Nach rund eineinhalb Jahren werden die Akten einer weiteren Sammelklage geschlossen, bei der es um den umstrittenen Spätrücktritt von der Lebensversicherung geht. Diesmal hat sich Scottish Widows Limited (vormals Clerical Medical Investment Group Limited) mit Kunden geeinigt, die sich Sammelklagen des Vereins für Konsumenteninformation VKI im Auftrag des Sozialministeriums angeschlossen hatten.

Der VKI vertrat in 14 Sammelklagen gegen Scottish Widows 206 Konsumenten, die vor dem 01.01.2019 den Rücktritt von ihrer Lebensversicherung erklärt hatten (nach diesem Zeitpunkt sorgt das neue Versicherungsvertragsgesetz für mehr Klarheit so wie für Fristen). "Nach intensiven Verhandlungen konnten die Parteien einen Vergleich erzielen", heißt es in einer Aussendung. Konsumenten erhalten ihre Forderungen zum Teil ersetzt. Genaue Zahlen werden nicht genannt.

Gesamtstreitwert der drei Klagen: 14 Millionen Euro
Der Fall ist Teil einer Klage gegen drei Versicherer, die sich im Jahr 2017 nicht einem branchenweiten Vergleich angeschlossen hatten: FWU Life Insurance Austria AG (vormals Skandia Leben AG), Nürnberger Versicherung AG Österreich und Scottish Widows machten damals nicht mit. Daraufhin brachte der VKI im Auftrag des Sozialministeriums 16 Sammelklagen für insgesamt 851 Personen gegen diese drei Versicherer ein. Der Gesamtstreitwert betrug laut damaligen Angaben 14 Millionen Euro. FWU und Nürnberger haben sich bereits vor einigen Monaten verglichen.

Scottish Widows betrachtet die überwiegenden Ansprüche nach wie vor als unbegründet. Der VKI hingegen verweist auf Grundsatzentscheidungen des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) und des Obersten Gerichtshofes (OGH) wonach Versicherungsnehmern bei fehlender oder fehlerhafter Belehrung ein unbefristetes Rücktrittsrecht zusteht. Die Konsumentenschützer forderten im Wesentlichen die Prämien samt Zinsen zurück. Beide Seiten begrüßen trotz unterschiedlicher Ansichten den Vergleich, da dadurch langwierige Verfahren vermieden werden können, wie es heißt. (eml)