Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie konnten sich die Unternehmen auf die staatlichen Sicherheitsnetze verlassen: Steuerstundungen und Aufschiebung von Sozialversicherungsbeiträgen so wie eine lockerere Insolvenzantragspflicht sorgten heuer sogar dafür, dass es bisher um ein Drittel weniger Unternehmenspleiten gibt als in den ersten neun Monaten 2019. Doch die Ruhe trügt, viele Ausfälle verschieben sich ins kommende Jahr. Denn zugleich haben sich die Schulden der Unternehmen verdoppelt, mahnt der Kreditversicherungsmakler A.C.I.C (Austrian Credit Insurance Counsel).

In Österreich dürften im nächsten Jahr die Insolvenzanträge um 15 Prozent steigen. Bei einigen für die Austro-Betriebe sehr wichtigen Export-Nationen sind die Befürchtungen noch pessimistischer, etwa bei Italien (plus 24 Prozent), Frankreich (plus 28 Prozent) oder den USA (plus 46 Prozent). Das zeigen die Durchschnittsprognosen für 2021, die A.C.I.C. aus Daten der vier größten Kreditversicherungsgesellschaften errechnet hat.

Weltweiter Anstieg der Pleiten um 31 Prozent erwartet
Laut den Berechnungen steigt die Zahl der Unternehmenspleiten im Jahr 2021 weltweit um 31 Prozent. Der wichtigste österreichische Exportpartner Deutschland dürfte mit einem Anstieg um neun Prozent etwas glimpflicher davonkommen. "Österreich hat eine stark exportorientierte Wirtschaft und wird daher von steigenden Insolvenzzahlen bei seinen wichtigsten Handelspartnern besonders betroffen sein", so Peter Androsch, Geschäftsführender Gesellschafter von A.C.I.C.

Er warnt davor dass es in manchen Branchen kaum noch möglich sei, seine Forderungen abzusichern: Die drei Branchen Tourismus, Luftfahrtindustrie und Automobilbranche haben laut Androsch "bereits jetzt erhebliche Schwierigkeiten neue Kreditversicherungsdeckungen zu bekommen". Spürbar betroffen seien in weiterer Folge auch die in Österreich traditionell stark etablierten Zulieferer der Auto- und Luftfahrtindustrie. In der Textilbranche hat sich die Lage bereits in diesem Jahr zugespitzt: Hier sind etwa Tom Tailor, Galeria Karstadt Kaufhof sowie die deutschen Tochtergesellschaften der Modekonzerne Esprit und Pimkie in Schieflage geraten.

Die österreichischen Kreditversicherer geben derzeit Deckungszusagen in Höhe von rund 56 Milliarden Euro für Lieferforderungen gegen Zahlungsausfälle. Davon entfallen 39,2 Milliarden Euro auf Exportgeschäfte und 16,8 Milliarden Euro auf innerösterreichische Geschäfte, wie es bei A.C.I.C heißt. (eml)