Vom Fachkräftemangel ist auch die Finanzdienstleistungsbranche nicht ausgenommen. Banken und Versicherungen haben in der Vergangenheit mehrfach darüber geklagt, dass es mit dem qualifizierten Nachwuchs schlecht ausschaut.

Eine Karriere in der Branche wirkt angestaubt, nicht zuletzt im Vergleich zu den Fintechs, deren mobile Anwendungen dem Nutzungsverhalten junger Leute besser entsprechen als die Konzepte vieler traditioneller Banken und Versicherer. Darüber hinaus haben sich in den vergangenen Jahren einige Probleme angesammelt, die den Sektor in ein schlechtes Licht rücken: Finanzkrise, Geldwäsche- und Betrugsvorwürfe, schlecht performende Anlageempfehlungen mit hohen Kosten, etc. Und letztendlich fristet das Thema Geld ganz geerell angesichts der kaum vorhandenen schulischen Finanzbildung in der Wahrnehmung der Jugend ein Nischendasein.

Kampagne soll Image aufbessern
Die Sparte Banken und Versicherungen in der Wirtschaftskammer Wien hat nun eine Kampagne gestartet, um  junge Mitarbeiter anzulocken. Es sollen nicht nur klassische Lehr-Anfänger angesprochen werden, sondern vor allem auch Maturanten und Studienabbrecher. Ziel ist es, wirklich passende Lehrlinge zu finden. Ihnen will sich die Branche als moderner Arbeitgeber präsentieren, wie es in einer Aussendung heißt.

Der Begriff modern lässt natürlich Interpretationsspielraum offen: Ein Blick auf den Onlineauftritt der Kampagne zeigt, dass die Branche sich mit ihrer Kampagne nicht wirklich an ihre Fintech-Konkurrenz annähert. Die Videos vermissen den "coolen" Glanz, den die digitale Konkurrenz in ihren Präsentationen zu verbreiten versteht. Beim Schnitt wurde Dynamik vermieden, Farbfilter und andere Effekte sucht man ebenfalls vergebens. 

Hausbacken, aber solide
Die beiden größten Argumente der Banken und Versicherer sind: sicherer Job und Möglichkeit zur berufsbegleitenden Ausbildung. Die bei Jungen sehr beliebte work-life balance spart man aus. Auch wie digital unterstützte Beratung aussieht, demonstrieren die Macher nicht. Richtig entstaubt wird das Image also nicht. Immerhin werden die Aufstiegsschancen – etwa vom Lehrling zum Regionaldirektor – deutlich gemacht.

Die Maßnahmen werden größtenteils online gesetzt, dazu gibt es Plakatwerbungen und in Schulen soll es "Promotions", geben, heißt es in einer Aussendung. "Herzstück" der Kampagne sei eine Potenzialanalyse. Mit dieser sollen Bewerber überprüfen, ob ihre Vorstellungen mit den Erfordernissen des Berufs zusammenpassen.

Die Aufwertung des Lehrberufs-Images ist eine langjährige Forderung der Wirtschaft, um dem Fachkräftemangel Herr zu werden. Entsprechende Initiativen der Vergangenheit haben offenbar bereits Wirkung gezeigt: In Wien ist die Zahl der Lehrlinge bei Banken und Versicherungen im Vorjahr um 6,1 Prozent gestiegen. Das ist ein absolutes Plus von 346 Personen. (eml)


Service: Die Potenzialanalyse findet man unterwww.bankenlehre.at und www.versicherungslehre.at