Mitte März wurden in Österreich die rigiden Covid-19-Einschränkungen des öffentlichen Lebens erlassen, die einen massiven Rückgang der Wirtschaftsleistung zur Folge hatten. Im Kerngeschäft der österreichischen Versicherungsunternehmen zeigt sich vorerst kein Einbruch: Die Prämieneinnahmen legten im ersten Quartal 2020 verglichen mit dem ersten Quartal 2019, um 2,54 Prozent auf 5,83 Milliarden Euro zu. Das geht aus dem aktuellen Bericht der Finanzmarktaufsicht FMA hervor.

Das große Segment Schaden- und Unfallversicherung wuchs zum Q1 2019 um gut ein Prozent auf 3,71 Milliarden Euro. Die Krankenversicherung (der kleinste, aber in den vergangenen Jahren sehr wachstumsstarke Bereich) legte erneut um hohe 5,31 Prozent auf 620 Millionen Euro zu.

Lebensgeschäft erstmals wieder mit kräftigem Signal
Sehr positiv sind die Signale aus dem Lebensversicherungsgeschäft, das entgegen dem rückläufigen Trend der letzten Jahre um 5,17 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro zulegte. Einen kräftigen Sprung um 50 Prozent auf 231 Millionen Euro machten hier die Einmalerläge. Im Hauptsegment, den laufenden Prämien, legten die Lebensversicherungen um 1,17 Prozent zu. Erwähnenswert ist, dass die in den vergangenen Jahren abgestraften Fonds- und indexgebundene Produkte in der Beliebtheit wieder zulegten: Sie nehmen nun 23,39 Prozent des Lebenssektors ein, während es vor einem Jahr noch 21,53 Prozent waren. Insgesamt zeigt sich das Lebensgeschäft seit drei Quartalen sehr stark.

So gut das Versicherungsgeschäft war, so schwierig verlief es angesichts der Kapitalmarktturbulenzen im Veranlagungsbereich: Beim Finanzergebnis (Kapital- und Zinserträge minus Kapital- und Zinsaufwendungen) blickt die Branche auf einen negativen Saldo von 130 Millionen Euro: die Erträge nahmen im ersten Quartal um 15,87 Prozent ab, während die Kapitalaufwendungen um 341 Prozent zulegten. Da das erste Quartal 2020 nur rund zwei Wochen der Corona-Maßnahmen erfasst, werden die Zahlen zum zweiten Quartal aussagekräftiger sein.

GuV mit roten Zahlen
Es ist zu erwarten, dass es in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) der Versicherer viele rote Werte gibt. Bereits im ersten Quartal 2020 sank das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) im Vergleich zum 1.Quartal 2019 um 454,13 Millionen Euro auf Minus 64,73 Millionen Euro. Dahinter steht ein rückläufiges versicherungstechnisches Ergebnis, das um 177,54 Millionen auf 33,54 Millionen Euro abnahm, das Finanzergebnis um 850,65 Millionen Euro auf einen Wert von Minus 130 Millionen Euro sank.

Alle Assets zu Marktwerten (exklusive Kapitalanlagen der fondsgebundenen und indexgebundenen Lebensversicherung) war zum Q1 2019 leicht rückläufig auf 105,79 Milliarden Euro. Die Eigenmittelausstattung der Versicherungsunternehmen ist laut FMA-Angaben weiter gut: 54 Prozent der Unternehmen weisen einen Solvabilitätsgrad (SCR) von über 200 Prozent aus, womit sie über mehr als doppelt so hohe Finanzmittel verfügen, als zur Erfüllung aller Verpflichtungen erforderlich ist. Die stillen Reserven der Kapitalanlagen (ohne jene der fonds- und indexgebundenen Lebensversicherung) nahmen im Quartalsvergleich aber auf 19,79 Milliarden Euro ab, ein Minus von 13,33 Prozent. (eml)


Service: Wichtiger Hinweis der FMA zum Bericht zum 1. Quartal 2020:
Die FMA hat in ihrem Bericht die Darstellungsweise verändert: Es wird erstmals das gesamte Geschäft der Versicherungsunternehmen dargestellt. Die Werte zeigen nicht nur das direkte Versicherungsgeschäft, sondern beinhalten nun auch das indirekte Versicherungsgeschäft, (Rückversicherung)t. Die im Bericht veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf das gesamte Geschäft von Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen mit Sitz in Österreich. Keine Berücksichtigung finden kleine Versicherungsvereine, Zweigniederlassungen von Drittland-Versicherungs- oder Drittland-Rückversicherungsunternehmen sowie EWR-Versicherungs- und EWR-Rückversicherungsunternehmen, die im Rahmen des freien Dienstleistungsverkehrs oder der Niederlassungsfreiheit in Österreich tätig sind.