Nahezu exakt sieben Jahre nach dem Kollaps der Dresdner Finanzgruppe Infinus im November 2013 muss sich die börsenotierte österreichische Versicherung Uniqa mit den Nachwirkungen des Falls auseinandersetzen. Eine nicht näher benannte "deutsche Zweckgesellschaft" hat Klage im Streitwert von fast vier Millionen Euro gegen die Uniqa eingebracht, die die Rechtsnachfolgerin der früheren Finance Life Lebensversicherungs AG (FinanceLife) ist, die in dem Fall eine Rolle spielte.

Wertlose Papiere
Die Infinus Gruppe hatte teils über Unterfirmen nicht werthaltige Genussrechte und Orderschuldverschreibungen vertrieben. FONDS professionell Deutschland hatte 2013 von "rätselhaften Gewinnen" des Finanzkonglomerats berichtet. Die Ergebnisse der Firmengruppe waren augenscheinlich jahrelang durch intransparente, konzerninterne Geschäfte mit Edelmetallsparplänen und Lebensversicherungen aufgebläht. Wenige Wochen nach dem Bericht kollabierte das System infolge einer bundesweiten Razzia der Staatsanwaltschaft Dresden. Mehr als 40.000 Anleger hatten zu diesem Zeitpunkt gut eine Milliarde Euro bei verschiedenen Emissionshäusern des Konzerns investiert.

Der Konzern kaufte Versicherungskunden ihre Polizzen ab und wollte die Verträge bis zur Fälligkeit fortführen. So sollten attraktive Renditen erzielt werden. Die ausgegebenen Orderschuldverschreibungen und Genussrechte sollten dazu dienen, diese Geschäfte zu refinanzieren. Mehrere Manager wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt, die Urteile werden aber bekämpft und sind nicht rechtskräftig.

Anleger wollen sich an Infinus/Uniqa schadlos halten
Zu den wichtigsten Produktgebern der Infinus Gruppe gehörte Finance Life. Die damalige Uniqa-Tochter wurde 2016 komplett mit Uniqa verschmolzen. Wie FONDS professionell ONLINE damals berichtete, hat Infinus ab 2004 Finance-Life-Fondspolizzen in Deutschland vertrieben. Die Uniqa-Tochter Finance Life nahm ab 2006 rund 580 Millionen Euro Beitragsprämie von der Firmengruppe um Infinus und Future Business ein.

Aus Sicht der Uniqa ist die nun eingebrachte Schadenersatzklage nicht berechtigt: Es gehe um Ansprüche aus dem bereits im Jahr 2011 beendeten Deutschlandgeschäft der Finance Life. Der Klagsbetrag liegt bei rund 3,9 Millionen, wie die Uniqa mitteilt – und es könnte noch teurer werden: In der Klage ist ein Vorbehalt der möglichen Geltendmachung von Ansprüchen weiterer Anleger enthalten: insgesamt hat die Klägerin außergerichtlich Ansprüche bis zu mittlerer zweistelliger Millionen Euro Höhe erhoben, heißt es seitens Uniqa. Außerdem wurden von weiteren Anlegern außergerichtlich Ansprüche eingebracht.

Finance Life habe zwar mit Gesellschaften der Infinus Gruppe Verträge über fondsgebundene Lebensversicherungen abgeschlossen. Mit Anlegern in Infinus-Schuldverschreibungen habe es allerdings keine Geschäfts- oder Vertragsbeziehung gegeben, betont die Uniqa. In der Klage argumentieren die Anleger, die durch die Insolvenz der Infinus-Gesellschaften einen Forderungsausfall erlitten haben, dass Finance Life durch den Abschluss der Verträge über fondsgebundene Lebensversicherungen zum Schaden der Infinus Anleger beigetragen habe. Die Uniqa betont, dass sie sich bereits im Jahr 2011 aus dem gesamten Deutschlandgeschäft zurückgezogen und seitdem keine Versicherungsverträge mehr mit der Infinus-Gruppe abgeschlossen habe. Die Behauptungen seien unbegründet und die Ansprüche unberechtigt. Man werde rechtlich alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Klage abzuwehren. (eml)