FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

das Umfeld speziell für Fusionen und Übernahmen seit dem Zinsschock 2022 eher schwierig war. Denn mit der durch höhere Zinsen und Unsicherheit ausge- lösten M&A-Flaute wurden die Gelegen- heiten für Merger Arbitrage spärlicher, die Transaktionsvolumina gingen zurück und die durchschnittlichen Zeitspannen bis zumAbschluss der Deals zogen sich in die Länge. „Dadurch verringerte sich auto- matisch die Anzahl der Opportunitäten, in die ein Merger-Arbitrage-Fonds Kapi- tal investieren kann“, sagt Bertrand Dar- denne, Leiter Merger Arbitrage bei Can- driam. Dies belastet in der Regel auch die Renditen, da weniger angekündigte Trans- aktionen auch geringere Spreads bedeu- ten, die die Fonds vereinnahmen können. Andererseits ließen die makroökonomi- sche und geopolitische Unsicherheit und die regulatorische Komplexität die Spreads und damit das Renditepotenzial steigen. Das Instrumentarium der Event-Driven- Strategien umfasst meist neben Aktien auch Optionen, Swaps, Futures, Contracts IRU 'LȬHUHQFH &)' XQG &UHGLW 'HIDXOW 6ZDSV &'6 Candriam-Experte Dardenne skizziert das Vorgehen einer Merger-Arbitrage- Strategie am Beispiel des britischen Logis- tikunternehmens Wincanton, um das 2024 ein Bieterwettbewerb ausbrach. Am Anfang stand ein Übernahmeangebot des französischen Konzerns Ceva Logis- WLFV ]X 3HQFH MH $NWLH LQVJHVDPW 0LOOLRQHQ 3IXQG IĞU GHVVHQ $QQDKPH sich der Wincanton-Aufsichtsrat zunächst aussprach. Doch als der US-Konkurrent GXO Logistics wenige Wochen später HLQ KĆKHUHV %DUDQJHERW YRQ 3HQFH je Aktie vorlegte, zog GXO den Wincan- ton-Aufsichtsrat damit auf seine Seite. Candriams Event-Driven-Strategie hatte bereits früh eine umfassende Position nahe des ursprünglichen Angebotsprei- ses aufgebaut und realisierte mit jedem verbesserten Angebot weitere Gewinne, erklärt Dardenne. Marktunabhängig Ähnlich agiert die Merger-Arbitrage- Strategie von First Private, die seit Kurzem über eine neue Anteilsklasse auch für Pri- vatanleger zugänglich ist. Die Frankfurter Investmentboutique setzt stark auf quanti- tative Methoden, um Muster in erfolgrei- chen und gescheiterten Übernahmen zu HUNHQQHQ ,QVJHVDPW ODJ GLH 7UHȬHUTXRWH dabei nach Firmenangaben im vergange- QHQ -DKU EHL 3UR]HQW )LUVW 3ULYDWH Fondsmanager Wenz erklärt: „Das Rendi- WHSURljO GLHVHU 6WUDWHJLH LVW DV\PPHWULVFK Während viele Deals kleine, planbare Bei- träge liefern, können die wenigen geschei- terten Transaktionen deutlichere Rück- schläge verursachen.“ Entsprechend liege der Schwerpunkt darauf, bei der Auswahl der investierten Deals besondere Sorgfalt walten zu lassen: „Man versucht nicht, jeden Spread mitzunehmen, sondern die problematischen Transaktionen zu ver- PHLGHQĺ (QWVFKHLGHQG VHL GLH $QDO\VH regulatorischer Hürden, fragiler Finan- ]LHUXQJ RGHU SROLWLVFKHU (LQijXVVIDNWRUHQ Zu den etablierten Event-Driven-Exper- WHQ ]ÌKOW DXFK 6\TXDQW &DSLWDO 'HU französische Asset Manager bietet neben DOWHUQDWLYHQ ,QYHVWPHQWIRQGV $,)V (YHQW Driven-Strategien imUCITS-Format, und das sowohl im Aktien- als auch im Anlei- KHQVHJPHQW 'HU YRQ 6\TXDQW JHPDQDJWH Helium Fund ist stärker auf Merger Arbi- trage ausgerichtet, während der Helium 6HOHFWLRQ VWÌUNHU DXI 6RIW &DWDO\VW $NWLHQ fokussiert ist, erklärt Investor-Relations- Leiter Carl Dunning Gribble. Eine gemischte Strategie fährt der Blackrock Global Event Driven Fund. 'DV 3RUWIROLR DOORNLHUW UXQG 3UR]HQW LQ KDUWH XQG 3UR]HQW LQ ZHLFKH .DWDO\VD - toren, erklärt Mark McKenna, Leiter der Event-Driven-Strategien bei demUS-Asset- Manager. Der Fonds investiert zudem grundsätzlich über die gesamte Kapital- struktur hinweg mit einem Schwerpunkt auf Aktieninstrumenten, die in der Regel etwa 80 Prozent des Volumens ausma- chen. Der umfassende Derivateeinsatz hilft laut McKenna dabei, das Portfolio Hȯ]LHQW ]X VWHXHUQ $OSKD &KDQFHQ ]X HUKĆKHQ VSH]LljVFKH 5LVLNHQ LQ YRODWLOHQ Phasen abzusichern und Chancen für Relative-Value-Strategien zu nutzen. Dabei baut der Fonds auch Leverage auf, in der Regel in Form eines Long-Aktien-Expo- VXUHV ]ZLVFKHQ XQG 3UR]HQW Vor allem auf Spezialsituationen am europäischen Markt konzentriert sich der Mainberg Special Situations Fund. Er investiert in klassische Merger-Arbitrage- Situationen und nutzt auch Vereinbarun- gen wie Beherrschungs- und Gewinnab- führungsverträge. Das Team um Fonds- manager Robert Hillmann investiert GDEHL ĞEHU GHQ JHVDPWHQ =\NOXV YRQ M&A-Transaktionen hinweg – also von der Ankündigung eines Übernahmeange- bots bis hin zum Squeeze-out. „Die letzte Aktie ist oft die teuerste Aktie. Es geht darum, das Aufwärtspotenzial so früh wie möglich – bestenfalls schon während der laufenden Übernahme – zu erkennen fondsprofessionell.at 1/2026 91 FOTO: © FIRST PRIVATE INVESTMENT MANAGEMENT » Unternehmen kaufen Unternehmen – genau daraus entsteht die Ertragsquelle. « Sebastian Wenz, First Private

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