Vergleichsportale haben den Versicherungsvertrieb bereits kräftig verändert. Mit Künstlicher Intelligenz (KI) könnte nun eine weitere Instanz zwischen Versicherer, Vermittler und Kunde treten – und womöglich schon darüber mitentscheiden, welche Anbieter und Produkte überhaupt in die engere Auswahl gelangen.

Darauf deuten Ergebnisse des aktuellen "Consumer Pulse 2026" der international tätigen Unternehmens- und Technologieberatung Accenture hin. Für die Gesamtstudie wurden mehr als 25.000 Verbraucher in 16 Ländern befragt. Die speziell ausgewerteten Versicherungsdaten basieren auf einer Teilstichprobe von 2.971 Personen zu Wohngebäude- und Kfz-Versicherungen. Es handelt sich um internationale Ergebnisse, nicht um eine gesonderte Erhebung für Österreich oder Deutschland.


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Eine neue Vorauswahlebene entsteht
Die entscheidende Frage für Versicherer und Vermittler ist laut der Studie nicht allein, ob Verbraucher KI einsetzen, sondern wo im Entscheidungsprozess sie dies tun. Die Accenture-Daten deuten darauf hin, dass KI zunehmend bereits bei Recherche, Vergleich und Vorauswahl von Versicherungsprodukten ins Spiel kommt.

Das könnte auch den Weg zum Kunden verändern. KI-Systeme können Angebote unterschiedlicher Anbieter gegenüberstellen, Informationen strukturieren und Empfehlungen vorbereiten. Für Vermittler stellt sich damit die Frage, ob Kunden künftig häufiger bereits mit einer KI-generierten Vorauswahl in die Beratung kommen. Für Versicherer wiederum könnte entscheidender werden, ob ihre Produkte von solchen Systemen überhaupt gefunden, verstanden und richtig eingeordnet werden können.

Ein bislang eher technisches Thema erhält dadurch eine vertriebliche Dimension: Produkte müssen möglicherweise künftig nicht nur Menschen überzeugen, sondern auch Maschinen. Transparente und maschinenlesbare Produktinformationen könnten an Bedeutung gewinnen, wenn KI-Agenten zunehmend darüber mitentscheiden, welche Angebote einem Kunden überhaupt präsentiert werden.

Der Mensch bleibt vorerst im Spiel
Dass KI damit Vermittler oder persönliche Beratung überflüssig macht, lässt sich aus der Studie allerdings nicht ableiten. Im Gegenteil: Je weiter die Technologie von der Recherche in Richtung eigenständiger Entscheidungen und Transaktionen vordringt, desto deutlicher wird die Zurückhaltung der Befragten. Für Vermittler könnte sich daher zunächst weniger die Bedeutung der Beratung verändern als vielmehr der Punkt, an dem sie beginnt: Die Vorauswahl findet möglicherweise zunehmend statt, bevor der Kunde überhaupt mit ihnen spricht. (cf)