Die Corona-Pandemie macht ein "low-for-long"-Zinsszenario wahrscheinlicher – sehr zum Leidwesen der Versicherungen. "Das Niedrigzinsumfeld bleibt eines der größten Risiken", schreibt die FMA im druckfrischen Bericht zur Lage der Versicherungswirtschaft. Bekanntlich hält die EZB die Zinsen tief und kauft um hunderte Milliarden Euro Staats- und Unternehmensanleihen, um die Wirtschaft trotz des Covid-Schocks am Laufen zu halten. Wer in diesem Umfeld festverzinsliche Investments tätigt, muss sich aus heutiger Sicht wohl noch länger mit dieser künstlich hohen Nachfrage herumschlagen.

Die österreichischen Versicherungen haben 60 Prozent ihrer verwalteten Vermögen in Anleihen liegen. Sie befinden sich damit in einem herausfordernden Umfeld: weltweit handelten im Oktober 2020 Bonds im Wert von 16.300 Milliarden Euro zu negativen Renditen. Dass die noch für 2019 erhoffte Zinswende für einige Jahre vertagt wird, bringe insbesondere die Lebensversicherungen weiter unter Druck, warnt die FMA.

Längere Laufzeiten
Bei den Lebensversicherern liegt die Marge (Nettoverzinsung minus durchschnittlicher Rechnungszins) bei weniger als einem Prozent. Die Suche nach Rendite führt die Versicherer vor allem in zwei Richtungen: Alternative Assets (etwa Infrastruktur) und längerfristige Veranlagungen, die höher verzinst sind. Insbesondere bei Staatsanleihen beobachtet die FMA einen Trend zu einer längeren Duration. Mit Erfolg: Für die Lebensversicherung erhöhte sich die Marge von 0,5 Prozent in 2018 auf 0,9 Prozent in 2019. Allerdings geht mit längeren Laufzeiten die Gefahr von Kurswertverlusten einher, sobald es zu einer Zinswende kommt, warnt die Behörde.

Sie stellte in ihrem Bericht einen weiteren signifikanten Trend fest: Versicherungen nemen zunehmend die Expertise externer Asset Manager in Anspruch. Lag der Anteil der Fondsinvestments in 2016 noch bei 13 Prozent des Gesamtportfolios (exkl. FLV/ILV) so beträgt dieser aktuell rund 20 Prozent, so die FMA-Experten. (eml)

Service: Der Bericht kann auf der Homepage der FMA heruntergeladen werden.