In einem Beitrag für den Interessensverband der Versicherungsagenten (IVVA) warnt Rechtsanwalt Stephan Novotny davor, dass die durch die Corona-Pandemie verstärkt nötig gewordene Online-Beratung auch Gefahren mit sich bringt. Er verweist auf eine deutsche Studie aus dem Jahre 2019. Diese komme zum Ergebnis, dass 30 Prozent der Versicherungsvermittler im Online-Betrieb "sehr wahrscheinlich rechtswidrig handeln".

Vor allem würden die Standards für die Beratung gemäß Art. 20 der IDD oft nicht ausreichend befolgt. Dabei geht es um Informationspflichten, Wünsche- und Bedürfnistest, Wohlverhaltensregeln oder Dokumentation und andere Regeln, die schwieriger zu erfüllen sind, wenn man dem Kunden nicht direkt gegenüber sitzen. "Sie können nicht einfach Papiere überreichen, darüber diskutieren, alles erklären, beraten und die nötigen Unterschriften einholen. Es ist alles mühsamer und zeitintensiver", beschreibt Novotny das Problem, das sich bei Webkonferenzen oder Telefonberatungen ergibt.

Zwei Termine vereinbaren
Er empfiehlt, für eine Online-Beratung zwei Termine einzuplanen. "Beim ersten Termin holen Sie sich die schriftliche Zustimmung für die beim zweiten Termin folgende Online-Beratung ein und überreichen alle Informationen, die Sie dem Kunden im Vorhinein, auf jeden Fall vor dem Antrag übergeben müssen", so der Experte. Alle Anforderungen von IDD, MiFID, DSGVO und Co. müssten jedenfalls auch Online eingehalten werden, um nicht in der Haftungsfalle zu landen, lautet die Mahnung. (eml)