"Die VIG ist bisher sehr gut durch diese Ausnahmesituation gesteuert", sagte Konzernchefin Elisabeth Stadler am Dienstag anlässlich der Veröffentlichung der vorläufigen Jahreszahlen vor Journalisten. "Wir haben den operativen Geschäftsverlauf gut managen können und davon gehen wir auch weiterhin aus". Mit massiven Beeinträchtigungen des Versicherungsgeschäfts sei nicht zu rechnen. "Der große Unsicherheitsfaktor liegt eher in der allgemeinen volkswirtschaftlichen Entwicklung und deren Auswirkungen", so die VIG-Chefin.

Österreichs größter Versicherer strebt im laufenden Jahr bei stabilen Prämien von 10,4 Milliarden Euro einen Gewinn vor Steuern zwischen 450 und 500 Millionen Euro an. Damit will sich die VIG 2021 wieder dem Vorkrisenniveau annähern. 2019 wurde ein Vorsteuergewinn von 522 Millionen Euro erzielt. 2020 sackte angesichts des Ausbruchs der Corona-Krise der Vorsteuergewinn nach vorläufigen Zahlen um ein Drittel auf rund 346 Millionen Euro ab.

Wachstum in Osteuropa
Nicht berücksichtigt sei im Ausblick die Übernahme des Osteuropa-Geschäfts der niederländischen Aegon im November. Es werden 15 Gesellschaften in Ungarn, Polen, Rumänien und der Türkei erworben (voraussichtlicher Abschluss Anfang des zweiten Halbjahres). Für die in 30 Ländern tätige VIG ist es der zweitgrößte Zukauf in der Firmengeschichte. Stadler erwartet in den kommenden Jahren Synergieeffekte von rund 100 Millionen Euro. Daten von 2019 zufolge holt sich die VIG damit rund 600 Millionen Euro Versicherungsprämien, ein Pensionskassenvolumen von rund fünf Milliarden Euro sowie rund 4,5 Millionen neue Kunden.

Auch künftig will das Unternehmen über Zukäufe wachsen. Polen sei etwa ein interessanter Markt, wo mit einigen Akquisitionsmöglichkeiten zu rechnen sei, sagte Stadler. VIG werde sich diese Optionen ansehen, sofern sie von der Strategie her passten und der Preis stimme.

Firmenwertabschreibungen und Finanzergebnis drücken auf Gewinn
Im abgelaufenen Geschäftsjahr schrumpfte der Gewinn unter dem Strich um 30 Prozent auf 231,5 Millionen Euro. Grund dafür waren bereits zum Halbjahr vorgenommene Firmenwertabschreibungen in Osteuropa von rund 120 Millionen Euro sowie ein rückläufiges Finanzergebnis. Die Prämieneinnahmen blieben mit 10,4 Milliarden Euro in etwa stabil. Die für Versicherungen wichtige Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) konnte auf 95,0 (davor 95,4) Prozent gedrückt werden. Die Dividende werde nun auf 75 Cent je Aktie gekürzt nach 1,15 Euro je Aktie im Jahr davor. An der Wiener Börse verloren VIG-Papiere 2,6 Prozent. (Reuters/eml)