Ein Versicherungsvertrag per Augenaufschlag: Warum eigentlich nicht? Der Rückversicherer Gen Re – unternehmerischer Nukleus von Warren Buffetts Beteiligungsvehikel Berkshire Hathaway – hat mit dem amerikanischen Softwarehersteller Lapetus eine App entwickelt, die den Abschluss einer Versicherungspolice in wenigen Minuten ermöglichen soll. Interessenten müssen lediglich ein "Selfie" per Smartphone machen und ein paar simple Fragen mit "Ja" oder "Nein" beantworten. Das verspricht zumindest die in Köln ansässige Dependance des US-Versicherers, wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) schreibt. Das Kalkül: Je schneller und unkomplizierter der Beantragungsprozess, desto eher kommt der Vertragsabschluss auch zustande.

Und so soll es funktionieren: Anhand des übermittelten Gesichtsbildes bestimmt die App das Alter und das Geschlecht der Person und ermittelt näherungsweise ihren Body Mass Index (BMI), der unter anderem Rückschlüsse auf Ernährungsgewohnheiten und mögliche Gesundheitsrisiken wegen Übergewichts zulässt. Hilflos der App ausgeliefert sind Antragsteller nicht: Sollte der dahinterstehende Algorithmus an dieser Stelle irren, haben Kunden die Chance, das Resultat zu korrigieren.

Wie hoch der ermittelte oder händisch eingegebene BMI ausfällt, spielt laut SZ de facto ohnehin keine Rolle: Ausschlaggebend sei, dass Kunden sich einem der fünf in der App vorgegebenen Körpertypen zuordnen. Zudem müssen Fragen zu bestimmten Vorerkrankungen und Krankenhausaufenthalten in jüngster Vergangenheit wahrheitsgetreu beantwortet werden.

Asien als Testmarkt
Gen Re testet das System aktuell in Asien, schreibt die Zeitung weiter. Zur Auswahl stehen demnach eine Sterbegeld- und eine Krankentagegeldversicherung sowie eine Unfallpolice, mit der sich Kunden an zehn ausgewählten Tagen pro Jahr versichern können.

Das Angebot sei bislang speziell auf asiatische Kunden ausgerichtet. Für den Einsatz in Deutschland und Europa sind laut Hörensagen andere Policen vorgesehen, etwa Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen. 

White-Label-Zusatzgeschäft erhofft
General Re hat als Rückversicherer für andere Versicherungsgesellschaften eigentlich nichts mit Privatkunden am Hut. Das Motiv für die Entwicklung der App ist laut SZ einleuchtend: Die Amerikaner möchten die App ihren Unternehmenskunden im Hintergrund zur Verfügung stellen. Im zweiten Schiritt hofft Gen Re, bei durch die App zustandegekommenen Abschlüssen vom jeweiligen Anbieter als Rückversicherer in Anspruch genommen zu werden.

Die Taktik könnte durchaus aufgehen, da viele kleinere und mittlere Versicherer nicht die finanziellen Ressourcen haben, eine solche Software-Entwicklung aus eigenen Mitteln zu stemmen. Ob der Erstversicherer die App direkt seinen Kunden oder nur seinen Vermittlern anbietet, sei diesem selbst überlassen – beides ist aus Sicht der Schnittstelle aber möglich, so die SZ. (jb)