viele Unternehmen sehen sich unnötig belastet durch diese drei Buchstaben, unter denen die Europäische Union im Bereich Umwelt, Soziales und Unterneh- mensführung (Environmental, Social, Governance) immer neue Vorgaben macht. Selbst die EU hat mittlerweile das Problem erkannt und entschärft manche Regelungen, die sie seit 2019 im Rahmen des „Green Deals“ eingeführt hat, der Europa bis 2050 in die Klimaneutralität führen soll: In einem Schwall an Gesetzes- änderungen („Omnibus-Paket“) werden seit 2025 die Unternehmen schrittweise wieder von Lasten befreit. Zum Beispiel sollen nun rund 80 Prozent der ursprüng- lich erfassten Betriebe aus der ESG-Repor- WLQJSijLFKW IDOOHQ 'LH (8 .RPPLVVLRQ verspricht Einsparungen von sechs Mil- liarden Euro. Bei den Unternehmen, für die Rechts- und Planungssicherheit existenziell sind, sorgt das jedoch nicht unbedingt für Auf- atmen; vielmehr sägt das Hin und Her am Vertrauen in die Institutionen. Wettbewerbssorgen „Die Unternehmen brauchen Sicher- heit, damit sie ihre Investitionen tätigen können und um dabei wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte Sabine Schellander, 1DFKKDOWLJNHLWV &KHljQ GHU REHUĆVWHUUHL - chischen Greiner AG. Der Weltmarkt- IĞKUHU EHL .XQVW XQG 6FKDXPVWRȴĆVXQ - gen hat sich durch das aktive Vorantrei- ben von ESG-Standards einen Namen gemacht. Ob man sich ESG leisten kann, ist für Schellander keine Frage. Europa sei eben genau deshalb nicht nachhaltig, weil es in zu vielen Bereichen abhängig sei. Ver- lässliche und konsequente Regulierungs- YRUJDEHQ VFKDȬHQ DXV 6LFKW GHU *UHLQHU Managerin eine Grundlage für gleichen Wettbewerb und seien wesentlich, wenn die Wirtschaft EU-weit nachhaltiger wer- den soll. „Nur mit Freiwilligkeit geht es nicht“, so Schellander. Völlig anders sieht das Marc Zoll, Pro- duktmanager der Terrassisi-Fondsfamilie. „Es braucht keine Regulatorik“, so Zoll. Ein überraschendes Statement von seiner Seite, denn die Terrassisi-Fonds stehen eigentlich im Zentrum des Nachhaltig- Das 13. Finanzplaner Forum fand am4. und 5. Mai imWiener Hotel Marriott statt. Auf demPodium stach eine Diskussion über Nachhaltigkeit heraus. » Die Unternehmen brauchen Sicher- heit, damit sie ihre Investitionen tätigen können. « Sabine Schellander, Greiner AG 220 fondsprofessionell.at 2/2026 VERTRIEB & PRAXIS CFP-Forum FOTO: © STEPHAN HUGER, STUDIO HUGER
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