Amazon ist eine weitaus größere Bedrohung für Versicherer als Start-ups, die die Assekuranz aufmischen wollen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Im Fall eines 'Großangriffs' im Versicherungsmarkt durch Amazon würden wir nennenswerte Teile des Geschäftsvolumens der etablierten Assekuranz-Konzerne als gefährdet ansehen", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) aus der Studie. Mit einer weltweit bekannten Marke, innovativer Technik, umfangreichen Kundendaten und hohen Skalenvorteilen wäre Amazon bei den Kosten im Vorteil, heißt es weiter. Denn die etablierten Versicherer kämpfen mit veralteter Technik und ineffizienten Strukturen.

"Amazon war bereits in der Vergangenheit sehr erfolgreich darin, ganze Branchen vor sich herzutreiben", betont LBBW-Analyst Werner Schirmer laut der Zeitung. Das Unternehmen habe sich so im Buchhandel zwischen Produzenten und Endverbraucher gedrängt. Eine ähnliche Strategie könne Amazon auch im Versicherungsmarkt verfolgen: Vor allem einfach zu erklärende Verträge mit kurzer Laufzeit und leicht abzuwickelnden Schäden wären für den Interkonzern interessant. Dazu gehören Reiserücktritts- und Rechtsschutzpolicen.

Angst vor Kooperation mit Amazon
Die Studie verweist darauf, dass der Internet-Gigant bereits entsprechende Schritte unternommen hat. So habe das Unternehmen, das mit dem Onlinehandel von Büchern groß wurde, in Indien eine Lizenz als Versicherungsmakler beantragt. In den USA plane es, zusammen mit JP Morgan und Berkshire Hathaway einen Krankenversicherer zu gründen. Ferner hält das Unternehmen eine Beteiligung von rund 16 Millionen US-Dollar am Online-Versicherer Acko.

Ende 2018 meldete zudem das Softwareunternehmen Guidewire, dass Amazon in Großbritannien die Gründung eines Tarifvergleichsportals plane. Laut Guidewire wolle die Gesellschaft mit etablierten Versicherern kooperieren. Viele von denen fürchten aber, dass Amazon zunächst einmal mittels des Portals analysieren wird, welche Versicherungen überhaupt gefragt sind, um dann nur diese anzubieten – und zwar in Eigenregie. Damit könnten einige Anbieter, die diese Produkte nicht haben, auf der Strecke bleiben. Eine Variante wäre, dass Amazon lediglich seinen Namen für Versicherungen hergibt, als Risikoträger aber einen anderen Anbieter wählt. (jb)