Versicherungen gegen die Folgen von Hackerangriffen galten in der Assekuranz vor einigen Jahre als die Produktkategorie der Zukunft. Diese Hoffnungen haben sich aber nicht erst seit gestern als unrealistisch erwiesen – insbesondere stehen den Forderungen der Kunden der Cyberpolizzen aus mehreren Gründen zu geringe Prämieneinnahmen gegenüber. Die Folge: Die Kosten für die Absicherung sind massiv gestiegen. Gerade mittlere und kleinere Unternehmen können sich den Schutz kaum noch leisten, wie das "Handelsblatt" schreibt.

Nun hat sich diese Lage durch eine erhöhte Gefahr von gezielten Cyberattacken Russlands im Zuge des Ukrainekrieges noch einmal drastisch verschärft. Die Versicherer fürchten zudem massive Verluste durch bereits abgeschlossene Cyberpolizzen. Oft sei unklar, ob und wie weit konventionelle Sach- oder Haftpflichtpolizzen auch Cyberrisiken abdecken. Das kann zu Konflikten zwischen Kunden und Versicherern führen. Zumal diese versuchen könnten, sich auf Klauseln zu berufen, die Schäden durch Kriegshandlungen ausschließen.

Hohe Selbstbehalte
Die Folgen all dieser Entwicklungen sind neben den stark gestiegenen Prämien auch hohe Selbstbehalte. Zudem ist gar nicht gesagt, dass sie überhaupt noch Versicherungsschutz erhalten. Vor allem Mittelständler bekämen wegen ihrer verbesserungswürdigen IT-Sicherheit häufig keine passenden Angebote mehr, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Johannes Behrends vom Versicherungsmakler Marsh. Gerade diese benötigen aber dringend Schutz.

Der Experte macht eine Beispielrechnung auf: "Vor ein paar Jahren konnte ein Unternehmen des gehobenen Mittelstands mit einem Umsatz von etwa einer Milliarde Euro eine solche Deckung noch für eine Prämie von circa 125.000 Euro einkaufen. Heute zahlen die Firmen bis zu 500.000 Euro pro Jahr." Dabei wird es wohl nicht bleiben. Schon 2021 kam es im Durchschnitt zu Preiserhöhungen von 40 Prozent. Im gehobenen Mittelstand gab es 2021 vereinzelt sogar Beitragssteigerungen von 300 Prozent. "Auch in diesem Jahr rechnen wir mit Prämienerhöhungen in ähnlicher Höhe", so Behrends. (jb)