Die Manager-Haftpflichtversicherer (D&O) machen sich nach zahlreichen Verlustjahren auf eine steigende Flut von Schadenzahlungen und damit erneut rote Zahlen gefasst. Die finanziellen Risiken, die auf Vorstände und andere Führungskräfte zukämen, sollen auch im nächsten Jahr ansteigen. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine am Mittwoch (4.12.) veröffentlichten Studie der Allianz-Großkundensparte Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS).

Die Verluste der D&O-Versicherer (das Kürzel D&O steht für "Directors' & Officers' Liability) beruhen darauf, dass der Markt in Deutschland, aber auch in den USA und Großbritannien, hart umkämpft ist. Die Prämien liegen laut der AGCS-Expertise daher im Moment um 20 bis 25 Prozent unter dem Niveau von 2010 – obwohl die Preise 2018 immerhin erstmals seit 15 Jahren wieder nach oben zeigten. Simultan sind aber Schadenssummen, für die Versicherer geradestehen müssen, im Durchschnitt gestiegen – und das nicht zu knapp. Allein in Deutschland seien die Schadenmeldungen bei der AGCS zwischen 2014 und 2018 um 47 Prozent nach oben geschnellt, schreibt die Wirtschaftszeitung. 

Mehr Klagen wegen "Ruf-Problemen"
AGCS stellt laut dem Handelsblatt einen "Kulturwandel" hin zu einer Welle von Klagen von Aktionären gegen Manager und Unternehmen fest. Dabei geh es nicht nur um finanzielle Aspekte: "Die AGCS beobachtet mehr Klagen gegen Unternehmensleiter, die nicht unbedingt durch schlechte Finanzergebnisse begründet sind, sondern aus kritischen Nachrichten oder Reputationskrisen resultieren", erklärt AGCS-Manager Shanil Williams laut dem Handelsblatt.

Dazu gehörten etwa Probleme mit Produkten, Umweltkatastrophen, Korruption oder Cyberangriffe, aber auch Mobbingfälle oder sexuelle Übergriffe im Unternehmen, für deren Folgen sich die Manager verantworten müssten. Auch Klagen wegen des Klimawandels nähmen zu. Zum Anstieg der Rechtsstreitigkeiten trügen auch Prozessfinanzierer bei, die die Kosten etwa für Sammelklagen gegen eine Erfolgsbeteiligung übernehmen. Einige D&O-Gesellschaften hätten sich deshalb auch aus dem Markt zurückgezogen. Andere begrenzten die Versicherungssummen oder verlangten höhere Selbstbehalte. (jb)