FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026
führt zur Frage, was den Menschen über- haupt ausmacht. Schließlich sind Men- schen heute schon hybride Wesen. Bitte? Sie selbst tragen beispielsweise eine Brille, ein technisches Hilfsmittel, das Ihnen Ihr Leben deutlich erleichtert. Dennoch sind Sie ohne Frage ein Mensch. Das gilt auch für jeden, der auf einen Herzschritt- macher oder eine Beinprothese angewie- sen ist. Wo aber verläuft die Grenze? Ray Kurzweil argumentiert, der Mensch ließe sich auf Informationen, auf Daten- pakete reduzieren. Die Körperlichkeit spielt für ihn keine Rolle. Demwürde ich vehement widersprechen. Sie sehen, zu welchen grundsätzlichen Diskussionen eine neue Technologie führen kann. Zurück zur Forderung nach einer eigenen UN-Behörde.Istesnichtohnehinzuspät,den Geist zurück in die Flasche zu bekommen? AlsBeispielfallenmirDeep-Fake-Videosein, die es quasi unmöglichmachen zu beurtei- len,was real ist undwasnicht. Es gibt ernst zu nehmende Stimmen, die argumentieren, das Internet sei schon so zugemüllt, dass es längst nicht mehr die Funktion erfüllen kann wie noch vor zehn Jahren. Doch so lange es die Chance gibt, das Schlimmste zu verhindern, sollten wir es versuchen. Vielleicht ist es gerade noch nicht zu spät. Kennen Sie die „Doomsday Clock“? Ichhabedavongehört,mussbeidenDetails aber passen. Sie wurde im 1947 von Kernphysikern um Robert Oppenheimer eingeführt, die EHJULȬHQ KDWWHQ GDVV LKUH (UljQGXQJ GHU Atombombe die Menschheit an den Rand des Abgrunds gebracht hatte. Damals stell- ten sie die Weltuntergangsuhr auf sieben Minuten vor Mitternacht. Als die Wasser- VWRȬERPEH KLQ]XNDP VWDQG VLH DXI ]ZHL vor zwölf, zum Ende des Kalten Krieges wurde sie auf 17 Minuten vor Mitternacht zurückgestellt. Mittlerweile sitzen Exper- ten aus verschiedensten Wissenschaftsfel- dern in diesemGremium, sie drehen jedes Jahr im Januar an der „Doomsday Clock“. Zur nuklearen Gefahr kamen die Klima- katastrophe, Biorisiken wie Pandemien oder eben auch die potenzielle Bedrohung durch disruptive Technologien wie KI hinzu. In diesem Jahr wurde die Uhr von 89 auf 85 Sekunden vorgestellt. Einen so geringen Spielraum wie aktuell hatte die Menschheit seit Beginn der Berechnung noch nie. Aber es ist noch nicht zu spät. BlickenwireinweniggenaueraufdieArbeit des Ethik-Komitees von Arete. Die Portfo- liomanager sagen Ihnen, in welche Unter- nehmen sie gern investieren würden, und Sieund IhreKollegenausdemBeiratheben oder senkendanndenDaumen? Ganz so einfach ist es nicht. Zunächst ana- lysiert das Ethik-Research-Team von Arete die Unternehmen und legt uns seine Ergebnisse als Basis vor. Wir bereiten uns anhand dieser Entscheidungsgrundlagen vor. In den Sitzungen des Komitees wird dann miteinander diskutiert, und wir geben Bewertungen auf einer Skala von null bis 100 Punkten ab. Diese Skala wird für die vorgelegten Unternehmen unter- teilt in die für das Fondsmanagement bindenden Fazits „nicht vertretbar“, „ver- tretbar“, „positiv“ und „hochwertig“. Die Ethikanalysen sind keine Blackbox, auf Wunsch können sie eingesehen und somit nachvollzogen werden. Sehr interessant ljQGH LFK GDVV LFK DXFK QDFK -DKUHQ noch nicht genau weiß, wie das Votum zu einem Unternehmen ausfallen wird. Mitunter erkenne ich zwar kein Problem, ein anderes Mitglied des Beirats hat aber substanzielle Einwände. Geprägt ist unser Vorgehen von den Prinzipien des Schwei- zer Wirtschaftsethikers Peter Ulrich, der das Komitee auch einige Zeit geleitet hat. Er hat immer betont, wie wichtig es ist, sich Zeit zu lassen und die verschiedenen Argumente zu hören. Entschleunigen statt beschleunigen lautet das Motto. Welche Fachrichtungen sind im Komitee vertreten? Dort sitzen Naturwissenschaftler mit Medizinethikern, Technikethikern und » Menschen sind heute schon hybride Wesen. « Wolfgang Palaver, Universität Innsbruck MARKT & STRATEGIE Wolfgang Palaver | Universität Innsbruck 152 fondsprofessionell.at 1/2026 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL
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