Nachdem die wochenlangen Corona-Maßnahmen, die viele Geschäftstreibende und Private in Existenznöte brachten, bereits wieder gelockert werden, ringen sich die österreichischen Versicherer zu einer Solidaritätsbekundung durch. Man stehe in Krisenzeiten "verstärkt" zu den Kunden, heißt es in einer Aussendung, in der ein Verhaltenskodex präsentiert wird. Dieser soll ein Rahmen für das gemeinsame Vorgehen in der Krise sein. Freilich wird betont, dass der Kodex individuell befolgt werden kann. Auch geht er in weiten Teilen nicht über das hinaus, was vertraglich ohnehin geboten wird.

Wenn Verbraucher oder Kleinunternehmen durch die Coronakrise in Zahlungsprobleme geraten, würden ihnen die Versicherer "in Härtefällen auf freiwilliger Basis individuell unter die Arme greifen", heißt es in der Aussendung des Versicherungsverbands VVO. Genannt wird beispielsweise die Möglichkeit, die Prämienzahlungen vorübergehend zu stunden und so den Versicherungsschutz aufrecht zu erhalten. Auch Prämienreduktionen könnten eingeräumt werden, wobei aber der Versicherungsschutz reduziert wird. Die Möglichkeiten sollen vorerst bis 30.6.2020 gelten. 

Die Versicherungsmakler hatten sich in einem offenen Brief kürzlich heftig über die Versicherer beschwert. Aus Sicht der Makler waren die Unternehmen nicht auf die speziellen Kundenbedürfnisse eingegangen, wie es in anderen Branchen sofort nach dem Verhängen der Corona-Maßnahmen üblich war. Auf die Forderungen der Makler gehen die Versicherer nur teils ein. Bei der Krankenversicherung etwa, wo eine problemlose kurzzeitige Umstellung auf einen geringeren Tarif gefordert wurde, verweist der Kodex nur darauf, dass ein Ruhendstellen oder eine Prämienreduktion die Leistung reduziert. 

15 Prozent für Betriebsunterbrechung
Dagegen gehen die Versicherer auf die Beschwerde der Makler ein, dass es für Kunden mit Betriebsunterbrechungsversicherung oder Seuchen-Unterbrechung keine Lösung gibt. Diese Polizzen decken nach Ansicht der Versicherer Ereignisse wie die Corona-Pandemie oft nicht ab. Die Assekuranzen haben nun eine "feiwillige Leistung" vereinbart. Vorgesehen ist, dass Begünstigte 15 Prozent einer Tagesentschädigung für die Dauer von maximal 30 Tagen erhalten können.

Man ersetze damit rund die Hälfte der Lücke, die durch die Regierungsmaßnahmen nicht abgedeckt werden, heißt es. Staatliche Förderungen wie Kurzarbeit, Corona-Hilfsfonds, Härtefallfonds könnten im Durchschnitt 70 Prozent der erlittenen Einbußen ausgleichen. Die Versicherungen erwarten, dass ihre Maßnahmen rund 100 Millionen Euro kosten. (eml)


Der Kodex zählt Möglichkeiten für verschiedene Bereiche auf. Hier die Formulierung im Wortlaut:

1. Lebensversicherung
Den KundInnen stehen je nach vertraglicher Vereinbarung folgende Möglichkeiten offen: Bei einer Stundung kann die Zahlung für einige Monate ausgesetzt werden. Der Versicherungsschutz bleibt dabei in vollem Umfang aufrecht. Die gestundeten Versicherungsprämien können zu einem späteren Zeitpunkt nachgezahlt werden.

Eine Prämienpause kann für einige Monate bis zu einem Jahr – abhängig von den jeweiligen vertraglichen Bedingungen – vereinbart werden. Die Prämien für den Zeitraum der Prämienpause müssen nach deren Ende nicht nachgezahlt werden, die vertraglichen Leistungen reduzieren sich entsprechend. Während der Prämienpause besteht eingeschränkter Versicherungsschutz im Ablebensfall und kein Versicherungsschutz aus Zusatzversicherungen.

Bei einer Prämienreduktion wird die Prämie, aber auch der Versicherungsschutz auf Dauer herabgesetzt. Eine Prämienfreistellung wird als Dauerlösung fixiert, die Leistungen sinken demgemäß.

2. Krankenversicherung
Bei einer privaten Krankenversicherung ist ein Ruhendstellen oder eine Prämienreduktion möglich. Dadurch reduziert sich der Versicherungsschutz. Die Versicherer sind bemüht, individuell Ruhendstellungen und Prämienreduktionen auch unterjährig durchzuführen. Die Versicherer raten aber davon ab, den privaten Krankenversicherungsschutz auszusetzen oder zu reduzieren, weil Leistungen im Krankheitsfall wichtig sein können.

3. Haushalts-, Eigenheim-, Rechtsschutz- und Betriebsversicherung (KMU)
Neben einer Prämienstundung kann auch eine Prämienreduktion mit verringertem Versicherungsschutz vereinbart werden. Darüber hinaus können bestimmte Zusatzbausteine ausgeschlossen oder höhere Selbstbehalte vereinbart werden.

4. KFZ-Versicherung
In der KFZ-Haftpflichtversicherung können die Prämien gestundet werden. Der Vertrag kann auch durch Hinterlegung des KFZ-Kennzeichens ruhend gestellt werden (mindestens für 45 Tage). In der KFZ-Kaskoversicherung ist eine Prämienreduktion bei geringerer Deckung durch Umstieg auf andere Produktvarianten wie etwa Teilkasko statt Vollkasko möglich. Eine Prämienreduktion mit sofortiger Wirkung ist auch durch Erhöhung des Selbstbehalts möglich.