Das Sicherheit ihren Preis hat, zeigt sich an der ausbaufähigen Performance der österreichischen Vorsorgekassen, die in der Regel nur im niedrigen, einstelligen Prozentbereich zu liegen kommt. Das liegt daran, dass die Betrieblichen Vorsorgekassen eine Kapitalgarantie gewähren müssen, die bis dato einbezahlten Beiträge im Rahmen der "Abfertigung Neu" für die Berechtigten nicht weniger werden dürfen und die Vorsorgekassen aus diesen Gründen hohe Gewichtungen in sicheren, aber kaum verzinsten Anleihen oder Cash halten müssen.

Zwar ist laut Mercer Österreich der wesentliche Parameter der Betrieblichen Vorsorgekassen – die Bruttobeitragsgarantie – kurzfristig ein geeignetes Instrument um Schwankungen abzufedern, langfristig hemmt die Garantie durch die risikoaverse Anlage jedoch gute Performanceergebnisse, welche für den Berechtigten auf der Kontoinformation jedes Jahr ersichtlich ist. Diese zu gewährende Garantie stellt auch die Betrieblichen Vorsorgekassen aufgrund des aktuellen Niedrigzinsumfeldes vor gewisse Herausforderungen.

Gefordert sei daher laut Mercer Österreich eine Reform der Betrieblichen Vorsorgekassen, vor allem in Richtung Erweiterung der Behaltedauer von aktuell drei Jahren auf zehn Jahre mit gleichzeitiger Ausweitung der Veranlagungsgrenzen und dem optionalen Verzicht auf die Garantie. Relativ kurzfristig könnte die Ausweitung der Veranlagungsgrenzen umgesetzt werden – dies würde den Vorsorgekassen helfen, dem Thema Garantie wieder optimistischer gegenüber zu stehen. Mercer hat dazu eine Simulation erstellt, die zeigt, dass die Ausweitung der Veranlagungsgrenzen laut BMSVG (Betriebliche Mitarbeiter- und Selbständigenvorsorgegesetz) schon bei gleichem Risiko einen wesentlich höheren Performancebeitrag mit sich bringt.

Effizienzgewinne angestrebt
"Im Vergleich zu den aktuellen Restriktionen aus der BMSVG sind durch die Öffnung der Veranlagungsgrenzen Effizienzgewinne möglich“, erklärt Angelika Delen, Head of Investment Consulting, SRI & Impact Solutions, bei Mercer Österreich. "Grundsätzlich sehen wir nicht nur einen Bedarf an Veränderung der Veranlagungsgrenzen, auch das Thema Nachhaltigkeit findet derzeit keinerlei Erwähnung im BMSVG. Man könnte damit zwei enorm wichtige Bereiche im BMSVG aktualisieren.“

Dabei steht nicht die Ausweitung der Aktienquote im Vordergrund, sondern die Erweiterung der Alternatives, genauer gesagt der Private Markets und der Immobilien, um einen Ausgleich des nicht vorhandenen Performancebeitrages im Anleihenbereich zu generieren. Aktuell liegt der Schnitt der Vorsorgekassen über drei bis zehn Jahre nur bei rund zwei Prozent.

"Die Ausweitung der Veranlagungsgrenzen ergibt auch bei gleichem Risiko einen wesentlich höheren Ertrag. Dies hilft auch den Vorsorgekassen bei der Einhaltung der gesetzlich verpflichtenden Garantie“, so Michaela Plank, Expertin für Betriebliche Vorsorge und Geschäftsführerin bei Mercer Österreich und verweist auf nachfolgende Effizienzkurve:

Höhere Beimischung von Alternativen Investments sorgt für mehr Rendite

Durch die höhere Beimischung von Alternativen Anlagen wie Immobilien, Private Debt, Infrastruktur oder Rohstoffen sollte die Effizienzkurve etwas nach oben gehen (von blau nach grün) und bei fast identem Volatilitätsniveau höhere Renditen für die Anspruchsberechtigten herausspringen.

Pensionskassen dürfen bereits breiter streuen
Eine Öffnung des Veranlagungshorizonts analog zur Pensionskassenveranlagung wäre daher laut Mercer Österreich wünschenswert, um das System der Vorsorgekassen auch performancemäßig attraktiver und flexibler zu gestalten. (aa)