Hohe Corona-Schäden und Umweltkatastrophen haben 2020 global zu einem der teuersten Versicherungsjahre gemacht. Als Folge werden auch in Österreich die Versicherungsprämien erhöht oder die Leistungen reduziert, sagen mehrere Experten laut einem Artikel, der in voller Länge in der aktuellen Printausgabe von FONDS professionell erschienen ist. Betroffen sind in erster Linie Industrie- und Gewerbeversicherung.

Die Covid-19-Pandemie könnte Versicherer und Rückversicherer bis zu 100 Milliarden US-Dollar kosten. Gleichzeitig war 2020 bereits ohne die Pandemie das fünftteuerste Jahr für die Assekuranzen seit den 1970ern: Das Swiss Re Institute errechnet Schäden in Höhe von 83 Milliarden US-Dollar durch Ereignisse wie die verheerende Beirut-Explosion, die australischen Waldbrände oder die besonders teure US-Hurrikan-Saison. Noch dazu waren bereits in den Jahren davor sehr kostspielige Umweltschäden zu zahlen. Das alles führt dazu, dass die Rückversicherer seit einigen Quartalen ihre Preise gegenüber den Erstversicherern deutlich erhöhen.

"Schwer, Deckung zu kriegen"
"Auf dem Rückversicherungsmarkt geht es rund", sagt René Hompasz, Chef des österreichischen Vermögensschadenshaftpflichtversicherers Höher. Vor allem in den durch die Pandemie stärker in den Fokus gerückten Bereichen Cyber Risks und Managerversicherung (sogenannte D&O) sei es derzeit "schwer, eine ordentliche Deckung zu bekommen". Er beobachtet, dass entweder die Preise erhöht oder die Deckungen reduziert werden. Versicherer und Rückversicherer würden momentan extrem genau prüfen, wen oder welche Risiken sie in ihre Bücher nehmen, so Hompasz.

Tatsächlich sieht man am gesamteuropäischen Gewerbeversicherungsmarkt derzeit eine rasante Prämiendynamik. Erhöhungen um 15 Prozent im Quartal sind ein kompletter Bruch mit der Vergangenheit. Nach jahrelangen Preisrückgängen müssen Unternehmen, die Versicherungsschutz brauchen, nun hohe Aufschläge hinnehmen. Steigerungen wie diese hat es laut einem Bericht der "Financial Times" seit fast zwei Jahrzehnten nicht gegeben.

"Müssen Prämienerhöhungen an Industrie- und Firmenkunden weitergeben"
Auch in Österreich wird sich diese Entwicklung bemerkbar machen, sagen Expertinnen und Experten gegenüber der Redaktion. Die Allianz bestätigt eine "Marktverhärtung" speziell in der Sach-Industrieversicherung. Und das sieht auch der Mitbewerb so: "Es stimmt, dass internationale Rückversicherungen wegen hoher Schadensbelastungen in der Vergangenheit die Prämien für Erstversicherer zum Teil kräftig erhöhen mussten. Auch die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung weiter verstärkt", sagt Doris Wendler, Vorstandsdirektorin der Wiener Städtischen. Man sei wie alle anderen Versicherungen gezwungen, dem Rechnung zu tragen "und Prämienerhöhungen an Industrie- und Firmenkunden in einigen Segmenten weiterzugeben", so Wendler.

"Fakt ist, dass nicht mehr jedes Risiko zu jedem Preis versichert werden kann", bestätigt Christoph Zauner, Leiter Retail und Corporate der Generali Versicherung. Im Industriebereich habe es seit über zehn Jahren einen "weichen Markt" gegeben. Gemeint ist ein Überangebot an Versicherungsschutz, flankiert von dementsprechend niedrigen Preisen. Es gebe Bereiche wie D&O, wo derzeit die Prämien "beträchtlich unter den technisch notwendigen ­Preisen liegen".

Hohe Vorsicht ist auch aus der Uniqa zu hören: "Wir prüfen jedes Unternehmen und entscheiden individuell, ob und zu welchen Konditionen wir anbieten. Die weiteren Entwicklungen werden genau beobachtet", heißt es.

Herausforderung Cybercrime
Die Gesamtlage ist für die Versicherer herausfordernd, wie Wiener-Städtische-Vorstandsdirektorin Wendler am Beispiel der Cyberversicherung verdeutlicht. Die Bedrohungslage sei nicht zuletzt angesichts von Remote Work höher einzuschätzen als je zuvor, weshalb Rückversicherer bei der Zeichnung dieses Risikos sehr skeptisch sind. "Wir stehen damit vor der Situation, dass einerseits die Nachfrage nach Cyber-Deckungen stark wächst und andererseits Rückversicherungskapazitäten geringer werden und Prämien steigen", sagt Wendler. Die Städtische reagiert hier mit Angeboten, die den Kunden Produkt- und Preisflexibilität ermöglichen (Basismodell plus Bausteine). Bei der Generali verweist man ebenfalls darauf, dass nicht nur der Preis zählt. Zusatzleistungen wie etwa präventive und Ernstfall-Assistance im IT-Bereich würden immer wichtiger.

Preise für Privatkunden stabil
Preissteigerungen bei privaten Sparten ­erwartet in Österreich derzeit keine der befragten Versicherungen. Bei der Generali heißt es etwa, Prämienanpassungen nach oben hin würden "mit Ausnahme einiger weniger besonders exponierter Branchen nicht für die Bereiche Retail sowie kleine und mittlere Unternehmen zutreffen". Diese Segmente seien weiter sehr preisstabil.

Beobachter halten es allerdings für möglich, dass die Versicherer in dieser schwierigen Situation auch im Privatbereich zu Nachschärfungen gezwungen sein könnten. Gewerbesparten wie die Haftpflicht hätten sich schon oft als Vorläufer erwiesen, gibt etwa Höher-Geschäftsführer Hompasz zu bedenken. Tatsächlich müssen die Versicherungen insgesamt auf ihre Rentabilität schauen. 2020 sind die Aufwendungen für Versicherungsfälle um knapp 2,9 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Ertragskraft 2020 laut jüngsten FMA-Zahlen eingebrochen – vor allem belasten die Kapitalmarktturbulenzen die Investitionsseite. Weil sich parallel dazu das Null- oder Negativzinsumfeld infolge der Corona-Notenbankpolitik weiter verfestigt, bleibt die Situation hinsichtlich der Kapitaleinnahmen angespannt. Werden die Anlagerenditen kleiner, werden die Prämieneinnahmen wichtiger, um Schäden zu decken. (eml)


Den gesamten Artikel lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von FONDS professionell 1/2021 oder im E-Magazin.