FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2026

ein klassischer aktiver Fonds sinnvoll ist, aber eben auch andere, in denen ein akti- ver ETF das passendere Vehikel ist. Sie haben erwähnt, dass einer Ihrer größ- ten aktiven ETFs sehr strenge Nachhaltig- keitskriterien – unter anderem das Öster- reichische Umweltzeichen – umsetzt. Wie mussmansichdasinderPraxisvorstellen? Wir starten mit einem globalen Anlage- universum von rund 4.000 Aktien. Im ers- ten Schritt screenen wir dieses Universum entlang der Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens – und schließen etwa die Hälfte der Titel aus. Danach folgt ein Best-in-Class-Ansatz auf das verbleibende, bereits bereinigte Universum: Wir wäh- len innerhalb jeder Branche die nachhal- tigsten Unternehmen aus und investieren nur in die obere Hälfte. Auf dieser Basis optimieren wir das Portfolio dann mit unserem Multi-Faktor-Modell und kom- men am Ende auf rund 280 Aktien – bei JOHLFK]HLWLJHU EUHLWHU 'LYHUVLljNDWLRQ Best-in-Class-Ansätze werden gern belä- chelt – Stichwort „Die sauberste Ölaktie ist immer noch eine Ölaktie“. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Ansatz nicht in dieselbe Falle läuft? Der entscheidende Unterschied liegt in der Reihenfolge. In vielen nachhaltigen Indizes erfolgt das Best-in-Class-Screening direkt auf dem marktkapitalisierten Uni- versum – dadurch bleiben große Titel aus kritischen Branchen oft dominant. Wir gehen anders vor: erst ein sehr striktes ESG-Screening, das ganze Sektoren oder Geschäftsmodelle komplett ausschließen kann, dann Best-in-Class für das Restuni- versum. Damit stellen wir sicher, dass wir nicht die „besten Schlechtesten“ wählen, sondern aus einem bereits bereinigten Universum die überzeugendsten Titel KHUDXVljOWHUQ ł LQNOXVLYH YLHOHU NOHLQHUHU Unternehmen, die in klassischen Indizes gar nicht vorkommen. Wenn wir fünf Jahre nach vorn blicken: Welche Rolle werden aktive ETFs im Pro- duktmix vonHäusernwie Invescospielen? Ich erwarte, dass aktive ETFs sich als fes- ter Baustein zwischen klassischen Fonds und rein passiven ETFs etablieren. Auf der einen Seite wird es weiterhin Strate- gien geben, bei denen ein diskretionärer )RQGVPDQDJHU PLW VHKU VSH]LljVFKHP Ansatz gefragt ist. Auf der anderen Seite bleiben kostengünstige, breit streuende Index-ETFs das unverzichtbare Grundge- rüst. Dazwischen werden aktive ETFs an Bedeutung gewinnen als Vehikel für sys- tematische, faktor- und themenorientierte Strategien, die Anlegern den Zugang zu LQVWLWXWLRQHOOHQ $QVÌW]HQ HUĆȬQHQ Wird der aktive ETF aus Ihrer Sicht bestimmteFondssegmenteverdrängen? In einigen Segmenten wird es zu einer Verdrängung kommen, in anderen zu einer Ergänzung. Dort, wo es um breit gestreute, systematisch gemanagte Aktien- strategien geht, ist die ETF-Hülle aus Kosten- und Umsetzungsgründen oft im Vorteil. In sehr speziellen Nischenstrate- gien oder illiquiden Märkten bleibt die klassische Fondshülle hingegen sinnvoll. Wichtig ist, dass Häuser wie Invesco bei- des anbieten und sauber erklären, wofür welches Vehikel sinnvoll ist, statt sich ideo- logisch auf eine Form festzulegen . VielenDank für dasGespräch. HANS HEUSER FP V I TA : Manuela von Ditfurth Seit fast 28 Jahren arbeitet Manuela von Ditfurth für Invesco in Frankfurt, wo sie als Senior Portfolio Managerin das Team für quantitative Investment- strategien leitet. Darüber hinaus gilt sie als ausgewiesene Expertin für verantwortungsvolles Investieren. Ihre Lauf- bahn in der Asset-Management-Branche begann von Ditfurth bereits 1989 imPortfolioresearch vonMetzler Investment, wo sie später für die Portfolioindexierung zuständigwar. Die Ausbildung als Bankfachwirtin hat sie an der Frankfurt School of Finance&Management abgeschlossen. » Es wird weiterhin Strategien geben, bei denen ein diskretionärer Fondsmanager mit sehr spezifischem Ansatz gefragt ist. « Manuela von Ditfurth, Invesco MARKT & STRATEGIE Manuela von Ditfurth | Invesco 130 fondsprofessionell.at 1/2026 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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