Das Ziel, die private Vorsorge der Österreicher durch die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge (PZV) anzukurbeln, ist gescheitert. Das ab 2003 eingeführte Modell läuft bei den meisten Gesellschaften nur noch unter dem Begriff Bestandsverwaltung: Erstmals wurden 2017 mehr als die Hälfte des Prämienvolumens von Unternehmen eingenommen, die keine Neuverträge mehr anbieten, sondern nur noch bestehende Verträge verwalten. Das zeigen die Zahlen der Finanzmarktaufsicht FMA.

Minus 22 Prozent an Neuverträgen
Im Jahr 2017 wurden nur noch 14.457 Neuverträge abgeschlossen, das sind 22 Prozent weniger, als im Jahr davor. 2014 waren noch annähernd 30.000 neue Polizzen verkauft worden. Insgesamt sank der Bestand an PZV-Verträgen 2017 um 6,4 Prozent auf 1.289.833 Stück. Die Nettozuflüsse gaben im Vorjahr um 5,7 Prozent auf 862,2 Millionen Euro nach. Wobei sich hier besonders der Rückzug der Kapitalanlagegesellschaften (KAGs) bemerkbar macht (minus 25,4 Prozent). Bei Versicherungen ließ das Prämienvolumen um 5,3 Prozent nach.

Das insgesamt verwaltete Vermögen stieg indes – getragen durch Veranlagungserfolge – an: 8,98 Milliarden Euro sind per Ende 2017 in der PZV veranlagt. Ein Plus von 6,5 Prozent. Den Löwenanteil verwalten Versicherungen mit 98 Prozent.

KAGs komplett ausgestiegen
Keine einzige KAG bietet derzeit Neuverträge an. Die KAGs haben sich mit dem Jahr 2010 aus dem Neugeschäft zurückgezogen, die von ihnen verwalteten Verträge reifen daher zusehends ab.

Von den insgesamt 22 Unternehmen am PZV-Markt betrieben überhaupt nur noch sieben Neugeschäft und dieses ist deutlich konzentriert: drei Anbieter schlossen 88 Prozent der Neuverträge ab. 2018 werden voraussichtlich nur mehr sechs Versicherer neue Polizzen abschließen.

Gründe für das Versagen
Die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge war eingeführt worden, um die dritte Säule der Altersvorsorge zu stützen. In der Ansparphase fallen keine Kapitalertrags-, Einkommen- oder Versicherungssteuern an. Auch der Bezug der Rente ist einkommensteuerfrei.

Dass das Modell derart versagt, hat mehrere Gründe. Zum einen wurde durch das Sparpaket 2012 die Höhe des fixen staatlichen Prämienanteils auf 2,75 Prozent der Nettoeinzahlungen halbiert. Zu diesem fixen Anteil wird noch der Zinssatz für die Bausparförderung zugerechnet, der nicht unter 1,5 Prozent sinken kann, aber auch nicht über vier Prozent steigen. Das bedeutet, dass seit 2012 insgesamt der staatliche Prämiensatz zwischen 4,25 und 6,75 Prozent schwanken kann. Seit 2012 liegt der tatsächliche staatliche Zuschuss am unteren Ende dieser Spanne – und zwar bei 4,25 Prozent.

Aktienquote und Kapitalgarantien
Problematisch für das Produkt wurde aber im Zuge der Finanzkrise auch die Kombination aus Kapitalgarantien und Mindestaktienquote. Auch bei sehr stark fallenden Aktienmärkten müssen Papiere zugekauft werden, um die Quote zu halten. Die Quotenvorschriften wurden immerhin 2013 in ein mehrstufiges Modell geändert, in dem ab einem Alter von 50 Jahren zum Beispiel nur noch mindestens fünf bis 50 Prozent Aktienanteil erforderlich sind.

Es bleibt aber weiter, dass die Zukunftsvorsorgeeinrichtung eingezahlten Beträge garantieren muss. Die Kapitalgarantie sorgt für Kosten, etwa, weil externe Garantiegeber bezahlt werden müssen oder Geld in Rückstellungen fließt, das dann nicht auf dem Kapitalmarkt veranlagt werden kann. Übrigens existiert in Österreich ein Pool von nur 18 Finanzhäusern, die als Garantiegeber auftreten. Davon wiederum bündelt sich bei den drei größten Einrichtungen mehr als die Hälfte der vergebenen Garantien – ein nicht unerhebliches Risiko für beide Seiten, sollte es zu Ausfällen kommen.

Enorme Unterschiede bei Kosten
Die Performance des in der PZV veranlagten Vermögens war im Jahr 2017 sehr positiv – ausgehend von sehr kräftigen Aktien und guten Anleihenmärkten. Die Versicherer erwirtschafteten etwa ein Performanceplus von zehn Prozent – allerdings vor Kosten. Und die sind ein weiterer Knackpunkt.

Insgesamt hat die FMA errechnet, dass die Gesamtverzinsung der PZV durch Kosten, Versicherungssteuer und Risikoprämien im Extremfall um 46 Prozent gemindert wird. Von einer Gesamtverzinsung von 2,5 Prozent werden dann nur 1,36 Prozent effektiv weitergegeben. Auch das ist wohl ein Grund, warum diese Produkte so unbeliebt sind. Es besteht hier aber enorme Unterschiede. Am anderen Ende des Spektrums steht ein Versicherer, bei dem die Minderung nur bei 15 Prozent liegt. (eml)