Die gewerblichen Versicherungsvermittler haben nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie eine Zeit voller Ungewissheiten vor sich. Die strengen Ausgeh- und Kontaktregeln haben von Anfang an bei den jungen Vermittlern sehr hohe Umsatzeinbußen verursacht, während den etablierten Versicherungsprofis in den kommenden Monaten grobe Schwierigkeiten bevorstehen, wie die Standesvertreter in Gesprächen mit der Redaktion sagen. Der volle Artikel erscheint in der neuen Printausgabe von FONDS professionell.

"Betroffen sind derzeit vor allem die Neugründer, da zähle ich solche in den ersten drei Jahren dazu. Sie leben stark von der Abschlussprovision, also vom Neugeschäft", sagt Horst Grandits, Fachverbandsobmann der Versicherungsagenten in der Wirtschaftskammer. Das Neugeschäft sei aufgrund der gesetzlich angeordneten Einschränkungen praktisch zum Erliegen gekommen. "Wer länger dabei ist, hat Bestandsprovisionen und kommt noch besser über die Runden", so Grandits. Aber wer mit dem erfahrenen Branchenexperten spricht, merkt deutlich die Sorge über die Zukunft.

Sorge um Corporate-Geschäft
Empfindliche Rückgänge erwartet er unter anderem im wichtigen Unternehmenssegment. "In der ersten Hälfte des Jahres 2021 werden wir die Krise vermehrt spüren, wenn die Vertragskorrekturen kommen", befürchtet der Interessenvertreter. Er spricht dabei konjunktursensible Produktsparten wie Betriebshaftpflichtversicherungen an, bei denen die Prämie auf Basis von Umsatz und Jahreslohnsumme errechnet wird. Kunden gehen hier üblicherweise in Vorleistung – sollte ihr Geschäft rückläufig sein, wird ihnen im Jahr darauf die zu viel bezahlte Prämie rückerstattet.

"Da die Provision das Schicksal der Prämie teilt, müssen wir die Provision aus der Vorauszahlung an den Versicherer zurück­geben. Viele Betriebe werden geringere Lohnsummen und Umsätze haben, und ­daher müssen wir davon ausgehen, dass viele von uns Provisionen zurückzahlen müssen", so Grandits. Etliche Versicherungsagenten dürfte dies in Bedrängnis bringen, da die finanziellen Polster der meist kleinstrukturierten Agenturen nicht zu groß seien. Jede wirtschaftliche Eintrübung habe unweigerlich Umsatzeinbußen in seiner Branche zur Folge.

Makler: Einbruch nach Umsatzmeldungen ab April
Noch tiefer im Corporate-Segment verankert sind die Versicherungsmakler. Die Industrie ist zu 95 Prozent maklerversichert und das Gewerbe zu 65 Prozent, wie Christoph Berghammer, Obmann der Versicherungsmakler, anhand grob geschätzter Angaben erklärt. "Das wird uns alles nächstes Jahr treffen, im April und Mai, wenn die Umsatzmeldungen der Unternehmen kommen", sagt Berghammer. Ungefähr die Hälfte des Bestands eines durchschnittlichen Maklerbetriebs dürfte auf das Segment Industrie und Gewerbe entfallen.

"Wir führen Gespräche mit der Regierung und haben angekündigt, dass wir im nächsten Jahr Hilfe brauchen, weil wir unseren Umsatzrückgang aus der Krise nicht wie andere jetzt darstellen können", sagt Berghammer. Auch Kollege Grandits appelliert an die Regierung, dass Hilfsleistungen, die nur Rückgänge aus dem Jahr 2020 kompensieren, der besonderen Umsatzsituation der Branche nicht gerecht werden.

Verbessert habe sich mittlerweile die Einstellung der Versicherer zur Kulanz gegenüber den Kunden, sagen beide Standesvertreter. "Ein Beispiel, das meiner Erfahrung nach gut funktioniert, ist die Stundung. Den Fällen, die ich hatte, wurde immer stattge­geben. Ich hatte schon Stundungen von einem Zeitraum über sechs Monaten. Der Versicherungsschutz bleibt vollinhaltlich aufrecht", erklärt Grandits. Makler-Obmann Berghammer sieht wiederum viel Entgegenkommen, wenn es darum geht, dass die Betriebshaftpflichtprämie bei einem Umsatzeinbruch sofort reduziert wird und nicht erst nächstes Jahr. (eml)

Den gesamten Artikel finden Abonnenten in der aktuellen Printausgabe FONDS professionell 2/2020. Darin lesen Sie auch über die mittlerweile eingekehrte Beruhigung im Streit mit den Versicherungsunternehmen rund um das Entgegenkommen in der Corona-Krise.