Bei den Versicherungsvermittlern, die Gewerbe- und Industriebetriebe im Kundenstock haben, herrscht momentan Hochbetrieb: Die Unternehmen retournieren die traditionellen Fragebögen mit den Umsatzzahlen des vergangenen Jahres. Normalerweise trudeln die Retouren gemächlich ein. "Heuer haben es die Betriebe eiliger", erklärt Rudolf Mittendorfer von der Maklerkanzlei Verag Veselka-Mittendorfer-Wanik und Sprecher der Wirtschaftskammerfraktion Unabhängiges Wirtschaftsforum (UWF). Grund für die Eile der Unternehmen sind die Corona-bedingt hohen Umsatz- und Lohnsummenrückgänge im Vorjahr. Auf dieser Basis müssen bei der Neuberechnung von Betriebshaftpflicht und Co. heuer seriell die Prämien hinuntergesetzt werden.

Das trifft direkt die Versicherungsmakler, deren Provision das Schicksal der Prämie teilt. Sie müssen sich heuer mit der Rückrechnung (beziehungsweise der Rückzahlung) bereits vereinnahmter Provisionen abfinden. Auch Mittendorfers Kanzlei hat Fälle auf dem Tisch, wie jenen eines Traditionsbetriebs, dem das Hauptgeschäft auf Weihnachtsmärkten weggebrochen ist. Ein Ausfall, für den es keine Nachziehkäufe gibt. Eine Gesamtschätzung, wie schmerzhaft es für die Versicherungsmaklerbranche werden wird, will Mittendorfer nicht abgeben. Er verweist aber darauf, dass die Verluste im Einzelfall beträchtlich und vor allem langfristiger Natur sein können, wenn ein Vermittler Unternehmen aus stark betroffen Branchen betreut.

Erholungs-Tempo und Fälligstellung von Provisionssalden
Gerade in wichtigen Sparten wie dem Tourismus müssten die Versicherungsvermittler mit Langzeitauswirkungen rechnen. "Viele Tourismusbetriebe sperren ganz zu, diese Prämie kriege ich nie wieder. Andere wandeln ihr Hotel in Wohnungen um. Selbst wenn der Tourismus dann wieder anläuft, wird es dauern, bis alles wieder eröffnet ist", so Mittendorfer. Das Ausmaß der Einkommensverluste bei den Versicherungsvermittlern sei daher in hohem Maße davon abhängig, wie schnell sich die Wirtschaft wieder auf Vorkrisenniveaus erholt.

Entscheidend werde für die Versicherungsmakler auch noch, wie großzügig die Versicherer mit der Rückforderung bereits bezahlter Provisionen sind. Im Allgemeinen seien die Versicherer "sehr partnerschaftlich", wenn es um die Fälligstellung negativer Provisionssalden geht. "Aber irgendwann muss die Rechnung bezahlt werden", so Mittendorfer. Auch aus diesem Blickwinkel sei daher das Tempo der Wirtschaftserholung entscheidend.

Berghammer fordert KöSt-Rückzahlung
Andere Branchenvertreter machten in den vergangenen Tagen ihre Sorge ebenso öffentlich: Weil sich die Krise auf die Versicherungsvermittler zeitlich stark verzögert auswirkt, haben sie in der Regel nichts von den in den vergangenen Monaten eingerichteten direkten Corona-Zuschüssen der Regierung, warnt Christoph Berghammer, Fachverbandsobmann der Versicherungsmakler. Er schlägt für die Branche Steuererleichterungen vor – konkret die Rückerstattung bereits geleisteter Einkommens- und Körperschaftsteuern. 

Durch diesen Zugang müsse kein Fremdkapital zugeschossen werden, es handle sich um erarbeitetes Kapital, so Berghammer gegenüber der Redaktion. Auf diese Weise würden gesunde Unternehmen gestützt, die eben verzögert in Liquiditätsengpässe geraten können. Seine Forderung lehnt der Fachverband auf eine Studie aus der Wirtschafts- und Steuerberatungskanzlei LeitnerLeitner (Autoren Markus Achatz und Wolfgang Lindinger) an. Die Studie im Auftrag des Fachverbands wurde an die zuständigen ministeriellen Gremien weitergeleitet, wie Berghammer erklärt. (eml)