Die seit der Vorwoche am 10. März verpflichtend anzuwendende EU-Offenlegungsverordnung verlangt mehr Transparenz bei der Nachhaltigkeit. Eine der Regeln lautet, dass Anbieter ihre nachhaltigen Fonds oder Versicherungen in zwei Kategorien einordnen müssen: Unter die Vorgaben von Artikel 8 fällt jedes Finanzprodukt, sobald es einen Nachhaltigkeitsaspekt behauptet ("hellgrüne" Produkte). Unter Artikel 9 fallen Angebote, die das Geld mit einem beabsichtigten Einfluss/Impact auf Umwelt oder Soziales investieren ("dunkelgrüne" Produkte).

Diese EU-Vorgaben sind ein Schritt gegen das Greenwashing: Die Anbieter müssen schlüssig nachweisen, wie sie die versprochenen Nachhaltigkeitsziele erreichen. Allerdings ist nicht immer eindeutig, in welchen der zwei Töpfe die Produkte kommen, was im Vorfeld der Einführung für Verunsicherung sorgte. In der Praxis werden sich die Anbieter wohl an die Vorstellungen der Aufsicht herantasten müssen, die die Einordnung kontrollieren soll.

Gesetz zur Kontrolle erst in Arbeit
Wobei eine "falsche" Einstufung wohl derzeit keine Konsequenzen hat: Der Gesetzgeber ist nämlich säumig und hat weder Verwaltungsstrafbestimmungen noch eine Behörde bestimmt, die die Einhaltung der Verordnung in Österreich überwacht. Wie FONDS professionell ONLINE erfuhr, ist ein entsprechender Gesetzesentwurf in Arbeit. Demnach soll die FMA als zuständiges Kontrollorgan bestimmt werden.

Konventionelle Fonds (also solche, die nicht unter Artikel 8 oder 9 fallen) sind derzeit in Österreich immer noch in der Überzahl. Das zeigt eine Umfrage unter ausgewählten Anbietern durch Martin Kwauka, Organisator des Finanzjournalistenforum. Besonders von den Artikel-9-Fonds, bei denen strengere Transparenzregeln gelten, gibt es noch wenige (siehe Tabelle).

Fondsanbieter

 Konventionelle Fonds Artikel-8-Fonds Artikel-9-Fonds
Erste Asset AM116385
Raiffeisen KAG70*152
Amundi9284
BNP Paribas18768
DWS    278516
Fidelity    k.A.50
M&G (Lux)k.A.62
Threadneedle (Lux) k.A.3

Quelle: Finanzjournalistenforum, in einigen Fällen handelt es sich um ungefähre Angaben.

Gleichzeitig haben viele Versicherer in ihren fondsgebundenen Lebensversicherungen einen sehr hohen Anteil an grünen Produkten, wie die nächste Tabelle zeigt.

Versicherungen

 Klassische LebensversicherungFondsgebundene Lebensversicherung       
  

Konventionelle
Fonds 

Artikel-8-FondsArtikel-9-Fonds
Allianz    Artikel 8*2115
Helvetia  Konventionell14661**10
Generali  Konventionell1482
MerkurKonventionell3***
UniqaKonventionell4562
Wiener StädtischeKonventionell22 Fonds als Artikel 8 und 9****

*Allianz ist die einzige Versicherung, die ihre klassische Lebensversicherung als nachhaltig im Sinne des Artikel 8 einstuft
**Zusätzlich gibt es bei Helvetia das gemanagte Fonds-Portfolio FairFuture Lane, das unter Artikel 8 läuft.
*** Es handelt sich um die Fonds der Lebensversicherung Merkur GreenLife, die mit dem österreichischen Umweltsiegel ausgezeichnet ist
****Wiener Städtische muss bezüglich Artikel-8- oder -9-Einstufung noch auf klarere Angaben der Produktanbieter warten. Die Versicherung hat in ihrem fondsgebundenen Angebot zwei spezielle Fondspolizzen mit österreichischem Umweltzeichen (Eco Select Invest und die s Fonds-Polizze Eco).

Hohe Dynamik erwartet
Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Monaten die Zahl nachhaltiger Produkte weiter zulegt. Der regulatorische Druck in diese Richtung bleibt nämlich hoch: Ab dem kommenden Jahr müssen die Finanzberater ihre Kunden verpflichtend fragen, ob sie Nachhaltigkeit berücksichtigen wollen. Wenn die Kunden dies wünschen, scheiden konventionelle Produkte aus, und die Auswahl muss aus Artikel-8- oder -9-Produkten getroffen werden.

Bereits jetzt ist es so, dass die Berater auf Nachhaltigkeitswünsche der Kunden eingehen müssen, wenn diese das wollen. Und einige Anbieter haben sich wohl schon ganz umgestellt. Ein Sprecher der Erste Asset Management sagte gegenüber der Redaktion, in den Filialen von Erste Bank und Sparkassen sei es bereits Firmenphilosophie, dass aktiv nachgefragt wird. (eml)