FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

Keidel: Außerdemwollten wir von Anfang an klar und transparent sein: Unser Ziel war ein Fonds, der Anlegern einen klaren Klimabezug bietet, ohne zu suggerieren, dass jede investierte Einheit Kapital direkt GLH JOREDOH 7HPSHUDWXU VHQNW $UWLNHOb sauber umgesetzt und mit strengen Kri- terien hinterlegt, ist aus unserer Sicht ehrlicher. Im Verkaufsprospekt haben wir daher kein explizites Impact- oder Temperaturziel oder Formulierungen wie „Wir begrenzen die Erderwärmung auf 1,5 Grad“ verankert. Solche Versprechen von Artikel-9-Produkten werfen auch die )UDJH DXI ZLH Ľ,PSDFWĺ ĞEHUKDXSW ]X GHlj - nieren ist. Unser Fokus ist: Unternehmen mit dem Bezug zur globalen Erderwär- mung gezielt anhand klarer Kriterien aus- zuwählen. Kölsch: Dennoch werben Sie offensiv mit Nachhaltigkeit. Wie stellen Sie sicher, dass das nicht als Grünfärberei missverstan- denwird? Keidel: Das ist ein wichtiger Punkt. Wir legen konkrete Kriterien, Prozesse und Grenzen fest und halten diese strikt ein. Der Fonds unterliegt harten Ausschlüssen, HWZD IĞU IRVVLOH %UHQQVWRȬH NRQWURYHUVH :DȬHQ RGHU V\VWHPDWLVFKH 9HUVWĆĕH JHJHQ den UNGlobal Compact. Zudemmüssen UnternehmenMindestwerte bei Umwelt-, Sozial- und Governance-Scores erfüllen, um für unser investierbares Universum infrage zu kommen. Diese Regeln sind in XQVHUHQ 6\VWHPHQ HLQGHXWLJ FRGLHUW 'DUĞ ber hinaus gibt es Warnschwellen, die sig- nalisieren, wenn Titel kritisch werden und überprüft werden müssen. Hünseler: Diese eindeutigen Kriterien ergänzen wir durch Active Ownership. Wir haben ein eigenes Team für Engage- ment und Stimmrechtsausübung, das sich regelmäßig mit dem Portfoliomanage- ment austauscht. Dabei diskutieren wir neue Kontroversen, Ratingänderungen oder Verdachtsmomente. Wenn sich ein Unternehmen dem Gespräch verweigert oder dauerhaft nicht auf Kurs kommt, kann das zum Verkauf führen. Kölsch: Siestützensichbei ESG-Datenstark aufexterneAnbieter.WiegehenSiemitdem Problemum, dass Ratings je nach Agentur starkdivergierenkönnen? Keidel: Bei uns ist für jedes zentrale Kri- terium, etwa bestimmte PAI-Indikatoren oder SDG-Zuschreibungen, verbindlich festgelegt, welcher Anbieter maßgeblich ist. Wir nutzen primär MSCI und in Ein- zelfällen weitere Provider. Wenn es zu JUĆĕHUHQ $EZHLFKXQJHQ RGHU SOĆW]OLFKHQ Ratingänderungen kommt, gehen wir aktiv auf die Agenturen zu, lassen uns die Gründe erläutern und prüfen, ob wir die (LQVFKÌW]XQJ QDFKYROO]LHKHQ NĆQQHQ :LU maßen uns nicht an, eine eigenständige ESG-Ratingagentur zu sein. Dafür fehlt uns, genau wie anderen Asset Managern, schlicht die Datentiefe. Hünseler: Diese Selbstbeschränkung ist eine bewusste Entscheidung. Die großen Nachhaltigkeitsagenturen verfügen über Informationsquellen, die uns so nicht zugänglich sind. Unsere Stärke liegt in GHU ljQDQ]LHOOHQ $QDO\VH XQG GHU 3RUWIR - liokonstruktion, nicht darin, in der ESG- Bewertung von Unternehmen besser als MSCI oder ISS ESG zu sein. Wir suchen uns die Anbieter, von denen wir die beste Kombination aus Datenqualität und Abdeckung erwarten, und setzen ihre Ergebnisse konsistent um. Auch wenn das im Einzelfall unbequem sein mag. Heuser: Wiemessen Sie konkret die Klima- wirkung des Portfolios jenseits von Etiket- tenwie „Artikel 8“? Keidel: Grundlage ist unter anderem ein XPIDQJUHLFKHV &2Ȅ 5HSRUWLQJ DXI %DVLV der Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emis- sionen unserer Portfoliounternehmen. Weitere wichtige Indikatoren sind die » Die großen Nachhaltig- keitsagenturen ver- fügen über Informations- quellen, die uns so nicht zugänglich sind. « Michael Hünseler, LBBW Asset Management 70 fondsprofessionell.at 1/2026 MARKT & STRATEGIE Nachhaltig nachgefragt | Christoph Keidel + Michael Hünseler | LBBW Asset Management FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL NACHHALTIG NACHGEFRAGT

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=