Österreichs Pensionskassen erzielten im Durchschnitt eine Negativ-Performance von minus 5,18 Prozent im Jahr 2018. Das ist das drittschlechteste Ergebnis seit den Jahren 2002 (minus 6,31 Prozent) und 2008. Dieses schlechte Ergebnis präsentierte der Fachverband der österreichischen Pensionskassen am Donnerstag in Wien. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 wurde noch ein Plus von 6,13 Prozent erzielt. Der Grund für die Verluste findet sich in den durch Zinssteigerungen ausgelösten Verlusten auf der Anleihen- und der Aktienseite.

"Starke Schwankungen an den internationalen Börsen wie 2018 kommen selten vor, aber es gibt sie. Sie sind Teil des langfristigen Verlaufs im Sinne eines normalen Investitionszyklus. Langfristig ändert das nichts am Erfolg der Kapitalmärkte und am heimischen Pensionskassen-System“, erklärte Mag. Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen auf der Pressekonferenz. Für die Leistungs- und Anwartschaftsberechtigten sei laut Zakostelsky nicht ein einzelnes Jahresergebnis, sondern die langfristige Performance entscheidend.

"Dieses langjährige durchschnittliche Ergebnis der Pensionskassen über 28 Jahre liegt inklusive dem Jahr 2018 bei plus 5,17 Prozent pro Jahr“, betonte Zakostelsky. Laut dem Verbands-Obmann, der zudem verschiedene Führungsfunktionen in der VBV-Gruppe inne hat, seien die Pensionskassen in den ersten Tagen des neuen Jahres dank der Erholung am Aktienmarkt gut aus den Startlöchern gekommen und hätten mittlerweile rund zwei Prozent an Rendite gemacht – dank einer Aktienquote von anbieterübergreifend um die 30 Prozent. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag diese bei etwa 35 Prozent.

Schwankungsreserven verhindern Schlimmeres
Pensionisten mit Ansprüchen aus der zweiten Säule müssten trotz der Verluste wahrscheinlich keine stärkeren Kürzungen bei ihren Pensionen befürchten: Denn aufgrund der positiven Performance der letzten Jahre haben die Pensionskassen Reserven gebildet. Zur Erinnerung: Diese "Schwankungsrückstellungen“ bewirken, dass sich den Kapitalmärkt-Volatilitäten nicht so stark auf die Pensionshöhe auswirken.

Eine Schwankungsrückstellung sei laut Pensionskassenverband "mit dem Reservekanister eines Autos vergleichbar“. Inwieweit das negative Jahr 2018 zu Pensionskürzungen führen werde, entscheidet sich laut Zakostelsky erst in den kommenden Wochen, wenn auch aus versicherungstechnischer Sicht wichtige Parameter wie eingetretene Langlebigkeitsrisiken den Pensionskassen genau bekannt seien.

Hoffnung auf die Million
Die neun am österreichischen Markt tätigen Pensionskassen verwalten derzeit 22 Milliarden Euro für etwas mehr als 947.000 Bürger. Damit sind diese Altersvorsorgeeinrichtungen der größte private Pensionszahler des Landes. Per Ende 2018 bekamen 104.802 Leistungsberechtige bereits eine Pension, denen 842.266 Anwartschaftsberechtigte gegenüberstehen. Da fast alle Großbetriebe inzwischen ihren Mitarbeitern eine Firmenpension anbieten, kommt das derzeitige und künftige Wachstum für die überbetrieblichen Pensionskassen aus dem KMU-Sektor. Mittlerweile kommen 90 Prozent aller Neuverträge zwischen Unternehmen und Pensionskasse von Klein- und Mittelbetrieben mit durchschnittlich 14 Mitarbeitern.

"Stein der Weisen", um die zweite Säule auszubauen
Zur Vermeidung zukünftiger Altersarmut schlägt der Pensionskassen-Verband in Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedern einen "General-Pensionskassenvertrag“ für alle jene Werktätigen vor, die derzeit nur geringe Aussichten auf eine Firmenpension haben.

Hintergrund: Bislang können Arbeitnehmer, die bereits einen Pensionskassen-Vertrag haben, das in einer Vorsorgekasse (Abfertigung Neu) sowie auch in der "Abfertigung Alt“ angesparte Guthaben bei Pensionsantritt steuerbegünstigt in die Pensionskasse übertragen und dadurch in eine lebenslange Rente umwandeln lassen. Das soll in Zukunft auch für all jene Menschen in Österreich möglich sein, in deren Unternehmen noch keine Pensionskassen-Lösung vereinbart ist.

Ihnen soll es mittels des "General-Pensionskassenvertrages“ (möglichst mit standardisierten Bedingungen) ebenfalls ermöglicht werden, ihre Abfertigung an eine Pensionskasse zu übertragen und dadurch eine lebenslange Rente zu erhalten. Dies soll allen Österreichern die Möglichkeit einer Zusatzpension eröffnen. Laut Zakostelsky sei dieser Ansatz "der Stein der Weisen“, um rund 3,5 Millionen Österreichern eine Zusatzpension zu ermöglichen.

Hoffnung auf Steuerreform 2020
Im Rahmen der avisierten Steuerreform 2020 der Bundesregierung gäbe es laut Pensionskassenverband zudem einige Möglichkeiten, um die weitere Verbreitung des Pensionskassenmodells zu fördern. Die steuerliche Absetzbarkeit der Arbeitgeberbeiträge zu einer Betriebspension ist seit Langem geregelt. Wichtig wäre hier eine Gleichstellung der Arbeitnehmerbeiträge, also die steuerliche Absetzbarkeit auch von Eigenbeiträgen der Arbeitnehmer.

Zudem wäre es sinnvoll, bei kleinen Einkommen anstelle der steuerlichen Absetzbarkeit ein Prämienmodell vorzusehen, damit die Wirksamkeit für den einzelnen garantiert wird (Geringverdiener-Modell). Laut Zakostelsky könne man gerade mit diesem "Zuckerl“ Geringverdienern die private Altersvorsorge schmackhaft machen.

Arbeitgeber-Eigenbeiträge
Weiterer Veränderungsbedarf ergibt sich beim Thema "Arbeitgeber-Eigenbeiträge“: Derzeit sind zwar die Beiträge eines Unternehmens für die Mitarbeiter (Arbeitgeber-Beiträge) steuerlich absetzbar, nicht jedoch die Beiträge dieses Unternehmens für den ebenfalls mitarbeitenden "geschäftsführenden Gesellschafter“ (so genannte Arbeitgeber-Eigenbeiträge). Hier besteht Änderungsbedarf.

"Die Bundesregierung hat ein klares Bekenntnis zum Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge abgegeben. Ich bin zuversichtlich, dass dies im Interesse der Österreicherinnen und Österreicher in den kommenden Monaten in Angriff genommen werden wird“, erklärte Zakostelsky abschließend. (aa)