Die auf Wachstumskurs in CEE befindliche VIG kauft hundert Prozent an der polnischen Versicherung Gothaer Towarzystwo Ubezpieczen (Gothaer TU). Gothaer TU ist eine Tochtergesellschaft der deutschen Gothaer Finanzholding AG. Der Kaufvertrag wurde am 6. Juni 2018 unterzeichnet. Die lokalen Behörden müssen der Akquisition noch zustimmen. Das teilte die VIG heute mit.

Der Aktienkurs des Unternehmens, der es heuer schwer hatte, zog darauf hin kräftig an. Die Gothaer TU betreut mehr als 632.000 Kunden und verwaltet rund zwei Millionen Versicherungsverträge. Das Unternehmen mit Sitz in Warschau ist ein Spezialist im Bereich der Nichtlebensversicherung und vertreibt die Produkte vorwiegend über Makler und Agenten und verfügt über sechs Zweigniederlassungen und ein breit ausgebautes Netzwerk von Agenten.

"Sehen uns an, wo Zukäufe Sinn machen"
"Unsere Gesellschaften in Polen sind extrem profitabel. Daher zählt das Land auch zu jenen Märkten, in denen wir in den kommenden drei bis fünf Jahren mindestens einen Marktanteil von zehn Prozent zu erreichen", sagte ein VIG-Sprecher gegenüber FONDS professionell ONLINE. Es gelinge zwar gerade in Polen derzeit sehr gut, organisch zu wachsen. Allerdings: "Ein weiterer Zukauf ist nicht ausgeschlossen", so VIG-Sprecher Wolfgang Haas. "Wir sehen uns in allen Märkten an, wo ein Zukauf Sinn macht“, so Haas. Zum Vorteil für die VIG wird es dabei, dass viele kleinere Gesellschaften nicht zuletzt aufgrund der Regulierungserfordernisse aufgeben.

Mit dem Kauf der Gothaer steigt der VIG-Marktanteil in Polen im Nichtlebensbereich von 6,2 auf 7,8 Prozent. Die VIG befindet sich gemäß Angaben des letzten Geschäftsberichts auf Rang vier unter den größten Versicherungsgruppen im Land. Die VIG ist in Polen mit vier Gesellschaften (Compensa Leben, Compensa Nichtleben, InterRisk und Vienna Life) und drei verschiedenen Marken auf dem polnischen Versicherungsmarkt vertreten.

Großer Markt, hohes Wachstum, geringe Versicherungsdichte
Attraktiv in Polen sind Marktgröße, Wirtschaftswachstum und die noch immer relativ geringe Versicherungsdichte: Der rund 38 Millionen Einwohner zählende Markt dürfte bis 2020 jährlich real rund 3,1 Prozent wachsen (Prognose EU-15 rund 1,7 Prozent p.a.). Gleichzeitig besteht Aufholbedarf bei Versicherungsleistungen: Ein Pole gibt im Schnitt nur rund 338 Euro jährlich für Versicherungen insgesamt aus. Der EU-15-Schnitt liegt bei über 2.900 Euro. "Das vergleichsweise hohe Wirtschaftswachstum wird sich auf den Lebensstandard auswirken, und damit steigt auch das Bedürfnis, den Wohlstand abzusichern", so Haas.

Im Vorjahr legten die verrechneten Prämien der VIG in Polen um 8,2 Prozent auf 886,6 Millionen Euro zu. Vor allem ging die Steigerung auf die gute Entwicklung der Kfz-Haftpflicht und der sonstigen Schadensversicherung zurück. Das Vorsteuerergebnis legte in dem Land von 1,9 auf 35,5 Millionen Euro zu. Auch heuer legten die verrechneten Prämien in Polen im ersten Quartal mit einem Plus von 9,1 Prozent wieder kräftig zu. Beim Vorsteuerergebnis gab es mit 10,2 Millionen Euro fast eine Verdoppelung zum ersten Quartal des Vorjahres. (eml)