FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

Energien stechen da hervor: Solarenergie, Onshore-Windenergie und Batterien zur Speicherung und zur Glättung von Spit- zen. Solche Anlagen können innerhalb von etwa zwei Jahren Strom auf den Markt bringen. Der Bau einer Gas- und Dampfturbinenanlage dauert dagegen vier Jahre. Kohlekraftwerke brauchen sechs Jahre. Daher glaube ich, dass trotz der Vorliebe von US-Präsident Trump für Fossilenergie niemand in den Vereinigten Staaten ein Kohlekraftwerk bauen wird. Und von Kernenergie hören wir zwar viel, etwa vom Neubau und der Wieder- belebung von Kraftwerken oder von Fortschritten bei der Kernfusion. Aber das dauert alles noch länger. Deshalb sind wir von den schnell verfügbaren erneuer- baren Energien überzeugt. Für sie spricht auch die „Netzwerkwarteschlange“: Die Infrastruktur, die darauf wartet, an das US-Stromnetz angeschlossen zu werden, stammt zu 95 Prozent aus dem Bereich Erneuerbare. Allein die Batteriekapazitä- ten, die auf Einspeisung warten, entspre- chen einem Drittel, vielleicht 40 Prozent des US-Stromnetzes. Das sind enorme Dimensionen. Gleichzeitig hat US-Präsident Trump die Gasproduktionkräftigangekurbelt. Waghorn: Trump konzentriert sich auf die wirtschaftlichen Vorteile für die USA. Der Zugang zu billiger Energie ist ein wichtiger Faktor. Die Vereinigten Staaten sitzen noch auf etwa 50 Jahren an billi- gem Schiefergas. Wenn ich Trump wäre, würde ich das wahrscheinlich auch als günstige Energie betrachten. Erneuerba- re Energien sind aber konkurrenzfähig. Solar- und Onshore-Windenergie ist mit etwa drei bis vier Cent pro Kilowattstunde niedrig bepreist. Die Kosten für die Strom- erzeugung aus Gas in den USA liegen bei etwa acht oder neun Cent pro Kilowatt- stunde. Ein Vorteil von Gas ist: Es kann jederzeit ein- und ausgeschaltet werden. Bei Solarenergie ist das nicht so einfach. Man muss Solarenergie mit Batterien ergänzen, womit man dann ebenfalls auf etwa acht Cent pro Kilowattstunde kom- men kann. Letztendlich wird man einen Mix haben. Es ist einer der Punkte der (OHNWULlj]LHUXQJ GDVV ZLU KHXWH LP 9HU - gleich zu vor fünf Jahren viel mehr über zusätzliche Energie als über „Energie- wende“ sprechen. FürmanchesindMikro-Nuklearanlagenein Gamechanger.KönnensolcheKraftwerkeim EnergiemixwirklicheineRolle spielenoder ist dasFiktion? Jordan Patel : Es gibt bei uns einen stehen- den Satz: Kleine, modulare Reaktoren, kurz SMR, sind nicht sehr klein, sie sind nicht sehr modular und sie sind nicht sehr reaktiv. Ich halte SMR zwar für spannend, wir sind aber aus mehreren Gründen noch zurückhaltend. Weltweit gibt es nur zwei kommerziell betriebene SMR. Einer steht in Sibirien, der andere in China. Wir haben nur begrenzt Einblick in die Preise, zu denen dieser Strom verkauft wird. Der weltweit führende SMR-Entwickler Nuscale Power hat im Rahmen eines För- derprogramms der vorigen US-Adminis- tration versucht, innerhalb von sechs Jah- KURZ-V I TA : Jonathan Waghorn JonathanWaghorn ist Portfoliomanager der Guinness- Global-Energy und der Guinness-Sustainable-Energy- Strategie. Waghorn kam2013 zu Guinness. Davor war er unter anderemals Bohringenieur bei Shell tätig sowie als Energieberater und Co-Chef des Goldman-Sachs- Energieaktien-Research. Er arbeitete zudem in Führungs- positionen bei Investec undMercuria. » Ich glaube, dass trotz der Vorliebe von US-Präsident Trump für Fossilenergie niemand in den Vereinigten Staaten ein Kohlekraftwerk bauen wird. « Jonathan Waghorn (r.), Guinness Global Investors fondsprofessionell.at 1/2026 85 FOTO: © GUINNESS GLOBAL INVESTORS

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