FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

Allein in den vergangenen 15 Monaten sei das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa sechs auf ungefähr zehn gestiegen. Auch Mark Conrad, Fondsmanager beimVermögensverwalter Algebris, unter- scheidet bei der Bankenrallye mehrere Pha- sen. 2025 sei dabei das Jahr des substan- ziellen Re-Ratings mit höheren Bewertun- gen gewesen. Das bedeute aber keinesfalls, dass der Aufschwung vorüber sei: „Das fundamentale Umfeld bleibt attraktiv“, so Conrad. Auch die Bewertungen sprächen weiter für den Sektor: „Banken zählen nach wie vor zu den günstigsten Segmen- ten am Markt und gehören zugleich zu den Bereichen mit positiven Gewinnrevi- VLRQHQĺ VR &RQUDG 'LH DNWXHOOHQ 3URlj tabilitätsniveaus zwischen zehn und 20 Prozent würden es den Instituten ermög- lichen, Ausschüttungsrenditen von sieben bis acht Prozent aufrechtzuerhalten, ihr :DFKVWXP ]X ljQDQ]LHUHQ XQG LKUHQ Buchwert weiter aufzubauen. Gute Wachstumsaussichten Auch Becker von Allianz Global Inves- tors ist für das Gewinnwachstum zuver- sichtlich: Zwar hätten die Institute von den höheren Zinsen der vergangenen -DKUH SURljWLHUW DEHU HV JHOWH QLFKW DXWRPD - tisch „je höher, desto besser“, so der Fondsmanager. Für das Bankgeschäft seien vielmehr Zinsen im Bereich von zwei bis vier Prozent ideal. Hinzu kommen die Ertragspotenziale durch Fristentransformation angesichts von Kapitalmarkt- renditen von knapp drei Pro- zent und kurzfristigen Zinsen von derzeit rund zwei Prozent. „Solange wir eine steigende Gewinndynamik sehen, sollte sich die Outperformance fort- setzen“, meint Becker. Aktuell ist er besonders optimistisch für Banken aus Großbritan- nien sowie Irland und Spa- nien, wo das Kreditwachstum schon deut- lich zugelegt habe. Konstruktiv blicken die Experten auch auf US-Banken, deren grundlegende Wachstumstreiber sich deutlich unter- scheiden. Marc Decker, Co-Aktienchef bei Quintet, sagt: „Europäische Banken punkten vor allem durch strukturelle Widerstandskraft, während US-Banken stärker von Konjunktur, Politik und Kapi- talmarktdynamik abhängen.“ Für die USA kommt kurzfristig noch der Rückenwind der Deregulierung hinzu. Decker ist für die Banken beider Regionen zuversicht- OLFK Ľ,Q GLYHUVLlj]LHUWHQ 3RUWIROLRV EOHLEHQ Banktitel aus unserer Sicht ein stabiler Baustein“, sagt er. Sorgen bereiten Skeptikern allerdings neben demKostendruck auch die steigen- den Insolvenzzahlen in der Wirtschaft. Zwar haben Banken insgesamt ihre Kre- ditrisiken deutlich zurückgefahren, ein sprunghafter Anstieg der Forderungsaus- fälle etwa infolge eines größeren Wachs- tumsschocks würde sie aber mit Sicherheit belasten. Gerade diese Sorge dürfte sich im jüngsten Kursrückgang widerspiegeln. Starke Performance In Bewegung sind aktuell nicht nur klassische Bankaktien, sondern auch die Fintechs, die nur zum Teil mit tradi- tionellen Finanztiteln korrelieren. Hier investiert etwa der BIT Global Fintech Leaders. Ha Duong, Fondsmanager bei BIT Capital, stellt klar: „Fintech ist nicht gleich Bankensektor.“ Zwar gebe es ope- rative Berührungspunkte, die Ertragsquellen seien jedoch strukturell unterschiedlich. Bei Fintechs seien wichtige Segmente wie Zahlungsver- kehr, Software, Daten- und Plattformmodelle primär volumen- statt zinsgetrieben. Entsprechend können Fintech- Aktien auch in Phasen schwa- cher Bankenperformance out- performen. Vorerst leiden zahlreiche Fintechs jedoch unter der Neubewertung im Technolo- giesektor. Ha Duong macht dennoch interessante lang- fristige Wachstumsstorys im fondsprofessionell.at 1/2026 77 FOTO: © MERCK FINC Deutlicher Vorsprung Aktienindizes indexiert (16.3.2023 = 0) Auf Sicht der vergangenen drei Jahre konnten Bankaktien deutlich outper- formen. Der Irankrieg ließ den Vorsprung aber schmelzen. Quelle:Bloomberg 0 % 25 % 50 % 75 % 100 % 125 % 150 % 175 % Euro Stoxx Banks Euro Stoxx 50 2024 2023 2025 ’26 » In diversifizierten Portfolios bleiben Bank- titel aus unserer Sicht ein stabiler Baustein. « Marc Decker, Quintet

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