FONDS professionell Österreich, Ausgabe 2/2026
jetzt erst richtig zu. Viele Marktteilneh- mer merken, dass ihnen das Geschäft in dieser Form immer weniger Spaß macht, weil die regulatorischen und organisato- rischen Anforderungen so stark gestie- gen sind. Gerade kleinere und mittlere Anbieter unterschätzen oft, was da noch auf sie zukommt. Wer zwischen 100 und 500 Millionen Euro verwaltetem Vermö- gen liegt, muss sich aus meiner Sicht sehr ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen, wie er diese Anforderungen künftig erfül- len will. Prüfungen, Geldwäsche, Sank- tionslisten, PEP-Prüfungen, Dokumen- tation, IT-Sicherheit – das sind dieselben Aufgaben, die auch Banken haben. Für kleinere Häuser ist das unverhältnismäßig aufwendig. Obererlacher: Das sehen wir genauso. Wir haben uns den Markt sehr genau ange- sehen und auch festgestellt, dass viele zu lange warten. Manche Häuser wären grundsätzlich interessant, sind aber orga- nisatorisch oder personell schon so spät dran, dass eine gute Nachfolgelösung schwieriger wird. Für uns ist wichtig, dass ein Managementteam an Bord bleibt und idealerweise auch wirklich weiterarbeiten will. Wir wollen nicht nur Kundenbe- stände übernehmen, sondern gemeinsam weiterentwickeln. HerrWeissörtel, wie hat sich dieWSS über dieJahreentwickelt? Weissörtel: Wir sind vor 21 Jahren mit rund 100 Kunden und etwa 50 Millionen Euro gestartet. Heute betreuen wir rund 1.500 Kunden und verwalten zirka 750 Millionen Euro. Das Wachstum war also erheblich. Parallel dazu ist das Team von vier auf 16 Personen gewachsen. Das ist einerseits eine Erfolgsgeschichte, anderer- seits bringt genau dieses Wachstum eine neue Komplexität mit sich. Mehr Kunden bedeuten mehr Prozesse, mehr Daten, mehr regulatorische Kontrollen, mehr Per- sonalmanagement. Irgendwann reicht ein unternehmerischer Zugang allein nicht mehr, dann braucht es Strukturen und Systeme, wie sie sonst eher größere Orga- nisationen haben. Wo liegt dieKernkompetenzderWSS? Weissörtel: Unser Kern war von Anfang an die Betreuung vermögender Unter- nehmerkunden, also klassischer High- Net-Worth Individuals. Das ist bis heute unsere zentrale Kompetenz. Natürlich haben wir über Vertriebspartner auch Breite gewonnen, aber die Basis unseres Geschäfts sind großvolumige Kunden und echte Portfolioverwaltung. Wichtig ist auch: Bei uns handelt es sich überwiegend um klassische Portfolioverwaltung, nicht bloß um vermittelte Volumina. Unser Schwerpunkt liegt stärker in Risk Assets – also etwa imAktienbereich, bei Hybrid- und Unternehmensanleihen. Das heißt: Man braucht bei uns Know-how, Erfah- rung und einen klaren Investmentansatz. Obererlacher: Was uns bei der WSS beson- ders aufgefallen ist, ist die Dichte an Expertise. Da sind erfahrene Private Ban- ker, Senior Portfolio Manager und Men- schen mit jahrzehntelanger Branchen- HUIDKUXQJ DQ %RUG 'LHVH 4XDOLWÌW ljQGHW man in dieser Form nicht oft. Ein zentrales Thema in Ihren Aussagen ist die „DNA“ derWSS.Warumwardassoent- scheidend? Weissörtel: Weil das letztlich der Kern der ganzen Sache ist. Der Kaufpreis war vergleichsweise rasch geklärt. Die viel längere Diskussion haben wir darüber geführt, wie sichergestellt werden kann, KURZ-V I TA : Markus Weissörtel MarkusWeissörtel ist seit 2005 Geschäftsführer und Gesellschafter der WSS Vermögensmanagement GmbH. Seine berufliche Laufbahn begann er bei der VKB Bank in Linz. Anschließend arbeitete er bei der Bank Austria Creditanstalt, wo er für die Veranlagung von Firmen- kunden in Oberösterreich verantwortlichwar. Weissörtel hat Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien studiert. » Heute betreuen wir rund 1.500 Kunden und verwalten zirka 750 Millionen Euro. « Markus Weissörtel, WSS VERTRIEB & PRAXIS Christoph Obererlacher | Swiss Life Select + Markus Weissörtel | WSS 182 fondsprofessionell.at 2/2026 FOTO: © MARLENE FRÖHLICH FÜR FONDS PROFESSIONELL | MARLENE.AT
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