FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

sowie Leiter europäischer Geldmarkt und Devisen bei Vanguard. „Zudem bieten sie sich als eine attrak- tive Ergänzung zu Tages- oder Festgeld- konten an“, ergänzt Balzanella. Daneben billigt er der Kategorie eine weitere Funk- tion im Retailbereich zu. „Geldmarkt- fonds stellen einen Trittstein für den Ein- stieg in die Kapitalmärkte dar“, meint der Portfoliomanager. „Gerade in Deutsch- land sehen wir erhebliches Potenzial.“ Nur über Derivate Wie unterscheiden sich nun die Ansätze? Basis vieler europäischer Geld- markt-ETFs ist der Referenzzinssatz Euro Short-Term Rate, kurz €STR, der Euro- päischen Zentralbank. Das stellt jedoch eine Hürde dar. „Der Euro-Übernacht- Zinssatz ist nur synthetisch abbildbar“, erläutert BNP-Mann Hecher. Die Anbie- ter schließen daher ein Tauschgeschäft, Swap genannt, mit einem Handelspart- ner, der die Entwicklung des Leitsatzes liefert. Zur Absicherung halten die ETFs dafür ein Trägerportfolio, das mit anderen Wertpapieren als Sicherheit bestückt wird. Ľ'DIĞU ZHUGHQ KÌXljJ $QOHLKHQ JHZÌKOWĺ erläutert Hecher. Bei der Wahl der Papiere gibt es unter- schiedliche Philosophien. Und hier scheiden sich die Geister. „In den Wertpapierkörben ljQGHQ VLFK DXFK 8QWHUQHK - mens-, Schwellenländeranlei- hen oder gar Aktien – nichts, was ein eigentlich konserva- tiver Geldmarktfonds enthal- ten sollte“, meint Vanguard- Manager Balzanella. Sein Haus verfolge einen konservativen Ansatz. „Wir investieren direkt in Geldmarktpapiere – aus- schließlich von Staaten oder staatsnahen Emittenten bester Bonität“, betont der Experte. Die Regulierer hätten seit der Finanzkrise des Jahres 2008 viel dafür getan, dass Geldmarkt- fonds keine zu hohen Risiken eingehen, erläutert Balzanella. „Unser Leitprinzip lautet, dass Investoren jeden Tag ihre Fondsanteile verkaufen können, ohne einen Wertverlust fürchten zu müssen“, VR GHU %RQG 3URlj Ľ-HGHQ (XUR GHQ HLQ Anleger uns anvertraut, soll er am nächs- ten Tag zurückerhalten können.“ Die Vertreter der Swap-Fraktion wiede- rum verweisen jedoch auf einen Vorteil, den Aktien im Trägerportfolio mitbrin- gen. „Wir haben uns bewusst für einen Aktienkorb entschieden“, erläutert BNP- Vertriebsexperte Hecher. „Dieser liefert eine Zusatzrendite.“ Denn die Banken müssen die Aktien in ihren Handels- büchern mit zusätzlichem Eigenkapital unterlegen. „Das ist teuer – und beschert unserem ETF Zusatzeinnahmen.“ Aktien hinterlegt Damit geht eine weitere Besonderheit einher, die nur für den deutschen Markt gilt, und zwar in steuerlicher Hinsicht. „Da das Trägerportfolio aus Aktien EHVWHKW KDQGHOW HV VLFK SHU 'HljQLWLRQ um einen Aktienfonds“, erläutert Hecher. „Somit erhalten Anleger die erhöhte Teil- freistellung bei der Besteuerung des ETF.“ Neben BNP hält auch Amundi bei seinem Smart Overnight Return ETF Aktien im Portfolio. Die DWS setzt in ihrem Flagg- VFKLȬ DXI $QOHLKHQ 1HEHQ 6WDDWVDQOHLKHQ DXV GHP (XURUDXP ljQGHQ VLFK DEHU DXFK Rentenpapiere der Türkei sowie Unterneh- mensbonds im Portfolio. Ein weiteres Unterschei- dungsmerkmal sind die Gebühren. Hier liegen die Anbieter nah beieinander. Lediglich Vanguard sowie die BNP scheren nach unten aus. Auch hier lohnt sich ein Blick auf die Details. „Anleger soll- ten nicht allein auf die Ver- waltungsgebühren eines ETF achten“, argumentiert Port- foliomanager Balzanella. Die Spanne zwischen An- und Verkaufspreisen könne ein entscheidender Kostenfaktor sein. „Dies gilt umso mehr bei Geldmarktstrategien, bei denen Investoren auch einen 98 fondsprofessionell.at 1/2026 MARKT & STRATEGIE Geldmarkt-ETFs FOTO: © VANGUARD Kein Verlustgeschäft mehr Euro-Referenzzinssatz Die Europäische Zentralbank ermittelt seit 2019 den Euro-Übernacht-Leit- zins €STR. Er ist der Nachfolger des Referenzsatzes Eonia. Quelle:EZB -1,0 % -0,5 % 0,0 % 0,5 % 1,0 % 1,5 % 2,0 % 2,5 % 3,0 % 3,5 % 4,0 % ’26I 2025 I 2024 I 2023 I 2022 I 2021 I 2020 I ’19 Euro Short-Term Rate, €STR in % » Geldmarktfonds stellen einen Trittstein für den Einstieg in die Kapitalmärkte dar. « Robert Balzanella, Vanguard

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