FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

D ie Finanzbranche kann aufatmen: Das viel diskutierte Provisionsverbot ist endgültig vomTisch. Nach über zweieinhalb Jahren Verhandlungen haben sich das Europäische Parlament, der Rat und die Kommission in der Nacht zum18. Dezember 2025 auf einen Kompromiss zur EU-Kleinanleger- strategie geeinigt. Für Finanzberater und Vermittler ist das eine wichtige Ent- scheidung – ein generelles Provisionsverbot hätte das Beratungssystemgrund- legend verändert. Die ursprüngliche Idee der früheren EU-Finanzkommissa- rin Mairead McGuinness war ambitioniert: Provisionen sollten weitgehend DEJHVFKDȬW ZHUGHQ XP ,QWHUHVVHQNRQijLNWH ]X YHUPHLGHQ 'DEHL ]HLJWH GLH Praxis, dass Provisionen kein grundsätzliches Problem sind, solange sie trans- parent sind und der Kunde weiß, wofür er bezahlt. Trotz der vordergründigen Entspannung sollte man sich allerdings nicht zu früh freuen. Künftig ist der konkrete Mehrwert einer Provision für den Kunden darzulegen, sämtliche Provisionsbestandteile sind gesondert auszuweisen. Die ESMA soll Kosten- benchmarks entwickeln – ein Value-for-Money-Ansatz, der Kritikern zufol- ge das Produktangebot verengen könnte, weil er Kosten über Qualität stellt. Hinzu kommt ein verschärfter Best-Interest-Test bei jeder Empfehlung. Und: Mitgliedsstaaten dürfen national weitergehende Beschränkungen einführen – bis hin zu einem Provisionsverbot. Das Damoklesschwert bleibt also hän- gen. Außerdem ist zu befürchten, dass die Kleinanlegerstrategie vor allem noch einmal zusätzliche Bürokratie verursachen wird. Neue Dokumenta- WLRQVSijLFKWHQ ĞEHUDUEHLWHWH 35,,3V %DVLVLQIRUPDWLRQVEOÌWWHU XQG ZHLWHUH Anforderungen verkomplizieren den Beratungsalltag. MiFID II, IDD und PRIIPs-Verordnung werden gleichzeitig geändert. In der Praxis dürften die neuen Regeln ab dem zweiten Halbjahr 2028 gelten, die Produktinforma- tionsblätter schon ab 2027. Das Ziel, mehr Menschen an den Kapitalmarkt zu führen, rückt damit eher in die Ferne. Der Hauptgeschäftsführer des deut- schen Fondsverbands BVI meint, die EU habe die Chance vertan, ein über- ijĞVVLJHV *HVHW]HVYRUKDEHQ ]X YHUKLQGHUQ 'LH )RUGHUXQJ GLH JHVDPWH 6WUD - tegie noch einmal zu überdenken, ist berechtigt, aber nicht realistisch. Das Provisionsverbot ist verschwunden – doch das Regelwerk bleibt. FP Kein Provisionsverbot , aber die Bürokratie wächst fondsprofessionell .at Ihr Georg Pankl, Chefredakteur Editorial MEINUNG fondsprofessionell.at 1/2026 15 FOTO: © MARLENE FRÖHLICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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