Die Bereitschaft vieler Bürger sich gerade angesichts der Pandemie mit Absicherungsfragen auseinanderzusetzen, sorgt für ein Prämienplus bei Österreichs Assekuranzen. Sie vereinnahmten im wirtschaftlich düsteren Jahr 2020 Prämien in Höhe von 18 Milliarden Euro, wie die vorläufigen Zahlen des Versicherungsverbands VVO zeigen. Das entspricht einem Plus von 1,6 Prozent.

Verantwortlich für den Zuwachs war der große Bereich Schaden/Unfall, wo die Prämien um 2,6 Prozent zulegten. Erfreulich entwickelte sich auch die kleine Sparte Krankenversicherung, in die die Versicherungen seit einiger Zeit große Hoffnungen legen: Hier gab es (dem starken Trend der vergangenen Jahre folgend) erneut einen Zuwachs um 3,9 Prozent zu. Leben hingegen sackte erneut ab (minus 1,4 Prozent).

Schwerpunktverlagerung
Die einst wichtige Lebensversicherung, die vor zehn Jahren noch für rund 40 Prozent aller Prämien verantwortlich war, verliert damit weiter an Bedeutung. Ihr Beitrag fiel im Jahr 2020 auf knapp unter 30 Prozent (siehe Grafiken oben). Hinter der Verlagerung steht nicht nur die Zurückhaltung vieler Kunden, die sich seit Jahren in manchen Produkten mit Performancesorgen auseinandersetzen müssen. Auch die Versicherer selbst versuchen seit langem konsequent, sich angesichts der schwierigen Kapitalmarktsituation unabhängiger vom Lebensgeschäft zu machen. Risikoarme Neuveranlagungen, mit denen die Renditen für garantierte Leistungen erwirtschaftet werden sollen, sind im Tiefzinsumfeld eine Herausforderung. Daher verlagern sie den Schwerpunkt auf die gewinnbringendere Säulen Schaden und Krankenversicherung.

Wesentlicher als der Blick auf das Jahr 2020 werden für die Versicherungen die kommenden Monate. Der erwartete Anstieg der Unternehmenspleiten und die Neuberechnung von Gewerbeversicherungsprämien auf Basis der hohen Rückgänge im Corona-Jahr dürfte die Branche belasten. (eml)