Der Bedarf an Unterstützung in schwierigen Fragen zwischen Versicherungsmaklern und Versicherern beziehungsweise Kunden nimmt weiter zu. Bei der Rechtsservice- und Schlichtungsstelle (RSS) des Fachverbandes der Versicherungsmakler wurde der Höchststand an Schlichtungsanträgen aus dem Jahr 2019 im Vorjahr um mehr als ein Drittel übertroffen. Das geht aus dem neuen Tätigkeitsbericht der RSS hervor.

Von 156 auf dem Tisch liegenden Fällen wurden 117 im Berichtsjahr 2020 erledigt. In über 90 Prozent geht es um Deckungsstreitigkeiten zwischen Versicherungskunden und deren Versicherungsmakler als Antragstellervertreter auf der einen Seite und den Versicherern andererseits. Verschwindend gering sind dagegen Streitigkeiten zwischen Versicherungsmakler und Versicherer (zwei Fälle) beziehungsweise Probleme zwischen Versicherungsnehmer und Versicherungsmakler (sechs).

Versicherer lehnen Teilnahme oft ab
Kritisiert wird von den Verantwortlichen der RSS, dass viele Versicherungen "grundsätzlich" nicht an den Schlichtungsverfahren teilnehmen wollen. In fast der Hälfte der Fälle wollte sich die antragsgegnerische Versicherung der Schiedsstelle nicht unterwerfen: In 37 von 79 in der Schlichtungskommission behandelte Fällen gab es entweder keine Stellungnahme des Versicherers oder der Versicherer lehnte ausdrücklich die Teilnahme am Verfahren ab.

In diesen Fällen zieht die Schlichtungskommission die Schilderungen des Versicherungsnehmers heran, prüft den Sachverhalt in rechtlicher Hinsicht und gibt dann ihre Empfehlung ab. Die RSS verweist darauf, dass auch hier die Zahlen für ihre Objektivität sprechen würden: in den genannten 37 Fällen sei trotz der Teilnahmeverweigerung der Versicherer 14 Mal die Rechtsansicht der Assekuranz bestätigt worden, in zwei weiteren Fällen teilweise.

Zusammenarbeit mit Versicherern "ausbaufähig"
Die Flut an Schlichtungsanträgen zeige eine hohe Akzeptanz der RSS innerhalb der Maklerschaft; die Antragszahl habe sich 2020 gegenüber 2012 beinahe versechsfacht. Allerdings sei die Zusammenarbeit mit der Versicherungswirtschaft "ausbaufähig", heißt es in dem Tätigkeitsbericht. Ausdrücklich gelobt werden in diesem Zusammenhang die Rechtsschutzversicherer, von denen einige sehr aktiv auf die Einschaltung der RSS setzen würden.

Generell scheint sich aber etwas zu bewegen: Einige Versicherer haben sich laut den Angaben bereit erklärt, künftig gewisse Provisionsstreitigkeiten durch die RSS in einem beschleunigten Verfahren klären zu lassen. Offenbar gab es diesbezüglich aber noch keine Anträge: Ob derartige Streitigkeiten 2021 an die RSS herangetragen werden, bleibe abzuwarten, heißt es.

Rechtsschutz am häufigsten vor der Schlichtungsstelle
Am häufigsten befassen sich die Juristen der RSS mit Fragen der Rechtsschutzversicherung – mehr als 36 Prozent der Anfragen betrafen 2020 diese Sparte. Die Eigenheimversicherung samt den darin enthaltenen Sparten steht dahinter entsprechend dem Trend der Vorjahre auf Platz zwei. Stärker als sonst entwickelten sich 2020 die Schlichtungszahlen in der Unfall- und in der Krankenversicherung.

Insgesamt wurden seit Einrichtung der Rechtsservice- und Schlichtungsstelle vor 14 Jahren 892 Schlichtungsanträge gestellt, davon wurden 853 Fälle bis Ende 2020 abgeschlossen. Am häufigsten waren Versicherungsmakler aus der Steiermark betroffen (22 Prozent), gefolgt von Niederösterreich (17 Prozent) und Wien (16 Prozent). (eml)