2021, im zweiten Corona-Krisenjahr, wuchsen die Prämieneinnahmen der österreichischen Versicherungen nach vorläufigen Berechnungen des Versicherungsverbands VVO um 3,4 Prozent auf rund 18,7 Milliarden Euro. Die Dynamik ist damit nach einem 2020er-Plus von nur 1,5 Prozent deutlich gestiegen. Stark zeigten sich einmal mehr die Schaden-Unfallversicherung, so wie das noch kleine, aber von viel Hoffnung begleitete Segment der Krankenversicherung.

Schaden-Unfall (inklusive Kfz-Haftpflichtversicherung) legte im Jahr 2021 um 4,7 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro zu. Das ist ein höheres Wachstum als noch von 2019 auf 2020, wo die Prämien um 2,6 Prozent anstiegen. Gleichzeitig mussten die Versicherungen in dieser Sparte im abgelaufenen Jahr 2021 mit rund 7,5 Milliarden Euro sehr hohe Leistungen erbringen (Plus 18,5 Prozent zum Vorjahr).

Krankenversicherung wächst weiter
Immer wichtiger wird die private Krankenversicherung den Österreichern: Hier erhöhten sich die Prämieneinnahmen um 3,7 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro (wenngleich im Jahr 2020  das Wachstum in diesem Segment mit plus 3,9 Prozent noch etwas kräftiger war). Umgekehrt leisteten die Versicherungen hier Zahlungen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro (plus ein Prozent zu 2020. Nicht erfasst sind in diesen Zahlen Rückstellungen für künftige Leistungen beziehungsweise Gewinnbeteiligungen). Österreichs Assekuranzen setzen angesichts der staatlichen Sparbemühungen im Gesundheitswesen hohe Erwartungen in den noch kleinen Bereich der privaten Gesundheitsvorsorge.

Minimal war indes im Jahr 2021 der Zuwachs bei der Lebensversicherung mit 0,6 Prozent auf rund 5,4 Milliarden Euro. Das leichte Plus ist dennoch positiv hervorzuheben, denn im Jahr davor gab es bei den Lebensprämien noch ein sattes Minus von 1,4 Prozent. 2021 konnten im Bereich Leben die starken Einmalerläge ein Minus verhindern: Sie legten – von sehr niedrigem Niveau – um 10,8 Prozent zu auf 0,8 Milliarden Euro. Dagegen sanken die laufenden Prämien um 0,9 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig zahlten die Versicherungsunternehmen auch deutlich weniger an Lebensversicherungskunden aus als im Jahr davor: nämlich 7,1 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 9,3 Prozent entspricht (Rückstellungen für künftige Leistungen und Gewinnbeteiligungen nicht eingerechnet).

PZV-Einnahmen sinken sehr stark
Bei der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge hat sich das Abschmelzen noch einmal beschleunigt – hier ergibt sich ein Rückgang um fast neun Prozent auf ein Prämienvolumen von 700 Millionen Euro. Im Vorjahr (wo ein Rückgang von 2,7 Prozent zu Buche stand) waren es noch 769 Millionen.

VVO-Präsident Robert Lasshofer zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem Ergebnis. Für die kommenden Jahre sieht Lasshofer für die Branche zwei entscheidende Themen im Vordergrund. Zum einen die grüne Transformation der Wirtschaft. "Wir verfügen mit 110 Milliarden Euro über einen großen Hebel, um die heimische Wirtschaft bei der Umsetzung der Klimaziele zu unterstützen", so Lasshofer. Er stellt verstärkte Investitionen in Wind- oder Solarparks in Aussicht. Weiters könnten mehr Mittel für nachhaltige Infrastrukturprojekte, Sanierungen und Dämmung im Wohnungsbereich zur Verfügung gestellt werden.

Zum anderen erhofft sich Lasshofer Impulse für die Versicherungswirtschaft durch die politisch angekündigte Stärkung der privaten Vorsorge. "Wenn Finanzminister Brunner die private Vorsorge unterstützen möchte, dann begrüßen wir das sehr", so Lasshofer, der dabei einmal mehr Steuervorteile für Besitzer einer Lebensversicherung forderte – konkret eine Senkung der Versicherungssteuer von derzeit vier Prozent. (eml)