FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

Gut ermittelt Im Anlegerdesaster um das Firmenduo Green Finance und Sun Contracting haben die Geschädigten einen Trumpf in der Hand: die umfassenden Strafermittlungen. M anche Anlegerskandale versanden, weil die Ermittler im Dickicht der Vorwürfe nicht den entscheidenden Hinweis bekommen. Dieser Fall ist das komplette Gegenteil. Ein langjähriger Topvermittler der beiden liechtensteinisch- österreichischen Firmengruppen Green Finance und Sun Contracting hat ausge- packt und die Polizei auf ein Netz gesto- ßen, das nach Ansicht der Ermittler Merk- male eines Schneeballsystems aufweist: Anlegergeld soll in hohe Vertriebsprovi- VLRQHQ JHijRVVHQ VHLQ XQG HLQLJH 'UDKW - zieher sollen über heimliche Kanäle Mil- lionen vereinnahmt haben. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. Green Finance wies früher solche Vorwürfe zurück, ant- wortete zuletzt aber nicht mehr auf ent- sprechende Medienanfragen. Die Wirtschafts- und Korruptions- staatsanwaltschaft (WKStA) in Wien ermittelt wegen zahlreicher Delikte, dar- unter Anlagebetrug, Bilanzfälschung, Untreue und betrügerische Krida, und hat die Verfehlungen auf Tausenden Sei- ten dokumentiert. Telefone wurden abge- hört, Firmengebäude durchsucht, Grund- stücke beschlagnahmt. Die laufend wach- sende Zahl an Beschuldigten lag Mitte März bei vier Firmen und 28 Personen, deren Auftreten in den Akten detailliert aufgezeichnet ist. „Das Strafverfahren lie- fert den geschädigten Anlegern zahlreiche Informationen, die für die Durchsetzung der zivilrechtlichen Ansprüche nützlich sind“, sagt Ivan Dimov, Rechtsanwalt bei Aigner Lehner Zuschin. Die Wiener Sozietät vertritt nach eigenen Angaben rund 600 Geschädigte und bietet auch den Anschluss als Privatbeteiligte im WKStA-Verfahren an. Eine Beteiligung hat neben der Einsicht in Ermittlungsak- ten den Vorteil, dass die Verjährungsfris- ten gehemmt werden, wie Dimov erklärt. Schadenersatzforderungen :HOFKH $QJULȬVijÌFKHQ GHU 6WUDIDNW HUĆȬQHW YHUGHXWOLFKHQ HUVWH 6FKDGHQ - HUVDW]DXȬRUGHUXQJHQ GLH GDV $QZÌOWH - team gerade gegen Green Finance, gegen verbundene Unternehmen und gegen Personen aus demUmfeld einbringt. Ihre Forderungen stützen die Juristen (neben anderen Vorhaltungen) auch auf eines der zentralen Ermittlungsergebnisse: An den Schalthebeln von Green Finance und Sun Contracting saßen über Vertragskonstruk- WLRQHQ GLHVHOEHQ +LQWHUPÌQQHU 2ȯ]LHOO verband die Firmen nur eine Vertriebs- partnerschaft, bei der der Solardienstleis- ter Sun Contracting die (angeblich 8.000 Personen starke) Vermittlerstruktur des Immobilien- und Vertriebsunternehmens Green Finance nutzte. Laut Ermittlungs- Die bisherigen Erhebungen der Behörden imFall Green Finance/ Sun Contractingwaren ergiebig. Das ist ein Vorteil für geschädigte Anleger und ihre Anwälte, die aus demVollen schöpfen können. 272 fondsprofessionell.at 1/2026 STEUER & RECHT Green Finance / Sun Contracting FOTO: © ANNASTILLS | STOCK.ADOBE.COM » Das Strafverfahren liefert den geschädigten Anlegern zahlreiche Informationen, die für die Durchsetzung der zivil- rechtlichen Ansprüche nützlich sind. « Ivan Dimov, Aigner Lehner Zuschin Rechtsanwälte

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