Es ist nicht übertrieben, Martin Sturzlbaum als "Generali-Urgestein" zu bezeichnen. Mehr als drei Jahrzehnte im Konzern, ist er seit 2017 verantwortlicher Vorstand in der Generali Versicherung AG für den wichtigen, aber fordernden Bereich Leben. Die Gesellschaft konnte in diesem Segment im Jahr 2018 gegen den Branchentrend ein Wachstum verbuchen.

Bawag PSK-Versicherung muss "dynamisiert" werden
Ähnliche Erfolge erwartet sich die italienische Mutter nun wohl auch in einem anderen Bereich: Zu Beginn des Jahres 2019 übernahm Sturzlbaum zusätzlich den Chefposten bei der 75-Prozent-Tochter Bawag PSK Versicherung (BPV), die vorwiegend ­Lebensversicherungen anbietet. Im Interview mit FONDS professionell, das in der aktuellen Heftausgabe erscheint, erklärt Sturzlbaum unter anderem, dass die Zusammenarbeit mit dem Vertriebspartner Bawag trotz schwieriger Umstände nicht hinterfragt wird.

Seit 2014 sind die Lebensprämien in der BPV um ein Drittel gesunken. Sturzlbaum will hier künftig den Vertrieb von Fondsgebundener, Einmalerlag und Hybridprodukten intensivieren. "Wir gehen davon aus, dass wir uns positiv entwickeln und setzen absolut auf diesen Vertriebspartner. Rückgänge gab es auch in anderen Gesellschaften", so Sturzlbaum zur Kooperation mit der Bawag PSK. Die Kapitallebensversicherung habe einfach nicht mehr den Stellenwert, den sie einmal hatte. "Das ist ein Megatrend, der den Gesamtmarkt erfasst hat", sagt Sturzlbaum. Jetzt gehe es um die Neuausrichtung. 

Hoffnung auf Big Data und neue Filialen
Dass die Post nun nach dem Ende der Kooperation mit der Bawag PSK ausgerechnet mit Brüll Kallmus zusammenarbeiten will, die zum Konkurrenten Grawe gehört, beunruhigt Sturzlbaum nicht. "Die Kundendaten sind bei der Bawag PSK Bank geblieben", sagt er.

Außerdem erhofft sich Sturzlbaum von der Neuausrichtung der Bawag-Filialen bessere Möglichkeiten der Kundenansprache und des Services (siehe Klickstrecke oben). Dazu kommt, dass die Versicherungsprodukte der BPV beziehungsweise der Generali noch enger mit den Kontopaketen der Bawag synchronisiert werden: Durch den Einsatz von Big Data werden künftig dem Berater sehr gezielt Produkte angezeigt, die spezifisch zur Situation des Kunden passen.

Fondsgebundene, Biometrie und ein Produkt für Reiche
Was die Produkte selbst angeht, müsste sich sowohl die Branche insgesamt als auch die Generali im Speziellen in den Bereichen Fondsgebundene und Biometrie neu aufstellen. Vorsorge bedeute Fondsgebundene, nicht klassische Lebensversicherung. "Es hat sicher eine Zeit gebraucht, dass der Markt da umdenkt. Anleger müssen sich bewusst sein, dass ein gewisses Kapitalmarktrisiko nötig ist", so Sturzlbaum. 

Ganz neu im Sortiment sei das Produkt Generali LifeInvest. "Damit betreuen wir erstmals sehr gezielt die Zielgruppe Affluent und High Networth Individuals (HNWI)". Diese Variante der fondsgebundenen Lebensversicherung geht in Richtung Vermögensverwaltung im Versicherungsmantel. Sie sieht einen Einmalerlag (mindestens 30.000 Euro) vor. Damit soll den Beratern und Maklern ein eigenes Produkt für Kunden mit höherem Veranlagungsbedarf zur Verfügung stehen. Vertreiben sollen es österreichweit nur wenige ausgewählte Berater, so Sturzlbaum. Diese müssen sich laut den Aussagen bei diesem Produkt provisionsmäßig etwas einschränken. Es werde damit aber eine Angebotslücke für das HNWI-Segment geschlossen.

Es beinhaltet rein institutionelle Fondstranchen, was 0,72 Prozent der laufenden Kosten spart, erklärt Sturzlbaum. Der Kunde kann die tägliche Wertentwicklung des Gesamtinvestments einsehen und er kann auf täglicher Basis kostenlos die Fonds switchen.

Seit 2018 gibt es eine open Architecture in der Fondsgebundenen
Auch sonst gab es Neuerungen im Bereich der fondsgebundenen Lebensversicherung. So wurde die Portfolien-Landschaft auf Open Architecture umgestellt: Neben den Fonds der 3-Banken Generali ­Investment Gesellschaft gibt es nun auch internationale Angebote.

Was die Biometrie betrifft, sollen "wirklich alle ­Arten von Risiken" abgedeckt werden, bis hin zur Krebszusatzversicherung. "Wir haben auch ein Produkt, das aus unserer Sicht einzigartig ist: Es verbindet Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfähigkeit; die Fixkosten werden abgedeckt", so Sturzlbaum. Weitere Neuerungen in dem Bereich sollen folgen.

Das Biometrie-Geschäft sei zwar von den Prämien her noch keine Kompensation für Rückgänge im Lebensbereich; die Produkte seien aber für die Versicherer ertragreich. "Eine Bruttoprämie allein ist kein Garant für Erträge. Es kann in manchen Bereichen durchaus gut sein, eine geringere Prämie zu haben, aber einen höheren Ertrag. Natürlich wollen wir auch in der Topline wachsen. Aber das ist kein Selbstzweck. Ziel ist es, ertragreich zu wachsen", so der Generali-Vorstand. (eml)


Das gesamte Interview erscheint in der Heftausgabe 2/2019 von FONDS professionell, die Abonnenten dieser Tage zugestellt wird. Darin erklärt Martin Sturzlbaum unter anderem, warum die Generali im Jahr 2018 gegen den Trend in der Lebensversicherung gewachsen und warum sein berufliches Fernweh vorerst gestillt ist.