Der Versicherungsverband VVO zeigt sich bei der Präsentation der vorläufigen 2018er-Zahlen sowohl geschäftlich als auch strukturell zufrieden. Die Prämieneinnahmen legten um 1,2 Prozent auf 17,3 Milliarden Euro zu, und es wurden sämtliche Stresstests bestanden, wie VVO-Präsident Kurt Svoboda bei einer Präsentation betonte: "Es war ein sehr erfolgreiches Jahr für die Versicherungsindustrie", so Svoboda vor Journalisten.

Er erwartet, dass das Prämienwachstum heuer mit einem Plus von 1,5 Prozent noch höher ausfällt. Hintergrund der positiven Prognosen für 2019: die Entwicklung am Arbeitsmarkt dürfte weiter gut sein und das Wirtschaftswachstum bleibt trotz Abschwungs mit prognostizierten 1,6 Prozent solide.

Enttäuschung über bisherige Forschritte
Unverständnis zeigt der VVO-Präsident aber für den zögerlichen politischen Willen, die – ohnehin jahrelang vernachlässigte – private und betriebliche Zukunftsvorsorge neu zu gestalten. "Die Förderung der Zukunftsvorsorge, wie sie im Regierungsprogramm angekündigt wurde, ist richtig. Aber sie ist nicht so ausgereift, wie wir das erwartet haben", zeigt sich Svoboda enttäuscht von bisherigen Fortschritten im Rahmen der Regierungsarbeiten für die Steuerreform 2020. Konkrete Vorschläge der Regierung liegen noch nicht auf dem Tisch.

Die Ungeduld ist verständlich, wenn man bedenkt, dass Details zur gerade in Ausarbeitung befindlichen Steuerreform bis Herbst fix und fertig auf dem Tisch liegen müssten, damit sie rechtzeitig für das Doppelbudget 2020/2021 beschlossen werden können. Es sei die Gefahr, dass die Regierung, anstatt die Betroffenen von vorn herein einzubinden, Pläne macht, denen die Branchen dann im Rahmen eines Begutachtungsverfahren zustimmen müssen, so Svoboda zu FONDS professionell ONLINE am Rande einer Pressekonferenz.

"Müssen uns darauf einstellen, dass es nicht der große Wurf wird"
Darauf angesprochen, ob er eine umfassende Lösung der Zukunftsvorsorge bis Herbst für möglich hält, meint Svoboda: "Es wird wohl eher so sein, dass wir einzelne Schritte sehen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es nicht der große Wurf wird".

Generell fordert Svoboda, dass die Politik vorausschauender agiert. Die Wirtschaft habe wiederholt für die Umsetzung neuer Regularien zu wenig Zeit bekommen, wodurch die positiven Seiten der Regulierungen kaum wahrgenommen würden. "So war es auch bei der Datenschutzgrundverordnung DSGVO, die inhaltlich gut ist. Aber die schnelle Umsetzung hat dazu geführt, dass die Unternehmen, Mitarbeiter und Kunden überfordert sind und dadurch ein negatives Gefühl entsteht", so Svoboda. Er trat im Jänner sein auf zwei Jahre anberaumtes Amt als VVO-Präsident an. Seit Ende 2017 ist er Chef der Uniqa Österreich und in dieser Funktion Nachfolger von Hartwig Löger, der Finanzminister wurde.

Kritik an PEPP: "Erst ab mindestens zwei Prozent kostendeckend"
Auf EU-Ebene erachtet Svoboda die Bemühungen zum Pensionsprodukt PEPP "als gutes Beispiel, dafür, dass Regularien eingeführt werden, die nicht durchdacht sind". Das Produkt, das grenzüberschreitend vertreiben und mitgenommen werden kann, sei an sich gut, weil es eine Lücke schließe. Zu viele Details seien aber nicht gelöst oder fragwürdig. Dass Anbieter etwa mit einem Kostendeckel von einem Prozent so ein Produkt vertreiben, sei kaum vorstellbar. "Mindestens zwei Prozent oder mehr" seien erst deckend. Auch die steuerliche Seite – es gibt EU-weit keine einheitliche Besteuerung von Erträgen – müsste vorab geklärt werden.

Die 126 österreichischen Versicherungsunternehmen zogen im abgelaufenen Jahr 2018 vor allem durch das gute Wachstum im großen Bereich Schaden/Unfall (plus 3,5 Prozent) und im kleinen, aber hoffnungsvollen Markt mit Krankenversicherungen (plus 4,3 Prozent) eine positive Bilanz. Die Sparte Leben ging bei den verrechneten Prämien erneut um 3,6 Prozent zurück (Prognose 2019: minus zwei Prozent). Details sehen Sie in der Klickstrecke oben.  (eml)